The White Birch – The Weight Of Spring

The White Birch - The Weight Of Spring // Bild: revolver-club.deDie Entdeckung der Unendlichkeit

Man ist aufgrund der Lehren der Vergangenheit vorsichtig, wenn man erfährt, ein Künstler habe stolze neun Jahre damit zugebracht, ein Album zu realisieren. Zu enttäuschend ist meist das Ergebnis im Vergleich zur schier endlosen Wartezeit. Ola Fløttum hingegen hat das seltene Glück, dass niemand wirklich auf eine neue Veröffentlichung seiner Band The White Birch gewartet hat, war die Gruppe doch schon seit 2006 aufgelöst.

Umso überraschender steht demnach The Weight Of Spring vor seinen HörerInnen. Ein Album voller Songs, an denen Fløttum mal mehr, mal weniger intensiv gearbeitet hat, die aber tatsächlich stattliche acht Jahre in der Bastelstube reifen mussten, ehe sie das Licht der Welt erblicken durften. Die Gefahr, dass bei einer derart langen Entstehungszeit irgendwann eine falsche Richtung eingeschlagen wurde? Nicht von der Hand zu weisen. Doch Fløttum weiß um derlei Risiken und macht um alles Verkopfte und Prätentiöse souverän einen großen Bogen. Viel lieber lässt er seinen Slowcore auf den leisesten Sohlen trippeln, gibt seinen Songs ein paar traumwandlerisch schöne Melodien mit auf den Weg und verlässt sich auf die Wirkmacht der kleinen Gesten und Momente.

Das ist es dann auch, was The Weight Of Spring zu einem solch unvergleichlichen und wundervollen Album macht. Von New York, das man in der Anfangsminute kaum wahr nimmt bis zum Schlusstrack Spring übt sich diese Platte erfolgreich in Ruhe und Zurückhaltung. Eben dieses Spring zeigt dabei auf, wie wenig Aufhebens diese Songs um sich machen müssen, um dennoch nachhaltig beeindrucken. Reduzierte Streicher, ein vorsichtiges Klavier und ein paar pittoreske Melodiebögen. Fertig ist ein Stück, das seine HörerInnen über knapp sieben Minuten sicher im Griff hat.

Und dabei nicht mal als großartiger Höhepunkt auffällt. Weil hier das Album selber im Mittelpunkt steht. Ein leises, durchdachtes Gesamtkunstwerk. Langsam, erhaben, anmutig, einzigartig. Voll wohliger Melancholie, voll einnehmender Wärme, voller bedacht dosierter Dramatik. Oder kurz: Voller Zauber. Ein Zauber, dem man für immer verfallen wird. Für immer!

9/10

Aspieltipps: Solid Dirt, Lamentation, The Weight Of Spring, Lantern, Spring

(Martin Smeets)

The White Birch – The Weight Of Spring | Glitterhouse / Indigo | VÖ: 27.02.2015 | CD/LP/Digital

The Jury And The Saints – s/t

The Jury And The Saints - s/t // Bild: metal-templeWas haben wir dazu gelernt?

Die Simplizität mit der das Denken funktioniert, ist manchmal geradezu erstaunlich. Anders ist das – wir nennen es mal so – Newcomer-Syndrom unter keinen Umständen zu erklären. Eine vielleicht junge, meist ziemlich neue, bestimmt total frische Kapelle kommt des Weges und wird mancherorts kurzerhand mit Lorbeeren und entsprechenden Hoffnungen überschüttet. Und schon ist man in manchen Augen der Next-Level-Shit. Ob man will oder nicht. Verteidigen? Zwecklos. Und vor allem: Warum auch? Ein bisschen mediale Aufmerksamkeit hat noch keiner Band geschadet. Nächster Kandidat der Potentieller-Hype-Maschinerie: The Jury And The Saints.

Die machen – oh, wie sehr wir das alle nur wieder geahnt haben – im weitesten Sinne Post-Hardcore. Manche finden alleine das schon so geil, dass sie ihren Chefredakteur für ein Wochenende zur „Band der Stunde“ nach Neuseeland verfrachten. Und was ist dran? Ist das jetzt mindestens der heißeste Post-Hardcore-Scheiß des Jahres? In einem Wort: Nein. Das meint nicht, dass The Jury And The Saints ihre Sache nicht durchaus ordentlich machen. Im Gegenteil, ihre Songs bieten durch die Bank solide Kost und klingen eher nach vielen Bühnen- und Studiostunden, denn nach einem unbedarften Newcomer. Nur: Mit ‚durchaus ordentlich‘ und ’solide‘ lockt man nicht jeden Hund hinter dem Ofen hervor.

