WIZO – Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III)

WIZO - Punk gibts nicht umsonstSchlagerpunk

Damit konnte man nun wirklich nicht rechnen: Ein neues WIZO-Album. Ja, man muss diesen Satz mehrmals lesen, um ihn zu begreifen. Ein neues WIZO-Album… bitte was? Auch wenn man selbst den plötzlichen Weltuntergang für wahrscheinlicher halten möchte – es ist wahr. Also wirklich. Fast zehn Jahre nach Anderster und ganze zwanzig (!) Jahre nach dem bahnbrechenden UUAARRGH! haben WIZO tatsächlich das nun auch schon seit mehreren Jahren angekündigte Album Nummer 6 veröffentlicht. Mir nichts, dir nichts, haben sie es vor einigen Tagen einfach ins Netz gestellt. Ohne Ankündigung, Vorlaufzeit, Promo und sonstigen Schnickschnack, der so dazu gehört. Am 13. Juni war es einfach da.

Es ist gewiss kein Zufall, dass sich Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III) optisch stark am bereits erwähnten Meilenstein UUAARRGH! orientiert. Das Fert mit Ölablassschraube ist geradezu eine Merchendise-Ikone und die Wiedererkennungsmarke der Band schlechthin. Würde man marketingstrategisch denken: eigentlich alles richtig gemacht. Wie aber steht es um die Musik?

Zunächst einmal: WIZO klingen erstaunlich nach WIZO. Diese Feststellung ist weit weniger tautologisch und platt wie sie auf den ersten Blick scheint. Denn immerhin ist die jüngere Geschichte der Band ein einziges Chaos. Auflösung, zaghafte Reunion, ein paar Konzerte, Besetzungswechsel, die immer wieder aufgeschobene Albumveröffentlichung. Es gibt wahrlich bessere Bedingungen, um eine Platte aus einem Guss hinzukriegen. Letzteres ist Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III) übrigens auch gar nicht. Dieses „neue“  Werk ist vielmehr eine Ansammlung von Texten, Songs und Aufnahmen, die teilweise Jahrzehnte auseinanderliegen. Ein Flickwerk sondergleichen: Alte Texte, neue Texte, alte Melodien, neue Melodien, Drums aus dem Computer, echte Drums, mal Axel Kurth im Alleingang, mal mit anderen Leuten und/oder Bandmitgliedern, zig-verschiedene Aufnahmezeiträume. Eigentlich heißt die einzige Kontinuität bei WIZO Axel Kurth.

Das reicht irgendwie aber auch. Denn die eigentümliche Charakteristik von WIZO-Songs ist ungebrochen. Jeder einzelne Song dieser Band ist sofort als solcher identifizierbar. Verantwortlich dafür sind nicht nur Stimme und Gitarrenklang, sondern auch das unnachahmliche und schlichtweg herausragende Gespür von Axel für Catchiness und Ohrwurm-Melodien und diese geniale Verschmelzung von Dadaismus und Politik. Der Prototyp eines Beispiels dafür ist sogleich der Opener Seegurke. Einmal gehört, vergisst man den Refrain vermutlich nie wieder (was übrigens ohnehin ein ganz eigenes WIZO-Gesetz ist). Es ist wie eh und je: Klamauk und Gesellschaftskritik gehen Hand in Hand als wären eineiige Zwillinge. Es ist gleichermaßen auffällig wie erstaunlich, dass WIZO dieses Niveau über weite Strecken halten können und den Spagat von Dada und Punk meist vortrefflich austarieren: Kohlenholen, Kriminell & AssozialZombiemann oder Endzweit sind zum Beispiel astreine Hits, deren engste Verwandte von vor zwanzig Jahren, wie etwa Tod Im Freibad, Gute Freunde oder Hey Thomas, man sofort ausmachen kann. Albern, makaber, pubertär, manchmal gar zum Schämen… kurz, wunderbar.

