News | Oktober 13 #4

+++ Der Nachfolger des famosen Hardcore Will Never Die, But You Will steht in den Startlöchern. Wohl am 17.01.14 werden Mogwai hierzulande Rave Tapes veröffentlichen. Cover, Tracklist und den Song haben sie nun bereits enthüllt. Siehe da:

1. Heard About You Last Night
2. Simon Ferocious
3. Remurdered
4. Hexon Bogon
5. Repelish
6. Master Card
7. Deesh
8. Blues Hour
9. No Medicine for Regret
10. The Lord is out of Control

+++ Kurz bevor die 10-jährige Jubiläums-EP Die Bresche von Zwei Tage : Ohne Schnupftabak das Licht der Welt erblickt, gibt es ein Video zum Song Leichtfußwalzer, der übrigens ausschließlich in der Form bewegter Bilder erscheint:

Live gibt es die  ZT : OS in den kommenden Tagen in Erlangen (31.10. – E-Werk) und Regensburg (02.11. – Mälze) zu sehen. Mit etwas Glück hat man noch die Chance auf die limitierte Edition von Die Bresche zu gelangen. Und zwar hier.

+++ The Way They Run aus Schweden sind  vielleicht noch nicht vielen ein Begriff, was die Schweden natürlich nicht davon abhält eine EP zu veröffentlichen. Safe Haven heißt die und kann unten gehört und bezogen werden. Genre? Sehr punklastiger Post-Hardcore. Na dann:

+++ Funeral For A Friend bringen zunächst zwar nichts neues, aber immerhin re-releasen sie in neuem Gewand und mit Livesongs und raren/unveröffentlichten Stücken gepimpt, ihre einflussreiche Erstlings-EP Between Order And Model. Am 15.11. erscheint die Neuauflage über das Boysetsfire-Label End Hits Records. Ein Video zu Juno gibt es überdies hier:

+++ Francis International Airport sind mittlerweile mehr als ein Geheimtipp im Indie-/Krautrockpop (oder so). Also eigentlich so ziemlich das Gegenteil davon. Das Album Cache erschien bereits im Mai. Der Frühjahrstour folgt nun die Herbst-/Wintertour durch Deutschland und Österreich. Die Termine lesen sich so:

29. Oktober GER – Berlin, Privatclub
30. Oktober GER – Regensburg, Alte Mälzerei
28. November AUT – Innsbruck, Weekender
29. November AUT – Salzburg, ARGE
30. November AUT – Ebensee, Kino Ebensee
5. Dezember AUT – St. Pölten, Cinema Paradiso
19. Dezember AUT – Wien, Gasometer

Und die Platte gibt’s hier zum Nachhören und kaufen:

+++ Eine noch nicht, aber bald veröffentlichte Platte haben A Wilhelm Scream im Anschlag. Mitte November erscheint Partycrasher über No Idea Records. Einen weiteren Song daraus wollen wir nicht vorenthalten. Number One:

+++ Schon eine Weile her, aber deswegen nicht weniger erwähnens- und hörenswert: die Splitscheibe melo / vulpo von Torpedo Holiday und Allfits. Bei Bandcamp gibt es die als Stream und zum „Name-Your-Price“-Tarif:

(mo)

Tango With Lions – A Long Walk

Tango With Lions - A Long Walk // Bild: http://tvxs.gr/

Warmer Schauder

Das Tolle an Musik: Man kann ihr fast immer eine gewisse Funktion zuordnen. Da gibt es die Platten, die vor allem daheim im intimen Zirkel an verschneiten Winterabenden funktionieren. Da gibt es viele Alben, die für Partys geschaffen zu sein scheinen und wiederum andere, die schiefe metaphorische Ebenen zwischen hell-dunkel und laut-leise bis zum letzten Ton konsequent begehen. Man könnte noch lange so weiter machen. Im Grunde genommen verhält es sich mit der Musik jedenfalls oftmals so, dass ein gewisser Verwendungszweck quasi vorab eingeschrieben ist. Und bevor jetzt jemand ob des Wortes ‚Verwendungszweck‘ auf die Idee kommt, den Musikgenuss mit Überweisungsscheinen gleich zu setzen: Zum Glück gibt es auch eine ganze Menge an Bands, deren Wirkmacht sich nicht ganz so leicht in Worte fassen lässt. Die genau dafür sorgt, dass sich manche Schreiberlinge über solch krude Einstiege wie diesen in ihre Pamphlete hangeln. Neuester Zugang in dieser Riege: Tango With Lions.