Mehr als diese Attribute sind aber nicht drin für diese Band. Weil sie nämlich auch nichts anderes machen, als die vielen, vielen durchschnittlichen GenrekollegInnen: Sie spielen alte Hot-Water-Music-Songs nach, verändern vielleicht irgendwo ein bisschen die Akkordfolge und arbeiten sich vergeblich an der Brillanz des Originals ab. Dazu wird das ganze natürlich in eine State-Of-The-Art-Produktion gebettet und somit jeglicher Ecken und Kanten beraubt. Schließlich muss die Chose von versprengten MusikkritikerInnen bis ins Ed-Sheeran-beposterte Kinderzimmer wenigstens potentiell alle erreichen. Dass im vorliegenden Fall auch noch so manche Nummer mit besonders nervigen Elektroschnipseln angepinselt wird, passt nur ins Bild.

So landen The Jury And The Saints in der grauen Masse des Durchschnitts. Weil sie aus ihren zweifelsohne vorhandenen Möglichkeiten im Prinzip nichts machen. Für die Maschinerie reicht das. Die JägerInnen des verlorenen Hypes werden sich einmal mehr begierig auf diese Band stürzen. Und sich mit ein bisschen Abstand vielleicht fragen, was sie da wieder geritten haben könnte. Für all diejenigen, die hingegen nicht ‚Heureka!‘ rufen, gibt es ja immer noch alte Hot Water Music. So einfach ist das.

5/10

Anspieltipps: Focus, Make Our Mark

(Martin Smeets)

The Jury And The Saints – s/t | SPV | VÖ: 27.02.2015 | CD/Digital

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Chasing Yesterday

Noel Gallagher's High Flying Birds - Chasing Yesterday // Bild: emp.deThe Right Stuff

Wer in den letzten Wochen auch nur das kleinste Bisschen mit ‚diesem Internet‘ zu schaffen hat, wird kaum an ihm vorbeigekommen sein: Dem Mensch gewordenen Läster-Promo-Zitatbot. Gut informierten ZeitgenossInnen auch als Noel Gallagher bekannt. Und wenn sich der große Meister auf irdische Gefilde begibt, um etwas mehr Aufmerksamkeit für seinen neuesten Geniestreich zu generieren, bleibt eben niemand verschont und kein Auge trocken. Eine Welt in der Ed Sheeran Wembley ausverkauft? Nicht lebenswert. Deutscher Rap? Nicht der Rede wert. Alex Turner (Arctic Monkeys) zuzuhören? Schlimmer als Benzin aus der Zapfsäule zu trinken. Sein Bruder? Könnte ein paar Songs aus Noels Resterampe „gut singen“. Die er ihm gnädigerweise überlassen würde, klar. Dass irgendwo in diesem verbalen Tourette-Anfall auch über James Blunt und Co. gebügelt wurde, ist schon kaum mehr erwähnenswert.

Der Erfolg gibt ihm natürlich recht. Hier ein paar Empörte, dort ein Shitstorm, da ein humorvoller Konter. Und selbst Ödo und Tristessa haben mitbekommen: Noel Gallagher und seine High Flying Birds sind wieder da. Und haben mit Chasing Yesterday ein neues Album mit. Ein gefundenes Fressen. Schließlich hat man es hier mit einem Britpop-Dino zu tun, der seine besten Tage längst hinter sich hat und ohnehin schon lange nicht mehr hungrig ist. Da nimmt man die gepflegte Hybris des Herrn Gallagher doch gerne genüsslich auseinander. Würde da nicht ein nicht zu ignorierendes Detail am Rande stören. Chasing Yesterday ist nämlich gut. Viel zu gut.

Wo der Bruder unter Beady Eye-Flagge zusehends in Richtung Bedeutungslosigkeit schippert, schraubt Noel seine Trefferquote in Regionen, die man nicht mal Beiden gemeinsam – sprich: Oasis – noch zugetraut hätte. Die launigen „Nanana“s von In The Heat Of The Moment, das im Kontext fast zügellos nach vorne stürmende Lock All The Doors, oder das – pardon – schlicht und ergreifend arschcoole Ballad Of The Mighty I mit Unterstützung von Johnny Marr: Das klingt frisch, transportiert hörbare Lust auf die eigenen Songs und sitzt einfach. Man nimmt ob der spät entdeckten Grandezza auch die augenzwinkernden Selbstzitate gerne mit. Wenn etwa Riverman zunächst so tut, als würde Chasing Yesterday zum Start noch einmal Wonderwall verwerten, hat Gallagher beinahe etwas Ironisches in seinem Werk untergebracht. Und wenn er The Girl With The X-Ray Eyes über Ideen besingt, die er zu Zeiten von The Masterplan sicherlich schon mal hatte, klingt das nicht etwa nach Recycling, sondern einfach bockstark.