Mit Ganz Klar Gegen Nazis und Unpoliddisch (das vor zwei Jahren bereits unter dem Band-Pseudonym Total Verboilt veröffentlicht wurde) liefern WIZO nebenbei zwei Punkhymnen, die von einer Anti-Nazidemo und/oder Grauzonendiskussion um Frei.Wild, Böhse Onkelz und ihren rechtsoffenen Konsorten nicht wegzudenken sein werden. Hier muss man WIZO wirklich dankbar sein, unmissverständliche politische Botschaften in fast schon schlagereske und auf alle Fälle triviale Mitsing-Hits zu verpacken. Mag es sich ein bisschen wie Party-Antifaschismus anfühlen, es könnte vielen (noch allzu naiven) Kids die Augen öffnen. Diese gesellschaftliche Funktion sollte man sehr hoch einschätzen. Und hey, auch wir haben früher auf Partys Raum der Zeit und Nix & Niemant gesungen und nicht etwa die feuchten Helden- und Kameradensehnsüchte Auf Gute Freunde oder Nur Die Besten Sterben Jung gesungen. Und das war gut so! Unpoliddisch ist überdies die humorigste Annäherung an diesen ganzen Grauzonensumpf. Danke WIZO.

WIZO ist aber eben auch in den schwachen Momenten WIZO: Die Gratwanderung von Schlager und Punkrock gelingt nicht immer und so gibt es z. B. mit Kein Empfang, Königin oder Schlechte Zeit wirklich mieses Liedgut, das sich im Verlauf der Platte gegen Ende leider häuft. Die Produktion bleibt ebenfalls der Tradition treu: unterirdisch. Der Platte kommt sicherlich auch nicht entgegen, dass sie mit 19 Songs fast eine ganze Stunde lang dauert. Viel zu lang. Und doch ist man letztlich gewillt WIZO auch ihre obligatorischen Klo- und Fehlgriffe zu verzeihen. Nicht nur weil man überhaupt nicht mehr mit einem Album gerechnet hätte, sondern auch, weil es alles in allem doch ziemlich gut geworden ist und man es im Plattenregal nahtlos neben UUAARRGH! stellen kann. Da passt kein Blatt dazwischen. Und überhaupt: Juhu, WIZO sind wieder da!

7/10

Anspieltipps: Seegurke, Ganz Klar Gegen Nazis, Unpoliddisch, Dummensch

(Martin Oswald) 

WIZO – Punk gibt’s nicht umsonst! (Teil III) | Hulk Räckorz | 13.06.14 (digital), 18.07.14 (CD), 15.08.14 (LP)

◯ – When Plants Turn Into Stones

O - When Plants Turn Into StonesMut zur Langsamkeit

Auf den ersten Blick ist When Plants Turn Into Stones ein flüchtiges Album. Es dauert zwar eine dreiviertel Stunde, streift aber fast unbemerkt vorbei. Höhepunkte gibt es eigentlich keine, offensichtliche Spannungsbögen oder gar Hooklines sucht man sowieso vergebens. Wir haben es hier mit einem Postrock der sehr gemächlichen Art zu tun, die Bezeichnung „Ambient“ muss man dabei gewiss nicht scheuen. „Post Ambient“ würden ◯ es nennen. Klingt langweilig? Keineswegs.

Die Band, die sich „Kreis“ nennt und diesen Namen lieber symbolhaft mit einem Kreiszeichen darstellt als ihn auszuschreiben, begibt sich mit Album Nummer 2 überhaupt noch etwas mehr ins Symbolische. When Plants Turn Into Stones versteht sich als eine Lebenslinie von der Geburt bis zum Tod. Dieses Konzept lässt sich freilich auch in Kreisform denken: als Kreislauf des Lebens, der Metamorphosen, der Phänomene, der Vorgänge in der Natur. Die ewige Wiederkehr des Gleichen? Vielleicht. So ganz schlau wird man aus den wenigen Textpassagen und den weit interpretierbaren Songtiteln ohnehin nicht. Das macht aber eigentlich überhaupt nichts, steht allerlei Symbolik in engster Verbindung mit dem Musikalischen, das bei ◯ natürlich Dreh- und Angelpunkt aller Kreisbewegungen ist. Um genauer zu sein: es ist eher das Klangliche.

Der Klang steht im Vordergrund und so nimmt sich die ◯sche Instrumentierung gegenüber Black Sea Of Trees spürbar zurück und verzichtet vollständig auf Härte, etwa in Form Screamo- und Hardcoreparts. Wie schon gesagt, wird man auf der Suche nach einer spannungsvollen Dramaturgie nicht gerade fündig, dafür findet man aber etwas anderes, das ◯ aktuell – und das jetzt ohne jede Übertreibung – zu einer der besten Postrock-Bands macht. Den Hang das Klangliche herauszustellen und sogar wichtiger als die Songs selbst zu nehmen, ist im Postrock wahrlich keine Neuigkeit, die Güte der Umsetzung schwankt aber merklich. ◯ will das jedoch völlig gelingen. Und dieses Gelingen ist es, für das ◯ viel Lob verdient hat.