Die kommen direkt aus dem sonnigen und zumeist viel zu warmen Athen. Formen aber dennoch Songs, die sich vor allem in arktischen Gefilden wohl fühlen dürften. Das behaupten zumindest die verhallten Gitarren, der düster knarzende Bass und ein Gesangsvortrag, der seine Hörer_innen manches mal Rätseln lässt, ob man nicht versehentlich bei Goldfrapp gelandet ist. Soweit, so klar also. Wären da nicht all die kontrastiven Elemente, die die Band um Sängerin und Bassistin Katerina Papachristou vielerorts in ihrem Zweitwerk A Long Walk verteilt. Immer wieder wird die verwischte Kälte durchbrochen, werden Melodien ausgepackt, die mal eben mit kräftigen Sonnenstrahlen auch das dickste Eis schmelzen lassen. Elemente, die man zunächst gar nicht vermutet, tritt doch der Opener Slippery Roads geradezu stoisch den direkten Weg in den Eisschrank an. Ein Weg, den man gerne verfolgt, wohlverstanden. Auf dessen Rand sich aber bereits erste kleine Anzeichen finden. Dafür, dass man hier beileibe nicht lediglich Tiefkühlkost geboten bekommt. Hier ein paar verhuschte Bläser, da ein Gitarrenlick, dass auch auf verschwitzten Tanzflächen funktionieren könnte. Man ahnt es: Irgendwo hier im Eis gibt es wärmende Feuer. Das erste findet man bereits im folgenden Titeltrack, im furiosen warm-kalt-Wettstreit von akustischer und elektronischer Gitarre. Den die Akustische am Ende gewinnen darf. Und so die Bahn frei macht, für eine wohlig tönende Trompete. Und für das Doppel aus Rainy Fall und Kite. Songs, mit denen Tango With Lions den Boiler anmachen. Erst mit einer wunderschönen wie rührseligen und trotzdem nicht kitschigen Klavierballade, dann mit einem geradezu fröhlichen Abstecher in Richtung Uptempo. Vor allem aber stets mit einer ungeheuren Portion Verve.

Für Abwechslung ist also gesorgt, auf A Long Walk. Schließlich beherrschen Tango With Lions neben, oder vielmehr gerade wegen dem sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehenden Spiel von Wärme und Kälte auch den (Eng)Tanz auf gänzlich anderen Abstraktionsebenen. So bekommt A Long Walk einen bisweilen geradezu erotischen Habitus verpasst, was gerade im verschleppten People Stare deutlich zu Tage tritt. Ein Stück, das sich von Takt zu Takt mehr an sich selbst berauscht und dessen im Vergleich fast schon aufbrausende Gitarren perfekt mit dem kühlen Gesang harmonieren. Überhaupt gibt sich die zweite Hälfte von A Long Walk im Großen und Ganzen verrauchter, mysteriöser und aufgeladener.

So gelingt Tango With Lions ein äußerst rundes und abwechslungsreiches Zweitwerk, bei dem man schon mal bis zum vorletzten Track warten muss, um endlich mosern zu dürfen. Over The Neon Lights ist nämlich zwar nicht schlecht, aber aufgrund seiner auffälligen Andersartigkeit im Albumkontext ein Fremdkörper. Und damit ziemlich verschenkt. Ansonsten gibt es allerdings wenig, was man gegen diese Platte ins Feld führen könnte. So funktioniert A Long Walk auf vielen Ebenen. Und das auch noch ganz vorzüglich.

8/10

Anspieltipps: Slippery Roads, Rainy Fall, Kite, Obituary

(Martin Smeets)

Tango With Lions – A Long Walk | Inner-Ear/Rough Trade | VÖ: 11.10.2013 | CD/LP|Digital

Spontanverlosung: Continental-CD „All a Man Can Do“

Continental-Tour 2013

Spontan wie wir sind, verlosen wir mit freundlicher Unterstützung von Flix Records ein Exemplar (CD) der aktuellen Platte All a Man Can Do von Continental. Die Band um Dropkick Murphys‚ Gründungsmitglied Rick Barton ist gerade auf Europatournee und macht dabei diesen Mittwoch, den 30.10.13 Station in Regensburg (Plan 9).

Continental spielen Folk-Punk in guter alter Tradition mit rauchigen Country-Gitarren und whiskey-getränkten Stimmbändern, was zum Beispiel so klingt:

Die Verlosung läuft bis Mittwoch, den 30.10.13, 15.00 Uhr! Die Gewinner-CD wird am Merch-Stand hinterlegt und sollte dort am Abend abgeholt werden.

Game over!

(mo)

Heartsounds – Internal Eyes

Heartsounds - Internal EyesKalifornische Punkschule

Zum Glück geht es hier nicht darum Albencover zu bewerten. Ginge es darum, so könnte der vorliegende Fall im Schnellverfahren behandelt werden: Setzen, Sechs! Nun geht es aber eben nicht darum, sondern um die Musik, die sich, in diesem Fall, hinter dieser Scheußlichkeit verbirgt. Und da reichen zwei Worte nicht aus, will man sich der Sache angemessen annehmen. Heartsounds heißt die Band, die Internal Eyes zu verantworten hat und die gleich zu Beginn, vielleicht sogar dem Cover zum Trotz mit einer Riesennummer einsteigt. A Total Separation of Self legt mit zappelnden Riffs, dynamischen und flotten Drums los, so dass man den Hitcharakter bereits nach wenigen Takten ausmachen kann. Sofort ist klar: der ist gut. Der zweistimmige, geschlechterübergreifende Gesang, der etwas später einsetzt, trägt freilich auch einen wesentlichen Teil dazu bei. Letzterer ist übrigens ohnehin ein großer Trumpf der Kalifornier_innen, zumal er die stets schönen Instumentalmelodien mit Abwechslung und ergänzenden Harmonien anzureichern weiß. Und das ist tatsächlich fast durchgehend der Fall. Laura und Ben spielen sich gegenseitig die Bälle zu, singen mal gemeinsam, mal abwechselnd, mal herrlich unberechenbar durcheinander. (Fun fact am Rande: manchmal klingt Laura dabei erstaunlich nach AFIs Davey Havok.)