Man schaut sich verwundert um, man kratzt sich am Kopf, man fragt unweigerlich: Warum nicht immer so? Warum musste man so lange warten, bis wenigstens einer dieser Querköpfe mal wieder ein komplettes Album ohne Querschläger auf die Kette gebracht hat? Noel Gallagher interessieren solche Fragen nicht. Der zuckt lakonisch mit den Schultern, haut zur Albummitte fünf Highlights am Stück raus, beleidigt irgendwen im Vorbeigehen und zieht sich wieder in die Unnahbarkeit zurück. Wenn der Großkotz so gute Songs vollbringt: Soll er doch.

8/10

Anspieltipps: The Girl With The X-Ray Eyes, Lock All The Doors, The Right Stuff, While The Song Remains The Same

(Martin Smeets)

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Chasing Yesterday | Sour Mash / Indigo | VÖ: 27.02.2015 | CD/LP/Digital

The Prosecution – Words With Destiny

The Prosecution - Words With DestinyFlächenbrand

Es ist beinahe aufdringlich. Da nennt sich eine Band schon The Prosecution und ihr Album obendrauf auch noch Words With Destiny. Weil das aber noch immer nicht bedeutungsaufgeladen genug ist, prangt auf dem Cover gleich ein zerbrochenes Maschinengewehr und eine Taube. Es liegen zwar ohnehin schon alle vom Holzhammer erschlagen am Boden, aber zur Sicherheit sei trotzdem erwähnt: Hier ist eine Punkband mit Hirn und Herz am ‚richtigen‘ Fleck unterwegs. Ska-Punk, um genau zu sein. Die viel zitierten Guten also.

Bei so viel Engagement nimmt es nicht Wunder, dass beim Schmökern der Tracklist schon nach vier Wörtern der Name Chris #2 ins Auge springt. Im Hause Anti-Flag findet man The Prosecution verständlicherweise gut und steuert gerne ein bisschen Stimme bei. Zumindest für den Opener A New Sensation. Der eigentlich ganz gut auf den Punkt bringt, was man sich unter The Prosecution so ungefähr vorstellen kann: Sauber abgemischter (die dumpf matschenden Gangshouts mal außen vor), melodieinfizierter Punkrock mit arg präsenten Bläsern und engagierter Textarbeit. Ska-Punk ‚amerikanischer‘ Couleur also, wie man ihn von Less Than Jake und Co. seit jeher kennt. Nur: Das hat man in den letzten Jahren, ach was, Jahrzehnten oft genug gehört. So richtig spannend ist der Stilmix also auch in Abensberg inzwischen nicht mehr.

Weil aber der Achter sein Handwerk durchaus beherrscht, ist das erstmal geschenkt. Words With Destiny findet über weite Strecken der Weg direkt in die Beine. Und lässt selbige mit einigen Songs unweigerlich in Bewegung geraten. Wer etwa zum charmanten Wechselspiel aus Offbeat und todsicherem Refrains von Broken Wings keinen Bewegungsdrang verspürt, sollte eventuelle medizinischen Rat einholen. Und wer nicht vom erwähnten A New Sensation, oder Shots & Sirens mitgerissen wird, bekommt am heimischen Fliesentisch ohnehin wohl nicht besonders viel mit. Das trotz all dem Bewegungsdrang auch der Kopf nicht untätig bleibt, macht dieses Album nicht eben schwächer. Eine runde Sache, dieses Words With Destiny.

Mit – das kann unmöglich verschwiegen werden – merklichen Schönheitsfehlern. Da wäre zum einen die simple Tatsache, dass hier sehr viel mehr möglich gewesen wäre. Exemplarisch hierfür darf Midnight Summer Storm stehen, das mit treffsicheren Riff, schönen Bläsersätzen und ausladendem Refrain eigentlich alles richtig macht, aber in der Strophe doch mit schmerzhaft überflüssigen Reggae-Anleihen verhunzt wird. Zum anderen bleiben auch The Prosecution nicht von der selbstgewählten Genreproblematik verschont: Sie stehen mit acht Leuten auf der Bühne, schreiben aber Songs für nicht mehr als vier. Weil die Elemente oftmals lose verbunden nebeneinander stehen. Ska und Punk machen beide ihr eigenes Ding und kommen selten einmal zusammen. Wenn sich beide aber doch die Hand reichen, kommt plötzlich Großartiges, wie King Mammon’s Returning zustande.

Am Ende steht ein zerfahrenes Gesamtbild. Sicher ist jede Note und jedes Wort dieses Albums mit den besten Absichten auf Band gebracht worden. Allein überspringen will der Funke nicht immer. Wenn er das aber tut, dann eindrücklich.