Die Songs sind (ohne Ausnahme übrigens) was den musikalischen Ausdruck angeht, sehr reduziert, dabei jedoch auf andere Weise überaus gehaltvoll. Statt farbenprächtiger Melodieflüge kriegt man ein träges Tempo und das äußerste Minimum an Songkompaktheit geboten. Da schleppt sich der einzige in deutscher Sprache benannte Titel Entstanden wie Schatten im Wasser fast unrhythmisch fünf Minuten choral durch eine unbehaglich instrumentierte Finsternis, um stampfend zu Ende zu zucken. Das ist keiner dieser Ausbrüche, für den man Postrock so gerne feiert. Das ist zaudernd, zögerlich, verschleppt und dissonant. Aber es ist wunderbar, zumal es, fast im Widerspruch dazu stehend, eine kaum zu übertreffende klangliche Fülle aufbietet.

Im nachfolgenden How Polished Boulders Carried Us Along, das in Vogelgezwitscher (das übrigens eine wunderbare rhythmische Fügung beweist) eine Kinderstimme über die Welt philosophieren lässt (von dem sie nicht wirklich etwas verstehen kann), zeigt sich das noch deutlicher. Es ist eine fein komponierte Lautmalerei, die wieder nicht den Song ins Zentrum setzt, sondern durch Klänge gemalte Bilder. Die Mittel sind wahrlich minimalistisch und doch zeigen sie sich in ihrer geradezu übertriebenen Langsamkeit in ihren Einzelmomenten komplex und abwechslungsreich. Ausnahmen hiervon gibt es nur wenige, allerdings zieht zum Beispiel Lack Of Interest In Things They Used To Do das Tempo gegen Ende deutlich an und lässt sogar eine klagende Stimme ans Mikro. Als zumindest kleinen Ausbruch könnte man auch den Titeltrack werten, der ebenfalls mit Stimme aufwartet und über Minuten einen wuchtigen Stolperrhythmus zu einer mächtigen Soundcollage auftürmt.

Insgesamt ist When Plants Turn Into Stones in seiner asketischen Zurückhaltung und der Bedachtheit des Einsatzes der fast schon narrativen Klangelemente (mit dem Zusammenzählen der Instrumente braucht man gar nicht erst anfangen) ein couragiertes, vor allem aber wunderschönes Album, das von seinen Hörer_innen allerdings eine Menge an Konzentration und Offenheit einfordert. In unbedarften Momenten huscht es nämlich nahezu unbemerkt durch die Lautsprecher. In anderen Momenten hört man jedoch geradezu Großartiges.

8/10

Anspieltipps: –

(Martin Oswald) 

◯ – When Plants Turn into Stones | Golden Antenna | VÖ: 06.06.14 | CD/LP/digital

Pfingst-Open-Air 2014: So war der Freitag

Das Pfingst-Open-Air 2014 in Salching ist vorüber. Wir waren hinüber. In drei Einzelepisoden schildern wir unsere Eindrücke und beginnen heute mit Teil I. So war der Freitag – ähm, also zumindest für uns:

Eigentlich…

muss ich (Martin S.) gleich zu Beginn zugeben: Eigentlich hatte ich dieses Jahr keinen Bock. Nicht per se auf’s Pfingst-Open-Air, nein, ich hatte schlichtweg keine Lust, mir ein weiteres mal diesen Wahnsinn anzutun, der sich Festival schimpft. Diesen komischen Irrsinn zwischen verschlammten Zeltplätzen und lauwarmen Dosenbier, den gefühlt immer mehr dazu nutzen, ein mal im Jahr so richtig ‚crazy‘ zu sein. Sich nochmal zwischen all den Jungspundinnen- und Jungspunden zu aberwitzig zusammengebuchten Line-Ups zu fragen, was man hier eigentlich macht? Nein, danke.

Aber…

irgendwer sorgt am Ende des Tages ja doch immer dafür, das man viel zu spät durch Supermärkte irrt, nicht mehr weiß, in welche hinterletzte Ecke man letztes Jahr sein verdrecktes Campingzeug geworfen hat und – natürlich – verdutzt vor Dosenbier-Regalen steht, die einen in höhnischer Leere angrinsen. Aber hey, man ist ja schließlich nicht gerne auf alles vorbereitet. Und überdies: der Werte Kollege Oswald sollte dieses Wochenende unbeschadet überleben, obwohl er kein Zelt, keinen Schlafsack, kein Bier und keine Zigaretten dabei hatte, irgendwie aber doch – dank seiner Bauernschläue – an alles kam.

