The Bronx – IV

The Bronx - IV // Bild: getmetal.org

Dicke Eier

Sicher kennen inzwischen wirklich alle Rainer Brüderle. Der hat ja vor einer Weile beim abendlichen an der Bar rumhängen nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen gewusst, als eine Journalistin anzuquatschen, die das Ganze unlängst publik machte. Was das nun mit der vierten Platte von The Bronx – also wirklich als The Bronx, nicht dieser Mariachi Kram – zu tun hat? Nun, erstmal nichts. Beschriebenes Szenario sorgte allerdings dafür, dass selbst in der entlegensten Provinzwinkeln über Sexismus diskutiert wird. Sogar diese große Boulevardzeitung platziert das Thema prominent. Neben Tittenbildern. Versteht sich. Was es nun aber wirklich auf sich hat, mit dem schief daherkonstruierten Zusammenhang zur vierten Platte von El Mariachi Bronx The Bronx? Also ganz streng genommen eigentlich: Nichts.

Okay, fast nichts. Es ist dieses eine Wort, dass beim Hören von IV ständig in den Köpfen der HörerInnen herumspukt, oder viel besser gesagt, herumpogt: Sexismus. Und hiervon wiederum die Nebenprodukte, nämlich die Klischees. The Bronx‘ vierte Selbstbetitelte arbeitet hart im Wald, riecht nach Männerschweiß, trinkt viel Bier und liebt harte, laute, möglichst breitbeinig vorgetragene Rockmusik. Rainer Brüderle tut dies vermutlich nicht, bestimmt manchmal, hoffentlich sehr selten oder gar nicht und vielleicht. Aber wir schweifen vom Thema ab. Hier geht es schließlich um The Bronx und deren neue Platte. Und die beinhaltet eine ganze Menge – zwölf Songs, um genau zu sein – laute, harte, möglichst breitbeinig vorgetragene Rockmusik. Man könnte es, wäre es nicht gar so flach, auch Hardcore nennen. Wer allerdings glaubt, dass IV wie ein bierbäuchiger, haariger, stinkender Kerl tönt, den man im nüchternen Zustand zumeist meiden würde,  könnte an dieser Stelle allerdings kaum falscher liegen. The Bronx haben nämlich neben kompromisslos kaputtgeschrubbten Saiten und einer Hand voll gerissener Felle vor allem: Verve, Ideen und Melodien für Milliarden. Ach nein, das war ja eine Platte der Terrorgruppe. Nun, gut, dann eben einfach nur Melodien. Klingt profan, ist aber oftmals unwiderstehlich. Zwölf mal, um genau zu sein. Denn es gibt ihn nicht, den schwachen Song auf IV. Gepackt in einen geradezu schlüpfrig guten Sound legt da The Unholy Land einfach mal begierig drauf los. Als gäbe es nichts einfacheres knallt einem diese Band einen Opener vor den Latz, der sich gehörig gewaschen hat. Vordergründig einfach laut polternd, auf den zweiten Blick clever, hintersinnig und vielschichtig. Hinzu kommt die Stimme von Matt Caughthran, die selbst den Kollegen von Fucked Up!  und Hot Water Music noch ein anerkennendes Nicken abringen dürfte. Wie dieser Typ in Too Many Devils inmitten des Geschreis plötzlich eine croonige Leidenschaft, die fast schon unter dem Begriff ‚Soul‘ laufen könnte, in seine Stimme legt: Atemberaubend. Und wenn die Songs dazu von rasant (Too Many Devils) über stampfend (Pilot Light, dessen Hook man ähnlich schon mal bei Fucked Up! gehört haben könnte) bis zu beinahe poppig (Torches) dermaßen tight eingespielt und gelungen sind – dann ist wahrlich alles gut. Ach, da an dieser Stelle ohnehin schon munter alles mit allem verglichen wird – und nein, die nächste Anspielung in Richtung Sexismus oder Rainer Brüderle kommt erst später: Das zweite, was den HörerInnen dieser Platte nach Sexismus in den Sinn kommen dürfte, ist Hot Water Music. Allerdings die Hot Water Music aus früheren (manche, auch ich, würden sagen: besseren) Zeiten. Und da dieses Kompliment allein nicht ausreicht: Wenn The Bronx mit Life Less Ordinary die Ballade, die es irgendwie schafft, immer noch Hardcore zu sein, auspacken, sind sie sogar noch viel besser als Hot Water Music. Und zwar die Hot Water Music aus allen Zeiten.

Eigentlich gibt es nach einem solchen Satz nichts mehr zu sagen. Außer vielleicht, dass es neben all diesen musikalischen Großartigkeiten doch zwei, drei Songs gibt, die einfach ’nur‘ gefällige Krawallbrüder sind. Davon abgesehen ist IV vor allem eines: Geil. Nur das mit dem Mariachi sollten sie in Zukunft lassen.