6/10

Anspieltipps: A New Sensation, Broken Wings, King Mammon’s Return

(Martin Smeets)

The Prosecution – Words With Destiny | Long Beach / Broken Silence | VÖ: 27.02.2015 | CD/Digital

News 15|1

Orbit The Earth - The Tidal Sleep - Artwork #1

+++ FreundInnen von Boysetsfire aufgepasst! Denn dieses Jahr wird es einiges von den ollen Hardcore-Haudegen zu hören geben. Da wäre zum Beispiel ein neues Album, das für dieses Jahr angekündigt ist. Und ein ‚eigenes‘ Festival. Ja, das Ding heißt Festival. Um genauer zu sein: Family First Festival. Wer dort neben Boysetsfire die Bühne betreten wird, ist noch nicht klar. Fest steht jedenfalls: Es werden – gemäß dem Motto – Freunde und gern gesehene Gesichter sein. Und natürlich großartige Bands. Neugierig gewordene sollten sich diesen Termin vormerken: 21.08.2015 | Köln | Palladium.

+++ Es geht ähnlich laut weiter. Mit Orbit The Earth und The Tidal Sleep. Beide Bands haben miteinander eine Split 12″ aufgenommen. Dazu beigetragen haben sie jeweils drei neue Songs und ein Cover der jeweils anderen Band. Nur etwas gedulden muss man sich noch. Die 12″ wird nämlich erst am 10. April erscheinen. Immerhin: Das Cover kann oben bewundert werden und die Tracklist steht hier:

01. Firmament (OTE)
02. Into Aerospace  (OTE)
03. Scavengers  (OTE)
04. Ghost Poetry (The Tidal Sleep Cover) (OTE)
05. The Valley Dweller (TTS)
06. The Calumet (TTS)
07. The Descent (TTS)
08. Fading Transmission (Orbit The Earth Cover) (TTS)

Hören kann man übrigens auch schon etwas:

Und wer will, kann The Tidal Sleep gemeinsam mit Landscapes an folgenden Terminen sehen:

12.04.15 Köln – MTC
13.04.15 Berlin – Tiefgrund
15.04.15 Hamburg – Hafenklang
16.04.15 Wiesbaden – Schlachthof
20.04.15 Wien – BACH (AT)
21.04.15 Salzburg – Rockhouse
22.04.15 Stuttgart – Juha West
24.04.15 Lichtenstein – JZ Riot
25.04.15 Göttingen – Kino Lumiere

+++ Mit den Leipzigern Baru wechseln wir das Genre in Richtung Indie. Ein Etikett, das jedes Jahr ein bisschen von seiner Trennschärfe verliert und in absehbarer Zeit auch fiesesten Eurodance umarmen wird. Doch das nur am Rande. Vom Eurodance sind nämlich Baru noch ein gutes Stück entfernt. Nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Was auch ihr neues Video unterstreicht. Das sieht dann so aus:

+++ Ebenfalls etwas Neues gibt es von The Boatsmen. Die veröffentlichen am 20. März ihr neues Album City Sailors. Und um die Wartezeit noch ein wenig zu verkürzen, gibt es jetzt ein Video zum Song Are You Ready For Heartbreak?:

Locas In Love – Use Your Illusion 3 & 4

Locas In Love - Use Your Illusion 3 & 4 // Bild: spex.de

Die meiste Band der Welt

 Bei Locas In Love ging schon immer ein bisschen mehr vor. Man denke nur an die Veröffentlichung des 2011er-Albums Lemming, als die Kölner den versammelten MusikkritikerInnen kurzerhand einen Review-Bot an die Hand gaben. Eine gewitzte Geste war das. Und auch für ihr neues Werk hat sich die Band wieder etwas einfallen lassen. Zum Major-Debut gibt’s ein Doppelalbum, mit einem ’normalen‘ und einem rein instrumentalen Teil. Alles klar soweit? Nein? Gut. Schließlich war es noch nie einfach dieses Quartett mitsamt des Zaubers, den es scheinbar en passant zu verbreiten imstande ist, zu fassen. Zunächst sind es sicherlich die Worte, die gewählt werden. Das fängt an beim Albumtitel Use Your Illusion 3 & 4, der schon jetzt den Preis für den besten Albumtitel des Jahres in der Tasche hat.

Und geht weiter bei all den kleinen, unscheinbaren Textzeilen, die diese Band in ihren Stücken unterbringt. Von nur vordergründig harmlosen Aussagen wie Und ich, ich bin der Junge, den du nicht Mann nennen sollst, weil das für alles steht, was falsch ist!“ über die zielsichere Befindlichkeitsanalyse Wir weinten die ganze Nacht, obwohl es keinerlei Grund gab – außer, dass unsere Leben scheiße waren und wir so viel mehr wollten“ bis zum offen mitschwingenden Fatalismus von „Komm wir bauen eine neue Stadt / Nachdem wir diese in Stücke geschlagen haben.“ ist so ziemlich alles dabei. Mal nölig, mal schnoddrig, aber immer zielsicher vorgetragen, laden die Zeilen von Use Your Illusion 3 zum hemmungslosen Tauchen in Metaebenen und Zitaten ein.

