Circe – Music composed for The Show of Shows

Circe

Mehr als ein bisschen Hauptband

Das Schreiben über diese Platte scheitert beinahe schon daran, dass nicht ganz klar ist, wie hier was zu bezeichnen wäre. Was soll überhaupt in die Titelzeile? Denn Circe sind keine Band, vielmehr verbirgt sich dahinter der Name eines Soundtracks zum im Dezember erscheinenden Dokumentarfilm The Show of Shows über die Zirkus-, Vaudeville-, Karneval- und Cabaretszene(n) Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Musik hierfür stammt von Georg Holm, Orri Pál Dýrason, Hilmar Örn Hilmarsson und Kjartan Holm. Auch wenn zwei der Namen für isländische Verhältnisse durchaus kurz sind, verträgt dies dennoch keine Titelzeile.

Daran soll das Ganze aber auch nicht scheitern, denn hinter Circe steckt eben nicht irgendwer, sondern 2/3 von Sigur Rós, ihr Tourgitarrist und der Komponist Hilmarsson. Wäre das allein vielleicht schon eine Erwähnung wert, ist es das vorliegende Album allemal. Nicht nur, weil Postrock- und Ambient-affine Ohren schon im Voraus erahnen können, was auf sie zukommt, sondern weil es noch besser kommt als man erwarten könnte. Circe dauert deutlich über eine Stunde und präsentiert freilich viele ruhige Klänge und weitläufige Songstrukturen, die nur selten klassische Songstrukturen sind. Die einzelnen Songs verzichten meist auf eine entsprechende Dramaturgie und sparen Kulminationsmomente aus, die Georg und Orris Hauptband wie keine andere beherrscht.

Circe ist merklich ambientlastiger – was nicht nur, aber auch am (von spärlichen Chören bei Tko oder To Boris With Love abgesehen) gänzlich fehlenden Gesang liegt -, entwickelt aber dennoch eine stellenweise fast tanzbare Rhythmik. Lila wäre hier etwa zu nennen, das mit einem markanten Beat auch in Electro-Kreisen auf Interesse stoßen könnte. Oder das fast schon karibisch zappelnde Salire. Ganz allgemein spielen perkussive Elemente eine tragende Rolle, die Georg Holm mit seinem unnachahmlichen, meist äußerst dezenten Bassspiel ummantelnd begleitet. Da ist auf die sigur-róssche Rhythmussektion natürlich Verlass. Viele von Circes Passagen wären durchaus auch auf einer Sigur-Rós-Platte denkbar. Das etwas aus der Reihe tanzende und wuchtige To Boris With Love etwa, könnte man sich gut auf Kveikur vorstellen, Liquid Bread & Circuses atmet die Luft von Valtari und Wirewalker hätte sich auch auf Takk… finden können (Holms Bass wurde ja bereits erwähnt, die beiden letzten Beispiele illustrieren dies übrigens vortrefflich).

Es fällt ohnehin schwer sich Circe einigermaßen sinnvoll ohne die ständige Referenz zu Holms und Dýrasons Hauptband zu denken, entfernt sich die Platte eben auch musikalisch nicht allzu weit davon und wäre auch in diesem Kontext mit kleinen Abstrichen (der größte sicherlich: Jónsi) denkbar. Aber wie auch bereits eingangs angedeutet: Circe ist keine abgespeckte Sigur-Rós-Version, sondern – die Erwartungen erfüllend oder sogar übertreffend – ein formidabler Soundtrack, der seine ganz eigenen Stärken zu entfalten weiß.

8,0/10

Circe | Krunk Records | VÖ: 21.08.15 | LP/CD/download