Internal Eyes ist eine Platte aus einem Guss, als hätte man sie live in einem Durchzug im Studio eingespielt. Verstärker an, Metronom auf 120 bpm gestellt, zehn Songs, eine halbe Stunde Vollgas, fertig. Eine Pop-Punk-Nummer jagt die nächste.
Fetzig und eingängig ist das deswegen allemal, nur dass diese Eingängigkeit auch ihren Preis hat. Die Songs bleiben bei aller technischen Versiertheit zu oberflächlich, bei aller Harmoniesucht letztlich zu unspektakulär, zu gewöhnlich. Auf hohem Niveau, versteht sich. Mit besagtem Opener oder dem nachfolgenden Cycles gibt es aber auch Lieder, die neben dem gewöhnlichen Hitpotential durchaus auch songwriterische Tiefe bieten, weil sie nicht im 08/15-Stil durch Strophe und Refrain poltern. Besonders erwähnenswert ist jedoch First Light, dem man dankenswerterweise den Metronompegel ein bisschen herunter gedreht und ein ernsteres Stimmungsgewand verpasst hat. Inmitten der anderen, eher fröhlichen Tempoprügel ist das nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern nebenbei auch noch der beste Song der Platte.

Von den gefühlten Millionen kalifornischer Pop-Punk-Bands sind Heartsounds sicherlich eine der interessanteren und deutlich über dem Durchschnitt anzusiedeln, wenngleich eben auch „bloß“ eine Band unter vielen. Ihr Können und Gespür für guten Punkrock soll das keineswegs schmälern und die insgesamt sehr gelungene Platte nicht schlechter machen, als sie ist. Freilich, der große Wurf ist Internal Eyes nicht, aber in einer gut sortierten Punk-Plattensammlung sollte sie besser nicht fehlen, falls es irgendwo zwischen den großen kalifornischen Referenzen Bad Religion und Weezer oder auch LagwagonNo Use For A Name, The Story So Far und vielen anderen noch Platz gibt. Und zwar gewiss nicht nur, weil weiblicher Gesang nach wie vor eine Seltenheit ist im Männergesangsverein namens Punkrock ist.

7/10

Anspieltipps: A Total Separation of Self, Cycles, First Light

(Martin Oswald)

Heartsounds – Internal Eyes | Flix Records | VÖ: 18.10.13 | LP/CD/digital

Dave Hause – Devour

Dave_Hause_-_Devour

Überall zu Hause

Klischee olé: Dave Hause legt sein Zweitwerk Devour vor und klingt dabei so amerikanisch, wie man als Rocker nur irgendwie klingen kann. Punkbackground (The Loved Ones, anyone?) natürlich inklusive. Er hat – passend zum Albumtitel – Hunger, will voran, will ambitionierte Vorhaben in die Tat umsetzen. Der vertonte ‚American Dream‘ also. Natürlich immer mit dem schmerzlichen Wissen im Hinterkopf, dass selbiger sich wahrscheinlich als grausame Enttäuschung offenbaren könnte. Ohne Netz und doppelten Boden. Steigen und Fallen, man kennt derlei Geschichten ja. Um zumindest musikalisch nicht enttäuscht zu werden, liefert Dave Hause den Soundtrack für diese Stories gleich selber. Indem er zwölf Songs aneinanderreiht, die sich nahtlos einfügen ins Klangbild der vielen Brüder im Geiste. Zwischen Bruce Springsteen, The Gaslight Anthem und jüngeren Against Me! setzt Hause seinen Zweitling.