Ein Tauchbad vor gelungener musikalischer Untermalung, wohlverstanden, kommt man denn mit dem hauseigenen Stil der Band zurecht. Selten gehen die Songs weiter als bis zum Skizzenhaften, ohne aber, dass ihnen der Makel des Unvollendeten anhaften würde. Wer ohne offensichtliche Songbauten und mitsingkompatible Refrains leben kann, hat die größte Freude an diesem dezent verrückten Doppelalbum. Am beschwingten Aufgalopp von Blackbox, an den wundervollen Melodiebögen von Teile, an der Selbstanklage Es tut mir leid. Oder eben an beinahe durchkomponierten Stücken, wie Neue Sachen, dessen Spannungsbogen sich die Band auch gut und gerne bei einem Postrock-Stück ausgeliehen haben könnte. Es sind viele kleine Momente in die erste Albumhälfte eingestreut, denen man sich nicht entziehen mag. Und ein Großer. Wir bauen eine neue Stadt kombiniert nach beinahe aufbrausenden Beginn ein paar in Schönheit schwelgende Gitarren, die entwaffnende Stimme von Stefanie Schrank und Sätze, die so nur von Locas In Love kommen können. Das gibt es kein Entkommen, das ist fabelhaft.

Es ist ohnehin eine Neuheit: Ein klares Highlight auf einer Platte dieser Band. Woran es liegt? Nun, sicherlich daran, dass sich dieser Song im Backkatalog ziemlich weit vorne einsortiert. Aber auch daran, dass Locas In Love erstmals spürbare Qualitätsunterschiede zwischen ihren Songs zulassen. Es tut mir leid mag textlich großartig sein, musikalisch zitiert es aber lediglich Bandstandards. Und man wird den Verdacht nicht los, das Ganze irgendwann schon mal gehört zu haben. Ebenfalls nicht unter den Bestleistungen: Das nur flüchtig wahrgenommene Wer weiß und das ungewöhnlich finstere und gerade deshalb leider unpassende Affe. Ob man zum Abschluss der ersten Hälfte unbedingt drei Minuten lang dem Gebirgsbachrauschen von Grand Canyon (Wish You Were Here) zuhören muss, darf auch vorsichtig bezweifelt werden.

Womit dann die Brücke zu Use Your Illusion 4 geschlagen wäre. Hier versammeln Locas In Love elf instrumental Stücke – und es funktioniert. Obwohl sich diese Band, die doch so sehr von ihren Texten lebt, ihrer größten Stärke beraubt, obwohl der Bruch für die HörerInnen kaum härter und unvermittelter sein könnte. Vorausgesetzt, man versteht diesen zweiten Teil als ein Gesamtwerk. Aus dem höchstens die schweren Akkorde des Schlussstücks Ebertplatz und das flotte Tempo von Trimbornstraße herausragen.

Trotz diverser Abzüge in der B-Note: Locas in Love sind auch 2015 Spielwiese und Projektionsfläche für die kleinen und großen Ängste und Hoffnungen, für schmerzliche Wahrheiten und neuerdings sogar für ein klein wenig Optimismus. Und vielleicht eine der besten Indiepop-Bands des Landes. Sicherlich aber eine, die man gerne an seiner Seite weiß.

7/10

Anspieltipps: Blackbox, Neue Sachen, Wir bauen eine neue Stadt, Das ist ein Licht, Trimbornstraße

(Martin Smeets)

Locas In Love – Use Your Illusion 3 & 4 | Downbeat / Warner | VÖ: 20.02.2015 | CD/LP/Digital

Dritte Wahl – Geblitzdingst

Dritte Wahl - GeblitzdingstEndgültig bedeutungslos

Im Sommer 1992 hat in Rostock-Lichtenhagen ein rechter Mob mehrere Tage lang eine Aufnahmestelle für Flüchtlinge belagert und unter Jubelrufen und viel Applaus mit Steinen und Brandsätzen beworfen. Hunderte Menschen waren in akuter Lebensgefahr. Die Szenen sind vielen bekannt. Die Rostocker Band Dritte Wahl schrieb infolge dieser Ereignisse Macht Die Augen Auf. Ein wütendes, aber ermunterndes Statement gegen faschistische Parolen und Taten, gegen die Vernichtungsfantasien der neuen und alten Nazis. Die gesellschaftliche und politische Stimmung, die Lichtenhagen begünstigt, wenn nicht sogar überhaupt ermöglicht hat, ist leider auch im Jahr 2015 nicht bedeutend anders. Die neuen und alten Nazis sind nicht weniger und nicht schweigsamer geworden. Flüchtlingsheime brennen wieder. Dritte Wahl waren in den frühen Neunzigern, ausgehend aus der Ost-Deutschpunkszene ein bedeutender Träger einer linken und spruchreifen Kultur gegen faschistische Tendenzen und ihre Verharmlosung. Freilich hatte die Band einen relativ kleinen Wirkradius und doch konnte sie insbesondere mit ihren ersten beiden Alben, Fasching in Bonn und Auge um Auge, in Metal- und Punkrock affinen subkulturellen Kreisen Diskurse mitprägen und politische Sozialisationen beeinflussen. 

