A Wilhelm Scream – Partycrasher

A Wilhelm Scream - Partycrasher // Bild: flight13.com

Same Procedure As Every Year

Es ist einfach schön, wenn man sich auf gewisse Dinge verlassen kann. Dass Pakete zum Beispiel immer genau dann zugestellt werden, wenn man gerade nicht zu Hause oder wahlweise die Klingel defekt ist. Oder dass sich reißerische Meldungen im Stile von ‚In Kreuzberg wird Weihnachten abgeschafft‘ stets als katastrophal recherchierte Krüppelenten (nein, das ist kein Ressentiment gegen Enten) entpuppen. Oder, um endlich mal auf den Punkt zu kommen, dass A Wilhelm Scream alle paar Jahre ein Album veröffentlicht, dass ähnlich klingt wie sein Vorgänger und sich überdies auf einem ähnlichen Niveau bewegt.

Dieses Jahr heißt selbiges Partycrasher und ist damit – nicht zum ersten mal in der Geschichte dieser Band – enorm missverständlich betitelt. Schließlich ist diese Platte spielend dazu in der Lage, die Stimmungsfieberkurve eine Party in gefährliche Höhen zu treiben. Vorausgesetzt, die BesucherInnen können mit einer Melange aus Punkrock, Hardcore und einem ungemeinen Hang zur Melodie etwas anfangen. Eine Melange, die im Übrigen nur von dieser Band in dieser Form gespielt wird. Auch im Jahr 2013 verpacken A Wilhelm Scream ihren Punk in ein geradezu metallisch-technisches Gewand, das bisweilen gar Assoziationen zu den großen Propagandhi hervorruft. Freilich, deren Brillanz hinken A Wilhelm Scream wenn’s hart auf hart kommt ein ganzes Stück hinterher. Das ändert allerdings nichts daran, dass Partycrasher dennoch einiges an Laune macht. Das ungemein eingängige Number One, das Lichtgeschwindigkeitsgegniedel von Ice Man Left A Trail, das im Vergleich zum Rest zunächst geradezu langsam gehaltene, vertrackte Sassaquin – alles Punkte auf der Habenseite von Partycrasher.

Auf der gegenüberliegenden ist jedoch ebenso nicht unbedingt Leere zu konstatieren. Zieht man zum Vergleich mal etwas wahllos Ruiner aus dem Jahre 2005 heran, fragt man sich schon, ob hier eigentlich jemals irgendjemand an den Reglern gedreht hat. So wenig unterscheidet diese Alben, trotz acht Jahren Altersunterschied. Warum man zwingend eine komplette Platte im fast gleichen Tempo durchhetzen muss, lässt sich außerdem auch nur schwerlich erklären. Am Ende bleibt eine weitere Platte dieser Band auf gehobenem Niveau. Bleibt zu hoffen, dass man hier nicht die nächsten Pennywise vor sich hat.

6/10

Anspieltipps: Number One, Sassaquin

(Martin Smeets)

A Wilhelm Scream – Partycrasher | No Idea/Cargo | VÖ: 13.12.2013 | CD/LP/Digital

Ein Gedanke zu „A Wilhelm Scream – Partycrasher

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