Womit die staubigen Schotterpisten, über die Devour mit heruntergekurbelten Fenstern gen Sonnenuntergang des Weges gefahren kommt, schon mal grob vorgezeichnet wären. Sonnenbrille, Tattoos und hochgekrempeltes Karohemd natürlich inklusive. So holzschnittartig diese Beschreibung auch wirken mag, ziemlich genau so klingt Devour nun mal. Angecrunchte Gitarren suchen umgarnt von treibenden Beats zumeist den Weg ins gemäßigte Uptempo, während Hause darüber seinen kumpelhaft-melancholischen Vortrag ausbreitet. Das Schöne daran: Man nimmt es ihm ab. Erstaunlich bedenkenlos. Und in den besten Momenten lässt man sich vom Hauseschen Songmaterial gar bereitwillig in den Arm nehmen, macht sich ein Gefühl beim Hörer breit, das etwa die frühen Hot Water Music evozieren konnten. Musterbeispiel hierfür: Before. Der Prototyp einer Rockballade, die sich selbst vor ihren größten Vorbildern nicht zu verstecken braucht. Die in den schillerndsten Farben weithin sichtbar für alle strahlt. Und trotz aller Niedergeschlagenheit Trost verspricht. Dabei braucht Hause für ein solch überlebensgroßes Stück im Grunde genommen gar nicht viel. Eine behutsame Gitarrenfigur, seine Stimme und als Zugabe ein souliges Solo. Fertig. So einfach geht das. Überhaupt ist Devour immer dann am besten, wenn es sich an den leisen Tönen versucht. Wenn Becoming secular mit verkaterten Powerchords herumschlurft. Oder wenn Benediction zum Schluss die ganze Chose mehr als angemessen rausfeiert. Und über das voller Hoffnung nach vorne stürmende Finale „It is love my friend / In the end / You can save us tonight“ konstatiert. Die Trostrunde. Dave Hause als Seelentröster, das funktioniert. Und alles ist gut.

Nun, nicht ganz. Um diese Höhepunkte schart Hause nämlich leider allzu oft nur Nettes oder schlimmstenfalls Durchschnittliches. Klar, Stücke wie Damascus oder The great depression laufen gar wunderbar in die Gehörgänge. Nur bleiben sie dort zumeist nicht übermäßig lang. Zu oft begnügen sich die Songs mit einer einzigen Idee, wird der Moment für die Abzweigung in ungeahnte Gefilde verpasst. Da fehlt noch eine ganze Ecke an Widerhaken und Überraschungen, um Devour zu einem über die volle Spielzeit besonderen Album zu machen. So ist es ’nur‘ gut. Dave, sieh es als Kompliment.

6/10

Anspieltipps: Before, Becoming Secular, Benediction

(Martin Smeets)

Dave Hause – Devour | Rise / Uncle M / Cargo | VÖ: 11.10.2013 | CD/LP/Digital

Red City Radio – Titles

Red_City_Radio-Titles_Cover_300dpi_RGBGut, aber…

Mit bereits Dagewesenem verhält es sich beizeiten recht unterschiedlich. Manchmal nervt es, wenn es wiederkommt, manchmal ist man froh, dass es wiederkommt. Manchmal hagelt es Klagen, manchmal erfordert es Lobgesänge. Natürlich: auch Gleichgültigkeit ist eine mögliche Reaktion, speziell in der Musik. Was tut man also bei einem Album wie Titles, dem Zweitling von Red City Radio? Denn, alles was sich darauf findet, hat man schon einmal gehört. Mindestens einmal. Denn Titles enthält geradezu das Einmaleins des Midtempo-Punkrocks amerikanischer Bauart (Ost- und West gleichermaßen). Der Fundus von Hot Water Music, Lawrence Arms, über Descendents, Small Brown Bike, bis hin zu The Gaslight Anthem oder The Loved Ones gibt das problemlos her. Alles schon gehört. Die spannende Frage lautet also welche Reaktion Titles einfordert.

Einen Grund zur Klage gibt es beim Einstieg in die Platte zunächst einmal nicht. Mit Two Notes Shy wird nämlich geradezu der Prototyp eines Punkrock-Hits ins Rennen geschickt. Intro, Strophe, Bridge, Refrain. Dieses bewährte Rezept wird freilich mit allerlei Spielereien angereichert und fachgerecht serviert. Zu den Spielereien gehört zuvörderst der teils vierstimmige, sehr dick aufgetragene und überaus melodieverliebte Gesang, der sich entlang der Songs hangelt. Unterstützt wird er dabei stets von einem ebenfalls dicken Bass- und Gitarrensound. Letzterer gönnt sich freilich hin und wieder solohafte Ausflüge seines Lead-Parts, die obendrein nochmals eine Ladung Melodie draufpacken.

Dies alles gilt übrigens nicht nur für den Opener, sondern ausnahmslos für die ganze Platte. Damit wäre ein Problem allerdings schon benannt, das zumindest einen leichten Grund zur Klage rechtfertigt. Titles ist in der Gesamtheit zu einheitlich, dick und glatt geschliffen geraten. Jeder Song wird dem Gesamtsound unterstellt, so dass sich sogar die richtig guten davon nicht freischwimmen können. Einzelne Songs kommen allzu schnell unter die Räder und bleiben als „Individuen“ kaum bis gar nicht hängen. Ausnahmen sind vielleicht besagtes Two Notes Shy,  Joke With No Words – das sicherlich der Hit schlechthin der Platte ist – und The Silence Between, die sich zumindest ein bisschen abheben können.