Warum dieses lange Vorwort? Weil, wenn man sich die einstige Bedeutung und Relevanz von Dritte Wahl betrachtet, sie im Laufe der Zeit nicht bedeutungsloser hätten werden können. Mit Geblitzdingst krönen sie diese Bedeutungslosigkeit endgültig. Nun kann und sollte man mit Wandlungen von Bands eher nachsichtig sein und Änderungen von Stil, Inhalt und Botschaft nicht per se als Übel werten. Doch was aus Dritte Wahl geworden ist, ist geradezu ein Trauerspiel.

Auf Geblitzdingst ist fast alles schlecht, was man überhaupt schlecht machen kann. Dabei sind der dämliche Albumtitel, das Men-In-Black-Motiv (really?!) und selbst der thematisch alberne Selbstgesprächs-Opener Der Spiegel noch vergleichsweise harmlos. Los geht es so richtig mit dem Titelsong, der einen Allerweltspunkrock-Riff mit schrecklichen Synthies und Soundspielereien kombiniert, die man sich selbst im größten Anfall von Langweile beim Herumdudeln in GarageBand nicht trauen würde. Vom nachfolgenden Stillstehn bleibt ein zwar durchaus nicht völlig verkorkster Refrain, aber die dermaßen desolat aus der Zeit und dem Konzept gefallene 80er-Jahre-Snare vereinnahmt diesen Song vollständig. Stillstehn? Das ist doch die Nummer mit der doofen Snare? Ja, genau die ist es.

Ob Dritte Wahl ernsthaft denken mithilfe solcher Sperenzchen könnten sie aus ihren langweiligen Songs zumindest einen Funken Interessantes rauskitzeln? Ach, schon jetzt hofft man das Ganze würde bald ein sanftes Ende finden, aber Dritte Wahl haben beim dritten Song natürlich noch nicht alle blödsinnigen Ideen verballert. Diese verteilen sich schön auf das ganze Album. F.D.S (Fick den Scheiß)! Ja, absolute Zustimmung. Es passt leider ins Bild, dass selbst das in Ansätzen brauchbare Eure Zukunft mit einem onkelzähnlichen Refrain und der zweiten Songhälfte vollständig versenkt wird. Dass die Seefahrerballade Sirenen selbst Odysseus seekrank gemacht hätte, verwundert dann auch nicht mehr. Jetzt ist wirklich schon alles wurscht. Und weil es Dritte Wahl leider immer noch nicht reicht, kommen mit Immer Auf Der Reise, das selbst Udo Lindenberg oder die Scorpions nicht peinlicher spielen könnten und Was Weiß Ich Schon Von Der Liebe nochmals zwei katastrophale Lieder. Ob dieses Blitzding Trommelfelle platzen lassen kann? Wenn ja, bitte jetzt sofort!

Doch lassen wir das. Dritte Wahl sind mit Geblitzdingst auf Platz 23 der deutschen Charts eingestiegen und verkaufen sich wohl so gut wie nie. Das ist ihnen grundsätzlich zu gönnen. Ob dies den Preis der Bedeutungslosigkeit einer einst so wichtigen Band aber wirklich wert ist, sei einmal dahingestellt. Zu sagen haben sie im Jahr 2015 jedenfalls nichts mehr, musikalisch liefern sie belanglosen Schrott. Der letzte Song heißt Noch Einmal. Nein, gewiss nicht!

2/10

Anspieltipps: –

(Martin Oswald)

Dritte Wahl – Geblitzdingst | Dritte Wahl | VÖ: 30.01.15 | CD/LP/digital

Funeral for a Friend – Chapter and Verse

FFAF - Chapter and VerseDie aufgekochte Suppe

Das nunmehr siebte Studioalbum von Funeral for a Friend überrascht nicht. Warum sollte es auch? Seit 13 Jahren machen die Waliser Post-Hardcore und spielen sich problemlos durch alle Facetten, die dieses Genre überhaupt hergibt. Schreiend, singend, keifend, leidend, mal schnell, mal langsam, bratzende Breakdowns und steile Gitarrenabfahrten sind ebenfalls im Angebot. Funeral for a Friend haben alles parat. Selbst eine überpräsente Leadgitarre samt Soli und Metalriffs fehlen nicht. So war es schon immer und so ist es auch auf Chapter and Verse.