Aber sei’s drum. Wir standen am Freitag überraschend bereit zur Abreise, sagten kurzerhand das ein oder andere Seminar ab und machten uns auf den harten und beschwerlichen Weg gen Salching. Dort angekommen durften wir – thank fuck – feststellen, dass sich nichts verändert hat. Parken und Campingplatz finden – eine Leichtigkeit. Dafür aber entpuppte sich das Aufbauen unseres tollen Pavillons als Ding der Unmöglichkeit. Man sollte einfach alle Teile und vor allem die richtige Plane mitnehmen.

Wir waren schließlich nicht im Auftrag der Statik unterwegs. Also nichts wie runter, auf einen kurzen Rundgang über’s Gelände. Da spielten schon Vait. Die waren nach unseren flüchtigen Eindrücken recht ordentlich, aber dennoch im Nachmittagsprogramm ganz gut aufgehoben. Also flugs die ersten vier der gefühlt 700 besorgten Running Orders (die Dinger verschwanden schneller, als man sie nachbringen konnte) mitgenommen und einen kleinen Rundgang zur Beobachtung eingelegt. Dieser zeigte eine schier endlos lange U-18-Schlange, einen – und er sollte noch so wichtig werden – Pool beim so genannten Skatetopia, viele Trichter, aber auch eine recht gesittet daherkommende Menge. Fliegende Bierdosen (alles schon mal dagewesen), Bierduschen und Helga? Zum Glück abgesagt. Aber im Prinzip kann das auch allen egal sein. Was zählt ist schließlich schon immer und immer noch…

Die Musik

Und die wurde – zumindest aus unserer Warte – zum ersten mal richtig interessant, als Feine Sahne Fischfilet die Bühne betraten. Und das taten sie mit Nachdruck. Druckvolle Arrangements, präzise getimte Bläsersätze und eine Band, der man auch vom Eiskaffeestand am anderen Ende des Geländes ansehen würde, dass sie richtig Bock auf das hat, was sie da oben. Vielleicht sollte auch Jägermeister bald reagieren und mit FSF einen Endorsement-Vertrag abschließen. Obendrauf gibt es, und das dürfte einem Firmen-Sponsoring entgegenstehen, deutliche und ehrliche Ansagen, sowohl politisch, als auch privat. Vorgetragen im unwiderstehlichen Dialekt. Da kann man sich schwerlich entziehen. Wenn man denn vor der Bühne steht. Dort fanden sich, wie spätere Auftritte zeigen sollten, lange nicht alle Besucher_innen ein. Macht aber auch nichts, ist man halt näher dran, am Geschehen.

Ganz anders ist da die Sachlage im Falle des Nachfolgenden MC Fitti. Auch wenn der Blick nicht mehr zu 100% scharf gestellt sein mag, erkennen wir doch: Das Gelände ist ziemlich voll. Und damit ist (unter anderem) die Anzahl an Menschen gemeint, die sich versammelt haben, um sich den Auftritt anzusehen. Wir dagegen so: MC who? Der mit dem Bart aus’m Fernsehen? Gut, gehört haben wir von dem Kerl schon, ein paar Songs sind uns gar auch geläufig. Ändert aber auch absolut nichts daran, das es unserem Urteil nach mehr lohnt, den Bierbecher wieder voll zu machen, anstatt sich diesen drögen – pardon – Mist anzuhören. Bei manchen Acts verhält es sich ganz offensichtlich so wie bei Büchern von Hermann Hesse: Man wächst halt irgendwann raus. Oder in diesem Fall: man wächst erst gar nicht hinein. Bunte Lavalampen, Sonnenbrille, ein gezwirbelter Vollbart, ein schlecht sitzendes Cap und aneinandergereihte Modewörter reichen wohl aus, um massig Zeug zu verkaufen, aber eben nicht, um aus schlechtem HipHop (oder was auch immer das ist) irgendetwas Relevantes oder zumindest Lustiges zu basteln.