Diese Klage bedeutet zugleich aber auch, dass es keinerlei Ausrutscher gibt und insofern geht dies ja wiederum als Lob durch. Keine unnötigen Verschnaufpausen, Leerläufe, Lückenfüller oder dergleichen. Vielmehr reiht sich hier ein grundsolider Song an den anderen. Das stets auf Eingängigkeit und Tanzbarkeit orientiertes Songwriting ist in dieser Hinsicht durchaus gelungen. Das funktioniert, mehr aber eben auch nicht. Nicht zuletzt deswegen steht Titles stark in Verdacht in einigen Wochen bereits nicht mehr wirklich interessant zu sein und mit Gleichgültigkeit quittiert zu werden. So krankt die Platte letztlich daran zwar vorübergehend Spaß zu machen, darüber hinaus jedoch keine wirkliche Relevanz zu besitzen. Das was man hier zu hören bekommt, hat man gewiss schon viel schlechter gehört, allerdings auch schon besser und überhaupt: man hat es eben schon einmal zu oft gehört.
6/10

Anspieltipps: Two Notes Shy, Joke With No Words, I’ll Take A Mile

(Martin Oswald)

Red City Radio | VÖ: 11.10.13 | Gunner Records | LP/CD/digital

The Hirsch Effekt + Fire Walk With Me! + Brushes Held Like Hammers | 01.10.13 | Alte Mälzerei – Underground (Regensburg)

Das ist doch mal ein Titel für einen Beitrag. Ein Line-Up, das alle Zeilen- und so ganz nebenbei auch Genregrenzen sprengt. Geht schwer von der Hand – oder vielmehr den Fingern – verspricht aber einen enorm unterhaltsamen Abend. Mindestens. Schließlich haben die lokal beheimateten Brushes Held Like Hammers und Fire Walk With Me! bereits ihren Unterhaltungswert unter Beweis gestellt. Und schließlich darf man gerade von The Hirsch Effekt einiges erwarten. Zum Beispiel die Antwort auf die Frage, ob man derart technisches Gefrickel tatsächlich auf einer Bühne umsetzen kann. Doch dazu später. Zunächst bleibt die Geschichte von der Vorfreude. Die ist, wie bereits erwähnt, groß. Um genau zu sein so groß, dass 50% der anwesenden Redaktion ausnahmsweise gar Apfelschorle als bevorzugtes Konzertgetränk wählten. Nicht etwa, um den Kollegen nach der Show heimzutragen, sondern um nur ja keine Note zu verpassen. Oder so.

Los geht das ganz dann, trotz des gesonderten Hinweis, doch bitte pünktlich aufzutauchen, mit der unausweichlichen Verspätung. Und mit Brushes Held Like Hammers, die ausgiebig Zeit für einen letztmaligen Soundcheck nehmen. Was sich lohnt, zeigt sich doch der Sound im Vergleich zur letzten Begegnung mit der Band im Büro doch stark verbessert. Dass die Band seit einer geraumen Zeit kein Konzert mehr gespielt (als Gründe werden Hausbau, Heirat und Teilzeitalkoholismus angeführt) – hört man nicht unbedingt. So ziemlich gar nicht, um ehrlich zu sein. Dass das gespielte Material qualitativ von gehobener Natur ist, muss eigentlich nicht gesondert erwähnt werden. So kann man gerne einen Abend eröffnen.

Und dann abgeben. An Fire Walk With Me!. Die nächste Band, die unsererseits nicht zum ersten mal bewundert wird. Die sich an die Soundcheckgepflogenheiten ihrer Vorgänger hält, und dem anwesenden Publikum eine recht lange Rauch- bzw. Getränkepause ermöglicht. „Ich hör gar nix auf’m Monitor.“ Ein Satz, den man weit mehr als einmal zu hören bekommt. Macht aber nix, wenn der Sound anschließend abermals stimmt. Und natürlich auch die Songs. Irgendwo zwischen den Polen ‚Post-Rock‘, ‚Metal‘ und diversen ‚Core‘-Kisten dürfte das Zuhause von Fire Walk With Me! verortet sein. Und dort fühlen sie sich mit ihren behutsam aufgebauten, langen und bisweilen schön ineinander verflochtenen Stücken ganz offensichtlich ziemlich wohl. Wer nicht hinhört, verpasst einiges. Da darf man dann auch gespannt sein auf das erste wirkliche Album, an dem die Band am Werkeln ist.