The Bronx – IV: 9/10

Rainer Brüderle: Ohne Wertung

Anspieltipps: The Unholy Land, Too Many Devils, Pilot Light, Torches, Life Less Ordinary

(Martin Smeets)

The Bronx – IV | Ato / PIAS / Rough Trade | VÖ: 01.02.2013 | CD, LP, Digital usw.

News 31/01/13

+++Den Anfang machen heute Pure Love, die neue Kiste rund um Ex-Gallows Frontmann Frank Carter. Die stellen ihr Erstlingswerk Anthems exklusiv, via Stream, zur Verfügung. Der Name ist Programm, denn es geht wesentlich gediegener zu, als unter dem Gallows-Banner. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein.

+++ New Jersey ist um eine Punkrockband reicher! Die Rede ist von Bottomfeeder, das neue Nebenprojekt der Herren Derek Reilly, Corey Perez, Dan King, Mike Maroney und Benny Horowitz. Kommt einem bekannt vor? Alles Mitglieder von Bands wie Let Me Run und Gates. Daneben spielt Schlagzeuger Horowitz hauptberuflich bei The Gaslight Anthem. Die 10“ gibt es in Europa exklusiv bei Sisters of Merch und sieht schon verdammt schick aus.

+++ Orbit the Earth veröffentlichen mit Arson As An Option, das erste Video zum aktuellen Album und zeigen ziemlich eindrucksvoll, dass 2013 mit dieser Band zu rechnen ist. Wer bisher noch nicht über das neue Pferd im Stall von This Charming Man Records gehört hat, dem sei unsere Fundgrube zu empfehlen.

+++ Ein kleines Trostpflaster gibt es für alle Anhänger_innen von At The Drive-In. Zwar sind sie jetzt wieder Vergangenheit, lassen aber eben diese noch einmal für alle Fans aufleben und veröffentlichen ihr Debütalbum Acrobatic Tenement, im März, als Reissue. Im April dann noch Relationship Of Command. Beide Alben kommen sowohl auf CD als auch auf Vinyl.

I Am Heresy – s/t

I Am Heresy - s/t // Bild: stageload.com

Willkommen daheim

Nathan Gray war ja lange Zeit so etwas ähnliches, wie ein Hardcore-Heiliger. Fast alles, was dieser Mann anfasste, wurde musikalisches Gold. Boysetsfire, anyone? Doch dann kamen die düsteren Tage voller Abwege. Plötzlich waren Boysetsfire Geschichte, wollte Gray mit The Casting Out luftigen Punkrock machen. Und legte sich damit – da müssen wir leider ehrlich sein – ganz gewaltig auf die Nase. Entsprechend groß war die Skepsis, die der Wiederauferstehung von Boysetsfire folgte. Ob das noch mal gut gehen würde? Man weiß es bis heute nicht. Was man allerdings weiß: Gray hat sich inzwischen kurzerhand seinen Sohn geschnappt und ein Nebenprojekt namens I Am Heresy ins Leben gerufen. Eine kleine Fingerübung, um die Wartezeit auf die neue Platte der Hauptband zu verkürzen?

Keinesfalls. Zwar ist das selbstbetitelte Debut mit neun Songs und einer Spielzeit von von 26 Minuten eigentlich nicht recht viel mehr als eine bessere EP, die erwähnten neuen Songs haben es dafür allerdings wirklich in sich. Was hier aufgefahren wird, lässt Boysetsfire beinahe als Popkapelle erscheinen. Dabei sind die Stücke, trotz fast dauerpräsenter wilder Hardcore-Hatz, weit davon entfernt, stumpf zu sein. Klar, die Brutalität, mit der der Opener The Sycophant nach ein paar gruseligen Klavierpassagen um sich schlägt, ist nicht unbedingt subtil. Aber: Sie hat Substanz. Mit so viel Verve lässt man sich jederzeit gerne musikalisch verprügeln. Zumal sich in fast jedem Song immer wieder knifflige Passagen finden, die selbst Frickelfans verzücken dürften. In The Light Of A Decaying Sun ist so ein Fall. Da geht die Reise von der Kirchenorgel über vertrackte Hochgeschwindigkeitsattacken zu fast old-schooligen Breakdowns. Und das alles innerhalb eines Songs. Chapeau! Dass die Band zwischen all dem Geballer auch immer wieder Zeit findet, sphärische Soundflächen einzustreuen und mit Prince Of The Flies sogar so etwas ähnliches wie eine Ballade in Petto hat, macht die ganze Sache nur noch besser. Das Ass im Ärmel von I Am Heresy ist – wie könnte es auch anders sein – aber dennoch Nathan Gray. Was dieser Kerl am Mikrophon zu leisten im Stande ist, sucht nach wie vor seinesgleichen. Zwischen engelsgleichem Gesang und selbstzerstörerischem Geschrei hin und her pendelnd, hält Grays Stimme beinahe spielerisch den Laden zusammen. Und schafft es im Vorbeigehen, sogar in die unbarmherzigsten Krachpassagen immer noch den entscheidenden Hauch von Harmonie und Atmosphäre einzuflechten. 

