Admiral Fallow – Tree Bursts In Snow

Das letzte bisschen Folk

Immer wieder die selbe Platte auflegen ist ziemlich langweilig. Nicht nur, weil sich jede Platte irgendwann zwangsläufig abnutzt, im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch, weil es für alle Beteiligten enorm ermüdend ist, immer wieder die Story vom gleichen Pferd zu hören. Dieses mal soll es also keine galligen Bemerkungen geben, gegen den guten, alten Folk und alles was mehr oder minder fahrlässig in dessen Dunstkreis verortet wird. Dieses mal wird nicht lamentiert, dass Mumford&Sons nicht nur in den so genannten alternativen Kreisen (zurecht, wohlgemerkt) rauf und runter gespielt wurden, dass Of Monsters And Men (und das haben die Armen nun wirklich nicht verdient) sogar BILD-LeserInnen ans Herz gelegt werden. Das Ende der Beschwerde quasi. So mit PeterLicht gesprochen. Na gut, jetzt steht es ja doch wieder in den Eröffnungszeilen, in diesem Falle allerdings als Absage. An sich selbst. Also: Gemeckert wird nicht. Warum auch? Schließlich geht es hier nicht darum, die Befindlichkeit eines ganzen Genres aus der aufgesetzten Perspektive des Kulturpessimisten zu skizzieren, sondern um die fünf SchottInnen von Admiral Fallow. Genauer gesagt, um deren neue Platte.

Diese tritt nämlich jetzt, nach weniger als zwei Jahren, die Nachfolge ihres hochgelobten Vorgängers Boots Met My Face an. Ein schweres Erbe, könnte man nun bedeutungsschwanger anheben, aber sparen wir uns das. Tree Bursts In Snow – so heißt die Platte nämlich – will von Schwere nichts, aber auch gar nichts wissen. Dieses neue Machwerk spielt viel lieber, ganz unbeschwert, mit Akustikgitarren, mit luftigen Klaviermelodien, mit Streichern und Flöten. Und nicht zuletzt mit mehrstimmigen Gesangsharmonien. Soweit so gut, haben andere ja auch gemacht, und doch wurde sich  beschwert, möchte man einwenden. Allerdings gehen Admiral Fallow die Sache ein wenig differenzierter, ein wenig unaufgeregter, ja schlichtweg ein ganze Ecke unaufdringlicher an. Natürlich geistern hier die oben genannten Referenzen durch die Songs, nur halten sich die Stücke auf diesem Album viel lieber zurück und geben ihren Charme nur ungern preis. Neben der schieren Freude an der Melodieseligkeit findet sich hier auch die Opulenz von Dry The River und die Tiefgründigkeit von Frightened Rabbit. Dann passiert es eben glücklicherweise, dass man sich, nachdem man zum ersten mal ans Ende der Platte und damit zum herrlich windschiefen Schunkler Oh, Oscar gelangt ist, beim Suchen der Repeat-Taste erwischt. Diese Band fährt das letzte bisschen Folk auf, und das ist als Kompliment gemeint. Eine so lebensfroh die ausgeklügelten Arrangementtreppen rauf und runter hüpfende Gesanglinie, wie sie das eröffnende Tree Bursts auf seiner Habenseite verbuchen kann, hat man sich schon lange mal wieder gewünscht. Vor allem, wenn sie sich im Refrain mit leichten Uh-uhs die Hand gibt, als ob es nichts logischeres gäbe. Beetle In The Box vergisst dann sogar für einen Moment alle Zurückhaltung und wagt sich ganz ungeniert in den Engtanz mit dem Pop – und es funktioniert ganz prima. Old Fools hat dann eine verschleppte Klaviermelodie dabei, die allerdings von spinnerten Flöten abgefangen wird, ehe man ihrer überdrüssig und Isn’t This World Enough darf sich samt Orgel als feine Pub-Nummer präsentieren. Der eigentlich Höhepunkt, auf den sich dieses Sammelsurium allerhand listiger Einfälle zubewegt, ist aber trotz alledem The Way You Were Raised. Das flötet beschwingt nach vorne, mit anfänglicher Vorsicht raus aus dem Pub, rein in den Sonnenaufgang. Das mit der Vorsicht hat sich dann allerdings schnell erledigt, spätestens wenn sich der Song mit einem beherzten Schrei, dessen alleinige Existenz das Album über so einige andere hievt, losreißt und die großen Chöre im sich aufschaukelnden Finale in Empfang nimmt. Das Oh, Oscar herrlich ist, wurde schon erwähnt? Ja? Gut.

Kurz gesagt, ist diese Platte jetzt aber wirklich das Ende der Beschwerde: 8/10.

(Martin Smeets)

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