Dann schließlich ist es soweit. Bühne frei für The Hirsch Effekt. Wobei ‚Bühne frei‘ doch recht missverständlich ausgedrückt ist. Denn eben jene ist eigentlich auch ohne Musiker bereits vollgestopft. Mit einem lustigen Allerlei an Effekten, Synthies und was man eben sonst noch so brauchen könnte, um solch von Ideen übersprudelnde Musik auf die Bühne zu bringen. „Die lassen sich wohl während des Sets zwei extra Beine wachsen“, wurde im Publikum gemunkelt. Bei dieser unüberschaubaren Anzahl von Pedalen – kein Wunder. Die Bühne gleicht weniger einer Bühne als vielmehr einer Elektro-Werkstatt. Was die Band dann schließlich in dieser Werkstatt veranstaltet, spottet schlichtweg jeglicher Beschreibung. Wer hier die Kinnlade nicht nach dem dritten Takt über den Boden schleift, muss irgendetwas falsch machen. Technisch – einen unauffindbaren Wackelkontakt mal außen vor – auf den Punkt gespielt, stimmgewaltig, mitreißend. Umwerfend, mit einem Wort. Da fällt es schon fast nicht mehr auf, dass The Hirsch Effekt quasi im Vorbeigehen die latente Meckerei am Sound im Mälze-Underground beenden. Selbiger ist nämlich ganz und gar vorzüglich. Wie so ziemlich alles, was diesen Auftritt anbetrifft. Dass die Band zwischen ihren wilden Core-Irrfahrten geradezu zurückhaltend-höflich mit dem Publikum plauscht, macht die Sache nur noch besser. Und wenn man auf der Bühne auch noch genug Humor hat, um dem Publikumswunsch nach einem Popsong zu entsprechen, ist sowieso alles wunderbar. Dann setzt man eben in all das fragile Geballer mal eben Purple Rain. Bzw. die Teile, die man gerade parat hat. Schön. Dass alle Anwesenden ihre Kinnladen lächelnd nach Hause geschleift haben, dürfte fast garantiert sein. Hier wurden Messlatten gesetzt.

(Martin Smeets & Martin Oswald)

Aloa Input – Anysome

Aloa Input - Anysome // Bild: jpc.de

Es ist so flauschig!

Obwohl sich zeigen wird, dass man der Band damit ein klein wenig Unrecht tut, muss es einfach gesagt werden: Aloa Input sind ja so was von putzig. Es zirpt, es pluckert, es sucht sich der stets mehrstimmige und durchaus einlullende Gesang seinen Weg. Durch zahlreiche gute Ideen an der Gitarre etwa. Oder durch fein ziselierte kleine Beatkonstrukte, verschleiertes Synthiegewaber und meist blendend gelauntes Tastengeklimper. Das macht Eindruck, und zwar auf den ersten Blick einen durchweg süßen. Aloa Input sind, bemüht man die ganz schiefen Vergleiche, die Hello Kitty des popverliebten Indietronic. Ein Genreunfall, den man mit dem Hinweis auf völlige Harmlosigkeit aber auch völlig ignorieren kann, oder?

Tja, von wegen. So fluffig Anysome zunächst auch dahertrippeln mag – das Album macht schnell klar, dass es weit mehr können will, als dreizehn Songs lang flauschige Einfälle zu präsentieren. Vielmehr stellen Cico Beck, Marcus Grassl und Flo Kreier all dem Schönklang ganz bewusst immer wieder Kontrapunkte gegenüber. Zwar dürfen sich dann in Another green world zunächst Vogelgezwitscher und eine melodieverliebte Gitarrenfigur die Hand geben, allerdings nicht, ohne dass ein überraschend wuchtiges Schlagzeug immer wieder mal dazwischenhaut. Darüber liegen oft in Richtung Melancholie schielende Gesangslinien, die manchen bereits aus Grassls früherer Band Missent To Denmark bekannt sein dürften. Und flugs ergibt sich ein stimmiger Song, der sich beleibe nicht auf seine Nettigkeit reduzieren lässt.

In der Folge verzeiht man es der Band sogar, dass sie einmal dem albernen Entvokalisierungswahn anheim fällt, denn Prblms hat neben einem dämlichen Titel auch jede Menge Hitpotenzial – und gefällt auf allen Ebenen. Genau wie das mysteriös verrauchte Interlude, das den Weg in weniger eingängige Gefilde wagt und so neben dem etwas abgedrehten Chasing shades für wohlige Abwechslung sorgt. Und wenn sich Aloa Input mit Mellow red ball zwischen genau die Stühle setzen, die Electric President, Lali Puna und The Notwist irgendwann einmal aufgestellt haben, ist sowieso alles gut. Eine runde Sache, könnte man sagen.

Langweilig wird dem Hörer also im Verlauf von Anysome ganz sicher nicht. Ein wirklich klares Bild ergibt sich allerdings nicht so richtig: Immer wieder ist man geneigt zu fragen, wo dieses Album denn nun eigentlich hin will, weil es einen etwas zerissenen Eindruck hinterlässt. Ziemlich knuffig und eingängig, ein bisschen mysteriös, ein bisschen experimentiell, ein bisschen verrückt. Ein bisschen arg unentschlossen also. Dabei wäre es Aloa Input durchaus zuzutrauen, ein durch und durch großartiges Album aufzunehmen. Doch noch ist es nicht soweit. Dazu fehlt noch ein wenig der Fokus, müssen all die Einfälle etwas mehr kanalisiert werden. Doch das kriegen die drei sicher noch hin.