 

À propos rausgewachsen

Rausgewachsen sind wir eigentlich auch schon seit längerer Zeit aus dem Output von Jupiter Jones (wer’s nicht glaubt, lese sich die letzte Schmähkritik durch). Dass sich die (bessere/schlechtere – je nach Sichtweise) Hälfte der heartcooksbrain-Crew bereits vor einigen Jahren davon überzeugen durfte, dass sich das Ganze live nicht unbedingt bessert, steigert die Vorfreude auch nicht unbedingt. Und dennoch: Man darf gespannt sein. Schließlich hat die Band mit dem Abgang von Sänger Nicholas Müller erst vor ein paar Wochen ihr (stimmlich gewaltiges) Alleinstellungsmerkmal verloren. So durfte man live beobachten, wie sich Sven Lauer, der neue Mann ganz vorne, so schlägt. Das überraschende Ergebnis: Da vorne auf der Bühne steht und springt und schwitzt eine Band, die einem die Skepsis rechts und links um die Ohren knallt. Kein Witz. Feiner Sound, ordentliche Bühnenpräsenz und merkbar Lust auf die Sache. Und obendrein zum ersten mal das Gefühl, dass da oben tatsächlich eine Band auf der Bühne steht. So kann man also vom eigentlich schwer zu verdauenden Sängerwechsel profitieren. Dazu gibt es eine gelungene Songauswahl, die mit Kopf hoch & Arsch in den Sattel und einer auf Punkrock umgepolten Version von Auf das Leben erstens die früheren Stücke berücksichtigt und sich zweitens beim neuen Material angenehm zurück hält. Kann man machen. Auch wenn wir unter einander eine höchst fundierte und scheinbare Kontroverse über die Darbietung von Jupiter Jones hatten, so sind wir uns im Urteil letztlich gar nicht so uneinig, auch wenn der eine Nico schmerzlicher vermisst als der andere.

Der Headliner hat also abgespielt und abgeliefert, die Mainstage jedoch noch nicht kaltgestellt. Dafür mussten schließlich noch Gomad! & Monster sorgen. Und die veranstalteten, im Konfetti von MC Fitti watend, ein ziemliches Tohuwabohu. Was die da eigentlich machen, entzieht sich unserer Kenntnis, aber es hat wohl irgendetwas mit Remixes, Elektro und hartem Gitarrenshit zu tun. Dabei ein Sänger, der eigentlich Schlagzeug spielt, aber auch nur dann, wenn er darauf Bock hat. An sich schon ziemlich wild, noch wilder wird’s allerdings mit dem enstsprechenden Outfit: zwei Glatzenmonster hinter dem Pult, zwei Irokesenmonster an Gitarre und Drums. Und dann werden allerlei Charthits angesampelt und aus einem Wust aus Elektro und Metal niedergemetzelt. Das alles ist auf alle Fälle interessant, um wirklich gut zu sein, ist es aber auch eine ganze Ecke zu bescheuert. Letzteres ist aber auch eigentlich kein Kriterium, muss man den noch vor der Mainstage Verbliebenen nur noch mal ordentlich die Ohren durchfegen.

So ging dann auch schon der Freitag, zumindest auf der Hauptbühne zu Ende. Ein bisschen Herumstreunen um die Nebenbühnen, hier und da mal ein Ratsch und schon stand der Samstag vor der Tür… Fortsetzung folgt…

(Martin Oswald & Martin Smeets)

PS: Ein paar weitere Bilder gibt es hier.

News | Juni 14 #1

+++ Wir starten mal wieder mit Black Metal. Zumindest mit so etwas in der Art. Gemeint sind die in der Tat famosen Tombs. Die haben mit Savage Gold ein neues Album am Start, welches morgen das Licht (wenn man anhand des Genres davon sprechen kann) der Welt erblicken wird. Zu hören gibt es daraus eine Mischung aus Black Metal, Postrock, Sludge und eine überraschend große Kelle Melodie. Ach ja, hören kann man die Platte auch schon. Hier:

+++ Ein neues Album haben auch Rise Against eingetütet. Drei Jahre nach Endgame steht nun The Black Market in den Startlöchern. Ob und wie sich der Sound der Band um Tim McIllrath verändert hat, darüber darf nun fröhlich spekuliert werden. Nach den Worten des Sängers solle es aber nachdenklicher und persönlicher als zuletzt zugehen. Käuflich erwerben kann man das jüngste Werk ab dem 11. Juli. Einen ersten Eindruck kann man sich bereits jetzt anhand des Songs I Don’t Want To Be Here Anymore verschaffen.