Es fällt schwer hier die Unterschiede zu vorangegangen Platten auszumachen, so es denn überhaupt nennenswerte gibt. Freilich agiert die Band nicht mehr so ungestüm, aber herzhaft wie auf der (kürzlich neu auferlegten) Debüt-EP Between Order and Model, allerdings (und zum Glück) auch nicht so glatt und schmalzig-radioesk wie auf Tales Don’t Tell Themselves. Im Grundsatz sind die Rezepte von Funeral for a Friend jedoch immer die gleichen geblieben. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn es um die melodische Komponente geht. Hier haben sie neben einem feinen Gespür für Hits vor allem auch Matthew Davies, der zweifellos zu den einprägsamsten und besten Sängern seiner Zunft gehört. Von Nachteil ist dies allerdings auch, weil man nicht genau sicher ist, was es eigentlich soll, wenn Funeral for a Friend die gleiche (wenn auch durchaus schmackhafte) Suppe immer wieder neu aufkochen.

Klar, es gibt diese unwiderstehlichen Songs, die Funeral for a Friend seit eben einem guten Jahrzehnt immer wieder liefern. You’ve Got a Bad Case of the Religions, das sich von Anfang an ins Geschehen stürzt und neben einem eingängigen Refrain auch unerwartete Wendungen und ein stürmisches Ende bereithält. Ja, auch eine klare Botschaft halten sie nicht hinter’m Berg: „You lived your life in chapter and verse / Some days it feels more like a curse / But I’d rather live my life“. Auch 1% ist ein absolutes Highlight, das zeigt wie Post-Hardcore-Hymnen aussehen können, wenn sie den Spannungsbogen ohne die geringsten Einbußen über fast vier Minuten ziehen.

Doch wird die Krux solcher Songs sogleich mitgeliefert. Zu gewöhnlich, zu uninspiriert, ja schlichtweg zu langweilig kommen dabei viele andere Stücke weg, die über den Status von Füllmaterial im FFAF-Kosmos nicht hinauskommen. Dass das akustische Brother dem Album in seinem letzten Drittel noch etwas Würze zu verleihen weiß, ist sicherlich auch ein taktischer Kniff, vor allem ist es eben ein guter Song, der einen Eindruck davon gibt wie Matt Davies auf Solopfaden klingt. Dass Donny im Anschluss auch zu überzeugen weiß, ist zwar erfreulich, reißt die Platte aber nicht mehr in die großen Höhen.

Chapter and Verse ist dank seiner in kleinen Portionen hervorragenden Songs mehr als ein durchschnittliches Album, viel mehr aber leider nicht.

6/10

Anspieltipps: You’ve Got a Bad Case of the Religions, 1%, Brother, Donny

Funeral for a Friend – Chapter and Verse | End Hits Records | 23.01.15 | CD/LP/digital

(Martin Oswald)

Kurzformat #4

Sundara Karma – EPI

Da haben ein paar Leute ein todsicheres Gespür für Namen, über die man zwangsläufig stolpern muss. Sundara Karma hört man nicht jeden Tag. Und den Titel der Single, Indigo Puff, genauso wenig. Aber das ist nebensächlich. Weil im Falle von Sundara Karma ganz schnell der Fokus in Richtung ihrer Musik rückt. Zumindest auf dieser EP. Irgendwo zwischen dem Hitpotential früherer Wombats und dem Sound von Alvvays empfehlen sich diese vier Stücke nachdrücklich als Kleinode des Indiepop. Eingängig, aber nicht einfältig. Ein Versprechen für die Zukunft. [Believe Recordings| VÖ: 23.2.2015] – (ms)

Mynth – Polar Night

Weniger Indie, mehr Pop: Dafür stehen Mynth. Auf den ersten Blick. Wenn man genauer hin hört, entdeckt man aber auch eine Liebe zum Dunklen und Verrätselten. Songs, die wie gemacht scheinen für späte Stunden im Club und dennoch nicht flach oder stumpf sind. Gesetz dem Fall, man kann ansatzweise etwas mit Elektropop anfangen. Dann erhält man drei wundervoll mysteriöse Songs. Und mit I’m Good einen kleinen Hit. [Seayou Records | VÖ: 06.2.2015] – (ms)

ANCST/AST – Split

Kommen wir nun zu einem Genre, das nach den Ausführungen über Elektropop zwangsläufig kommen muss: Black Metal. Und somit zu ANCST und AST, die sich zusammen getan haben, um eine Split aufzunehmen, die hier streng genommen überhaupt nichts zu suchen hat. Schließlich ist das hier mitnichten eine EP. Ist uns aber völlig egal, schließlich ist dieses Teil viel zu gut, um es zu verschweigen. ANCST prügeln sich vier Mal mit merklicher Hardcore-Schlagseite durch ihre durchaus melodieverliebten Stücke (und nehmen sich sogar mal zwei Minuten Zeit für ein Interlude). AST schwören der Melodie auch nicht unbedingt ab, gehen aber etwas brachialer vor. Acht Songs, durch die Bank unbedingt hörenswert. [Vendetta Records | Februar/März]- (ms)