6/10

Anspieltipps: Another Green World, Prblms, Mellow Red Ball

(Martin Smeets)

Aloa Input – Anysome | Morr/Indigo | VÖ: 18.10.2013 | CD/Digital

News | Oktober 13 #3

+++ Da warten wohl schon so einige drauf (nicht nur Fotoapparat-Hersteller): Ben Cooper aka Radical Face ist in Begriff den zweiten Teil seiner Family-Trilogie zu veröffentlichen. Family Tree: The Branches wird die Platte heißen und Anfang November erscheinen. Den Song Holy Branches gibt es bereits zu hören:

Ferner wurde dem Album auch schon die EP The Bastards: Volume 2 vorausgeschickt, die es u.a. bei Spotify zum Streamen gibt. Hier lang. Der Spätherbst dürfte gerettet sein.

+++ Zu dieser Rettung tragen wohl auch Caspian bei. Die Bostoner Band, deren Bassist Chris erst vor weniger Monaten verstorben ist, hat eine EP aufgenommen, die Mitte November via Triple Crown Records kommt. Daraus der Titelsong Hymn For The Greatest Generation im Stream:

+++ Am 4. November würde Tony Sly seinen 43. Geburtstag feiern. Leider wird er das nicht mehr persönlich tun können, ist er im vergangenen Sommer viel zu früh verstorben. Nun müssen ihn andere feiern und die engsten Wegbegleiter und viele andere tun dies auf Einladung von Fat Wreck Chords mit einem Tribute-Album, das Ende Oktober erscheint. U.a. Bad Religion, NOFX und The Bouncing Souls haben Songs von Tony aufgenommen. 26 Cover sind es geworden, eins davon, Straight From The Jacket, wurde von Alkaline Trio eingespielt. Und den gibt es hier.

+++ Ebenfalls 26 Songs finden sich auf einer Benefit Compilation, die das USELESS Fanzine zusammengestellt hat. Das Gute ist nicht nur, dass sich darauf Band wie Paper Arms, Love A, KMFSPRT und Matula tummelt und das ganze nur einen Euro kostet, sondern auch dass dieser Euro (oder mehr, so man das wünscht) an die Initiative „Kein Bock auf Nazis“ geht. Deswegen: anhören, kaufen und antifaschistische Arbeit unterstützen:

+++ A Wilhelm Scream kommen auch bald mit einer neuen Platte um die Ecke (wie bereits letzte Woche erwähnt). Jetzt gibt’s News-Nachschlag, nämlich einen ersten Song: Devil Don’t Know. Ab dafür.

+++ White Wives haben eine 2-Song-EP in der Pipeline, die im November via A-F Records auf buntem Vinyl erscheinen wird. 50% davon, nämlich Yours,  gibt es bei den Kolleg_innen von Alternative Press zu hören. Also, schnell mal rüber.

+++ Ende Oktober liefern Arcade Fire mit Reflektor den Nachfolger zu Suburbs. Nach und nach präsentieren sie vor der Veröffentlichung kleine Happen, zuletzt nachfolgenden Teaser zum Song Afterlife. Die nächsten Tage also Ohren spitzen und Augen besonders weit offen halten.

+++ Und zum Ausklang noch ein kleines bisschen deutschsprachigen Indiepop Hamburger Machart. Allerdings nicht aus Hamburg, sondern aus, tadaaaa: St. Gallen. Panda Lux (dieser Verschwörungsartikel bräuchte dringend mal ein Update) üben sich in ihrem aktuellen Video im Freien Fall… Film ab:

(MO)

Jupiter Jones – Das Gegenteil von allem

Jupiter Jones - Das Gegenteil von Allem // Bild: http://www.freundederkuenste.de/

Macht doch, was ihr wollt

Die sie wissen, was sie tun? Tatsächlich? Ob derlei überzeugter Selbstbeschreibung kann man schon mal skeptisch werden. Vor allem im Falle von Jupiter Jones und deren Weg in den letzten Jahren. Gemeint ist der Weg, den diese Band genommen hat, weg von den ungestüm angepunkten Songs ihres Debuts Raum um Raum, hin zu radiokompatibleren Nummern, hin zu Stücken wie Still. Eigentlich eine langweilige Story, wurde sie doch erstens schon viel zu oft erzählt und steht man sich zweitens als Freund der frühen Alben dabei viel zu oft selber im Weg. Die Punk-Polizei lässt herzlich grüßen. Also vorneweg: Ja, Jupiter Jones ist die Band, die einstmals eigentlich das aufheben sollte, was Muff Potter liegen gelassen haben, aber viel lieber die Abzweigung zum Pop genommen hat. Erfolgreich, wohlgemerkt. Das ist per se nichts Schlechtes, das ist der Band bestimmt auch zu vergönnen. Zumal Jupiter Jones überdies mehrmals bewiesen haben, dass sie auch mit weniger Ecken und Kanten eine durchaus gute Figur abgeben können. Die Band muss sich mit ihrer neuen Platte also an dem messen lassen, was sie inzwischen ist: ein ganz guter Pop-Rock-Act.