+++ Keine neue Platte, dafür aber ein neues Video haben Idle Class abgedreht. Wie die bebilderte Umsetzung von Chances Are For Poets aussieht, seht ihr hier.

+++ Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis in eher regionaler Sache. Schließlich steigt am 27. und 28. Juni in Regensburg das Jahninselfest. Mit von der Partie sind unter anderem Wassermanns Fiebertraum, die Antilopengang und die vermutlich beste Ska-Punk-Band des Landes: Rantanplan. Besuch empfohlen. Dringend.

Fenster + Wassermanns Fiebertraum | 05.06.14 | W1 – Regensburg

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Ein derart überfülltes W1 gibt es auch nicht alle Tage. Fenster und Wassermanns Fiebertraum wussten an diesem Donnerstag allerdings dafür zu sorgen. Warum, ist eigentlich ein kleines Rätsel, aber wer es schafft Hardcore-Leute, Danz-Meute und sämtliche Hipster-WGs  gleichermaßen zu locken, hat schon gewonnen. Vor vollem Haus zu spielen, ist für die Wassermänner in Regensburg ja eigentlich ohnehin Standard. Das zweite Konzert 2014 in der Domstadt erwies sich dabei ebenfalls als Standard, nämlich als ausgezeichnet. Um genau zu sein, war es sogar deutlich besser als im Januar im Gloria, besonders weil die Setlist fast komplett um die nervigen Erzähleinspieler über den kleinen Abenteurer Joschka befreit wurde und der Sound (bis die etwas penetranten hohen Keyboardtasten und den ohnehin deplatzierten Gesang) wirklich vortrefflich war. Hier hat sich der allzu lange Soundcheck – bis weit nach dem eigentlichen „doors open“ – offensichtlich merklich gelohnt.


Für Fenster gilt das fast genau so, besonders wenn man bedenkt, dass dieser Instrumenten-Mischmasch wahrlich nicht leicht unter einen Hut zu bekommen ist. Die Instrumente werden herum gereicht wie (Vorsicht Insider!) Joints bei der Bunten Liste und jede/r darf mal ziehen – bzw. im Falle Fensters, irgendetwas und alles spielen. Bass hier, Keyboards dort, Schrammelgitarre hier, Schlagzeug dort. Wobei letzteres einem Schlagzeug allenfalls nahekommt, ist es doch eigentlich eine etwas eigenwillige Konstruktion. Die mit Gaffa beklegbte Bassdrum wird wie ein Standtom aufgebockt und statt mit Fußmaschine mit allerlei Sticks und Schepperzeug bespielt. Kann man machen, muss aber auch damit leben, dass dem Sound die – nicht ohne Grund bodennahe – treibend-tiefe Rhythmik genommen wird. All dies einkalkuliert, wirkt es doch geradezu wie ein Wunder, dass Fenster eben trotz aller hippieesken Zerfahrenheit und instrumentalischer Willkür einigermaßen prägnant daher kommen. In die Hände spielt ihnen dabei sicherlich ihr außergewöhnliches musikalisches Können, das die Songs, die irgendwo zwischen Grunge, Indie und ranzigem Elektro-Pop pendeln, zu einem angenehmen Mix aus Struktur und Destruktion gedeihen lässt. Da verbergen sich mitunter großartige, wenn auch allzu fragmentarische, Popperlen, die genüsslich, wild und sorgsam zugleich zerlegt werden, so dass sich vermutlich kein Radio der Welt trauen würde sie zu spielen. Gut so!

(Martin Oswald)

Pfingst-Open-Air 2014 – LIVETICKER

POA14-Liveticker

An diesem Freitag geht das Pfingst-Open-Air in seine 33ste Runde. Wir lassen uns da natürlich nicht lumpen und so ultra-innovativ wie wir sind, begehen wir das POA 2014 mit einem kleinen Experiment. Da wir so neumodische Mobiltelefone haben, werden mit ihrer Hilfe versuchen allerlei Eindrücke live zu tickern. Oh ja! Diese Text- und Bildschnipsel kommen sicherlich nicht regelmäßig, objektiv, durchgehend und schon gar nicht nüchtern daher, aber wir scheuen eben vor keinem Wagnis zurück. Mit etwas Glück (und Bier) schaffen wir es vielleicht sogar ein bisschen witzig und nicht nur peinlich zu sein. Doch genug der Worte, zum Liveticker geht es hier – ab Freitag dann so richtig:
Liveticker Screenshot

(mo)