Adam Angst – Adam Angst

Adam Angst - Adam AngstMessianischer Eifer

Es ist ein bisschen überdreht wie Felix Schönfuss landauf, landab, von Golgota bis zur Mecklenburgischen Seenplatte als Messias des modernen deutschsprachigen Punkrock verehrt wird. Freilich hat der Ex-Schreihals von Escapado und den zwischenzeitlich ebenfalls abgewrackten Frau Potz einiges auf der Habenseite. Viele meinen, mit Adam Angst verhielte es sich ebenso, auch wenn manchmal die sinnlose Frage gestellt wird, ob das denn überhaupt noch Punk sei. Die Sache ist allerdings etwas komplizierter. Und ist das hier überhaupt die beste Punkplatte des Jahres? Nein, bestimmt nicht. Doch der Reihe nach.

Adam Angst heißt die aktuelle von Schönfuss zusammengesammelte Band (u.a. Fjørts David), Adam Angst heißt auch das vorliegende Album. Elf Songs, die letztlich alles bedienen, was bedient werden muss. Ein bisschen Politik, ein bisschen Beziehung, Alltag, Job, Lebenskrisen und Gesellschaftskritik, der Spaß darf natürlich nicht fehlen. Bei Felix Schönfuss ist das aber keine lästige Pflicht. Dafür ist sein Talent als Texter schlichtweg zu hervorragend und sein Storytelling von den Qualitäten eines Nagel. Die Songs sind nicht einfach Songs, sie sind Geschichten und trotz schönfusscher Gedächtnismetrik und Reimschema mehr prosaisch als lyrisch. Adam Angst – also das Album – ist eigentlich eine Kurzgeschichtensammlung. Eine gute übrigens. Smart, zynisch, amüsant, kritisch, wütend und wortreich. Das Kopfkino läuft auf Hochtouren, die Tätowiernadeln unter den Häuten der „Verehrer_innen“ vermutlich auch schon. „Holunder-Vinaigrette“ auf den Oberschenkel. Na, wer traut sich?

Das Problem ist allerdings: die Musik ist ist bei Adam Angst nur Nebensache. Sie ist Beiwerk, ja bloße Begleitmusik für Schönfuss’ Essays. Noch nie zuvor hat Schönfuss sich, sein Alter Ego (oder wie auch immer seine Person in die Figur Adam Angst einzuordnen ist) und die textlichen Botschaften in Ich-Perspektive so in den Vordergrund gerückt wie hier. Dem Musikalischen kommt das nicht zugute und dabei ist die Frage, ob das jetzt Punk, Pop, Indie (oder was auch immer) ist, wirklich nebensächlich. Hier hat Adam Angst nicht viel zu bieten und das eigentlich völlig ohne Not, wäre doch eigentlich mehr drin gewesen. Warum Wunderbar nach einem verzagt-interssanten Intro in der Strophe in einen Hier-Kommt-Alex-Verschnitt überführt wird? Keine Ahnung. Oder diese Jahrmarktsausflüge in Lauft um Euer Leben? Puh. Oder wenn sich Altar stellenweise wie eine Revolverheld-Reminiszenz anhört – ich wiederhole: Revolverheld -, dann wird es wirklich albern. „Ich weiß, dass das irgendwie kitschig ist…“ – ja allerdings, das ist es. Dass Professoren oder das allzu frau potzige Splitter Von Granaten ziemlich starke Songs sind, sollte nicht untergehen. Nur gibt es von ihrer Art leider zu wenige auf der Platte, die ohne die rettenden textlichen Granaten des Herrn Schönfuss insgesamt recht dürftig wäre.
6/10

Anspieltipps: Professoren, Was Der Teufel Sagt, Splitter Von Granaten

(Martin Oswald)

Adam Angst – Adam Angst | Grand Hotel van Cleef | VÖ: 20.02.15 | LP/CD/digital

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*