Daran rüttelt auch die Vorabsingle Denn sie wissen, was sie tun nicht. Auch wenn Nicholas Müller in eben jener Single so beherzt wie lange nicht mehr clevere Zeilen röhrt, und das mit Ferris MC und Jennifer Rostock um die Wette, auch wenn der Song locker aus der Feder von Nagel (Muff Potter) kommen könnte: Daran, dass Jupiter Jones auf Das Gegenteil von allem plötzlich mit Bratzgitarren und Gebrüll um sich werfen würden, hat wohl niemand geglaubt. Hoffentlich. Wer gedacht hatte, der vorab veröffentlichte, doch sehr laute Krawallbruder gebe die Richtung vor, der muss das Album mit ordentlich Schmackes in die nächste Ecke pfeffern. Alle anderen bekommen ein Album vorgelegt, das dem Punk in zehn von elf Stücken schon seit einer gefühlten Ewigkeit Lebewohl gesagt hat. Ein Album, das sich mit 4-9-6 Millionen übrigens einigermaßen gut anlässt. Ein paar beschwingte Akkorde, ein fröhliches Klavier und ein Müller, der konstatiert: „Bitterkeit Du Phrasendrescher, heut‘ ist jemand anderes dran.“ Der Blick geht also nach vorne. Auch im folgenden Rennen und Stolpern, wo die Losung „Wenn’s nicht mehr weiter geht, fangen wir wo anders an“ ausgegeben wird. Kann man eigentlich machen.

Wäre da nicht diese fürchterliche Belanglosigkeit, an der dieses Album spätestens mit eben jenem Rennen und Stolpern zu kranken beginnt. Ein Stück, das sich in dieser Form – und das ist beileibe keine Dramatisierung – ohne Probleme auch auf einem Album von Silbermond oder Revolverheld wiederfinden könnte. Und damit überdies nicht alleine dasteht. Da ist die soundgewordene Zuckerwatte von Produktion glatt ein Nebenaspekt, wenn man ein ums andere Mal von Songs empört wird, die so frei sind von Überraschungen und guten Ideen, wie der „Tatort“ in jüngerer Zeit. Hinter denen so wenig steckt, dass sie sich nicht einmal selber zu tragen vermögen. Beispiele dafür finden sich genügend: das geradezu enervierende Treppenwitz etwa, das seinen leidlich innovativen Refrain zu allem Überfluss gegen Ende hin unnötig breit latscht. Und doch spurlos vorbeizieht. Oder Anderthalb Sommer. Das wie der im Text erwähnte Don Quijote aufopferungsvoll gegen gruselige Synthies kämpft. Und verliert. Wenn man glaubt, die Talsohle wäre hiermit erreicht, tja, dann kommt Hunderttausend Typen wach des Weges. Eine Schmalzballade allererster Kajüte. Kitsch-Streicher, die selbst den sonst durchaus streicheraffinen Marcus Wiebusch (Kettcar) zu einem schmerzhaften Date mit Villeroy & Boch gezwungen hätten. Das ist schlimm. Ein bisschen eklig. Fast schon ordinär. Und selbst wenn Jupiter Jones mit Glücklich (Wir müssen üben) mal die etwas schnellere Gangart versuchen, sorgt der omnipräsente Schmuck am Nachthemd mal wieder geflissentlich dafür, dass die ganze Chose fast schon dramatisch im Sande verläuft. Dass auch die Textarbeit trotz der Grüße an Modern Life Is War, Tom Sawyer, Huck Finn und sogar Millencolin zumeist nicht über das Prädikat ‚ganz nett‘ hinaus kommt: fast schon eine Randnotiz.

Da hilft es leider wenig, dass man fürs Durchhalten bis zum Schluss durchaus belohnt wird. Zum einen mit Momentaufnahme 3 (Schrödingers Dilemma), das zumindest musikalisch Muff Potters Die Guten als Bruder im Geiste hat. Vor allem aber mit Alles was ich weiß. Zwar auch ein weiterer Leisetreter, dieses Mal allerdings ein rundum gelungener. Sparsame Instrumentierung, saubere Spannungsbögen und ein paar Überraschungen in der Hinterhand. Ein Song, der auf allen Alben dieser Band auf der Habenseite zu verbuchen wäre. Was das Vorhergegangene fast noch ärgerlicher macht: Sie könnten es doch. Ziemlich gut sogar. So hätten Jupiter Jones mit Das Gegenteil von allem die Band werden können, die ihren Airplay-Kollegen mal zeigt, wie man es richtig macht. Und ja, in lichten Momenten gelingt das auch ganz gut. Über weite Strecken ist Das Gegenteil von allem aber dröge, klebrig und schlichtweg langweilig. Vielleicht wissen Jupiter Jones, was sie tun. Interessant ist diese Frage aber nun ohnehin nicht mehr.

4/10

Anspieltipps: Denn sie wissen, was sie tun, Alles was ich weiß

(Martin Smeets)

Jupiter Jones – Das Gegenteil von Allem | Columbia/Sony | VÖ: 11.10.2013 | CD/LP/Digital