Bad Ideas – The Better Parts Of You

Und weil wir heute irgendwie Bock auf wilde Stilbrüche haben, folgt auf Black Metal jetzt noch eine schöne Runde Punkrock. Mit den Bad Ideas. Ob diese EP nun wirklich eine schlechte Idee war, darf im Übrigen gerne bezweifelt werden. Schließlich setzt sich der Vierer aus Leeds zielsicher zwischen den Stühle, die Weezer und The Smith Street Band aufgestellt haben. Nicht die schlechtesten Referenzen also. Und ja: The Better Parts Of You macht mächtig Spaß. Man freue sich auf ein Album. Und besuche zwischen 06. und 16. März ein Konzert. Dann ist die Band nämlich auf Akustik-Tour. [Uncle M | VÖ: 07.11.2014] – (ms)

Beat The Reaper – Releaseparty | 16.02.15 | Kinokneipe (Regensburg)

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Die Kinokneipe ist eben Kinokneipe. Und so geht auch am für sie wichtigsten Tag ihrer jüngeren Geschichte zunächst der Film vor. Erst ab 23 Uhr kann jenseits der Kinoleinwand Livemusik gespielt werden, auf der anderen Seite duldet der Filmgenuss natürlich keine Störung. Die Kinokneipe muss warten. Sie ist eben ein Kabuff hinter der Kinoleinwand und gewissermaßen das unartige Anhängsel und der schmuddelige Bastard der Ostentorfamilie. Ostentorkino, Chaplin und Kinokneipe wird es nach derzeitigem Stand im Jahr 2016 nicht mehr geben. Zumindest nicht mehr als symbiotische Einheit, als Ensemble am Villapark am Ostrand der Altstadt.

Über die größeren Familienmitglieder muss man sich freilich weniger Sorgen machen, so sie denn tatsächlich aus dem denkmalgeschützten Gebäude ausziehen müssen. Dem Kino steht möglicherweise ein Sprung ins Gloria in der Altstadt bevor, das Chaplin wird als etwas gehobenere und weithin bekannte und beliebte Gastronomie vermutlich auch seine Wege gehen. Die Kinokneipe wird es da zweifellos viel schwerer haben. Und weil sie bei der Schließungsdebatte um das Ostentorkino ohnehin nicht allzu sehr im Fokus steht, haben 18 Regensburger Bands am 16.02. den Kinokneipe-Tribute-Sampler namens Beat The Reaper veröffentlicht. Auf das Schicksal der Kinokneipe wurde damit in denkwürdiger Weise aufmerksam gemacht. Ein Sampler und eine große Releaseparty. Da berichtete selbst der BR.

Zehn Bands, alle auch auf der CD vertreten, waren an diesem Rosenmontag mit von der Partie und teilten sich die „Bühne“ (die allerdings mehr Telefonzelle – die Jüngeren klicken hier – als Bühne ist). Die Frage wie das logistisch und zeitlich (wir erinnern uns: Beginn 23 Uhr; für Regensburg gefühlt schon weit nach Mitternacht) zu bewerkstelligen sein sollte, war dabei mehr als berechtigt. Die Verwunderung darüber, dass dies doch so denkbar unkompliziert klappen konnte, jedoch umso größer.

Es lief ungefähr so: Jede Band konnte in knapp zehn Minuten 2-4 Songs unterbringen, Equipment und Bandmitglieder wurden mehr oder weniger durchgereicht, Umbaupausen waren faktisch nicht vorhanden. Ebenfalls nicht vorhanden waren gute Plätze. In der übervollen Kinokneipe stand jede Person einer anderen im Weg, einen Gang aufs Klo plante man am besten 4 Bands im Vorfeld. Doch was nimmt man für so einen Abend nicht alles in Kauf? Eben. Und weil unter diesen Umständen, den fließenden Übergängen und den nicht gerade vorzüglichen klanglichen Bedingungen eine musikalische Bewertung sowieso müßig und überhaupt ziemlich überflüssig wäre, belassen wir es einfach dabei: Kinokneipe darf nicht sterben!

Ach ja, auf der „Bühne“ standen u.a.: Point Baker, Containerhead, Zwei Tage : Ohne Schnupftabak, Team K, Johnny Firebird, Jenny Lund, Marin RadioShotter, Poptones. Die CD gibt es übrigens in Regensburger Buch- und Plattenläden zu kaufen. So sieht sie aus:

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Und hier ein paar (wenige) Fotos:

(Martin Oswald)