Und doch bleibt nach dem Hören dieser Platte vor allem ein Gedanke: Jetzt wollen wir neues von Boysetsfire hören. Aber hey: Immerhin ist die Skepsis jetzt weg, ist Gray scheinbar wieder auf dem Weg in Richtung Unantastbarkeit. Und wenn er diese Platte mit Jesus Doesn’t Work Here Anymore allein an der Akustikgitarre beendet, wenn er sich in den letzten Sekunden in bester Demotapemanier ganz klein macht, dann passiert etwas völlig Neues im Grayschen Kontext: Man ist gerührt. Und froh, dass Nathan Gray wieder da ist.

7/10

Anspieltipps: The Sycophant, Prince Of The Flies, I Am Heresy, Jesus Doesn’t Work Here Anymore

(Martin Smeets)

I Am Heresy – s/t | Magic Bullet | VÖ: 01.10.2012 | CD/Digital

I Am Kloot – Let All In

I Am Kloot - Let All In // Bild: cdstarts.de

Bring mich nach Hause

I Am Kloot. Die wohl dauerhaft unterschätzteste Band dieses Planeten. Seit numehr 14 Jahren schreibt das Trio aus Manchester ziemlich konstant ziemlich wundervolle Songs und packt diese zu hübschen Alben zusammen. Und niemand nimmt davon Notiz. Oder besser: Niemand nahm davon Notiz. Es brauchte die Nominierung der letzten Platte Sky At Night für den Mercury Price als ‚bestes Album des Jahres‘, bis tatsächlich eine nennenswerte Anzahl von Leuten bemerkte, dass es diese Band überhaupt gibt. Und doch fliegen I Am Kloot weiterhin irgendwie unter dem Schirm, vorbei an jedem Hype. Das wird sich auch mit der sechsten Platte Let All In voraussichtlich nicht ändern. Und das ist wahrscheinlich sogar gut so.

Schließlich hat diese Band ihre Nische gefunden und macht es sich dort zunehmend bequemer. Es gibt eben nur eine Band, die klingt wie I Am Kloot. Nämlich I Am Kloot. Das ist irgendwie aus der Zeit gefallen, das hat etwas latent anachronistisches. Aber in der Hauptsache sind diese zehn neuen Stücke einmal öfter schlichtweg bezaubernd. Eine Platte mit den verheerenden Worten „I kept the notes you never wrote / And put it with the rest I haven’t got“ über den von letzter Nacht übrig gebliebenen Barjazz zu eröffnen, ohne seine HörerInnen in tiefe Depressionen zu stürzen, das können nur I Am Kloot. Weil ihre musikalischen und poetischen Kleinode, egal wie niedergeschlagen sie auch sein mögen, sich doch immer erhobenen Hauptes präsentieren. Und weil die Band mit tröstlichen Melodien geradezu um sich wirft. So entstehen dann Songs wie der Titeltrack, dessen einlullende Melancholie man auf dem Weg von der Kneipe nach Hause keinesfalls missen möchte, wenn er sanft den Weg leitet und trotz allen Schwermuts mit jeder Sekunde versichert, dass am Ende doch alles irgendwie gut wird. Gerade diese Kontraste sind es, aus denen die Songs immer wieder Kraft und strahlende Schönheit schöpfen, die die HörerInnen aufbauen, mitreißen, ja bezaubern. Wenn das düstere Hold Back The Night nach gut drei Minuten mit seinen Streichern zum Tanz durch die rattenkalte Nacht bittet, kann und will sich dem niemand entziehen. Und wenn Shoeless zur Albumhalbzeit mit der liebenswürdigen Akustischen heranschlurft, ist das, als ob man ein kleines Wunder beobachten würde. Unaufgeregt, erhaben, wunderschön. Ein Song, den eine Band in dieser Form nicht allzu oft auf die Kette bekommt. Der sogar aus dieser Ansammlung wundervoller Songs Wegbegleiter hervorragen kann. Und der gleichzeitig den Wendepunkt auf Let All In markiert. Nicht dass die Platte von hier an schwächer werden würde. Nein, während der zweiten Hälfte passiert etwas ganz und gar erstaunliches: I Am Kloot wischen den omnipräsenten Grauschleicher zur Seite und lassen überraschend sonnigen Optimismus in ihre Songs. Und auch auf diesem ungewohnten Terrain wissen die drei zu überzeugen. Even The Stars klingt nach dem Klischeesonnenaufgang am See, den es so wohl nur im Film gibt, Masquerade ist tatsächlich tanzbar und Some Better Day hat nicht nur einen versöhnlichen Titel, sondern grüßt auch noch mitsamt verschmitzten Augenzwinkern und fluffigen Bläsern. Da winkt man doch gerne zurück und zieht vergnügt weiter. Gen Sonne.

Schließlich ist Let All In mehr als nur ein weiteres hervorragendes Album von I Am Kloot. Es ist gleichzeitig auch das erste Album dieser Band, dass sich nicht ausschließlich in betrunkenem Tresenschwermut von seinen HörerInnen verabschiedet. Nein, mit dieser Platte findet diese Band zum ersten mal nach Hause. Und lässt auf dem Weg dorthin ein Album zurück, dass man eigentlich nur lieben kann. Muss.

9/10

Anspieltipps: Bullets, Let All In, Shoeless, Even The Stars, Some Better Day

(Martin Smeets)

I Am Kloot – Let All In | PIAS/Rough Trade | VÖ: 18.01.2013 | CD/Digital/LP

News 24/01/13

+++ Viele haben es schon vermutet, unser Autor Martin Oswald hat sich in seinem Jahrespoll 2012 schon vorsorglich verabschiedet: The Mars Volta sind Geschichte. Die Band um Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler Zavala scheitert letztlich daran, dass es zwischen beiden nicht mehr funkt. Bzw. sprühen gerade die Funken, aber in anderer Weise. In einer Serie von Tweets hat sich Bixler Zavala seine Mitgliedschaft bei The Mars Volta gekündigt und u.a. darüber ausgelassen, dass Rodriguez-Lopez keine Tour zum letzten Album Noctourniquet spielen wollte und nun eine neue Band ohne Bixler Zavala habe. Das klingt dann etwa so:

„But Bosnian Rainbows was what we all got instead. I can’t sit here and pretend any more. I no longer am a member of Mars Volta.“ (cont-)

„What am I suppose to do be some progressive house wife that’s cool with watching their partner go fuck other bands? We owe it 2 fans to tour“

Bixler Zavala arbeitet übrigens derzeit an einem Solo-Album, das bald erscheinen soll.

+++ Und um gleich beim Thema zu bleiben. Rodriguez-Lopez‘ neue Band heißt Bosnian Rainbows und wird auch bald ein Album veröffentlichen. Einen Song daraus gibt es bereits zu hören und der klingt so:

+++ Und um noch ein letztes Mal kurz bei Omar Rodriguez-Lopez zu bleiben: der gute Mann hat im Dezember letzten Jahres übrigens drei Alben veröffentlicht. Alle am 28. Dezember, um genau zu sein. Unicorn Skeleton Mask, Equinox und Woman Gives Birth To Tomato! stehen auf seiner Bandcamp-Seite zum Hören bereit.

+++ Jetzt aber etwas anderes. Jacob Bannon ist in der öffentlichen Wahrnehmung der bekloppte Wilde, dem man beim Betrachten von Converge-Shows eine Einweisung in die nächstgelegene Nervenheilanstalt empfehlen möchte. Dass er aber eigentlich ein sehr ruhiger und nachdenklicher Zeitgenosse ist, fängt die nachfolgende Kurzdoku namens Rungs In A Ladder in wunderbarer Weise ein. Unbedingt ansehen!

Orbit The Earth

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Es war wohl das Jahr für This Charming Man Records aus Münster. Bands wie KadavarMesser oder auch The Tidal Sleep wurden in der Presse gefeiert und zeigten, dass das kleine Indie Label, ein mehr als glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Bands bewiesen hatte. Wäre das nicht schon genug, kam im Dezember 2012 eine weitere Überraschung aus dem Hause TCM hinzu: Orbit the Earth

Mit dem Erstling Aphelion lieferte die Band, rund um Ex-Mitglieder aus dem Just Went Black, Empty Vision und Ritual Dunstkreis, den letzten Höhepunkt des musikalischen Jahres ab und ist nun auf den besten Weg ihren Bekanntheitsgrad nach und nach zu steigern. Dabei machen sie es ihren Labelkollegen von The Tidal Sleep nach und präsentieren aus dem Nichts, eine handwerklich hochwertige Platte, bestehend aus sieben Songs, die klingen, als ob die Jungs schon immer in dieser Formation zusammen gespielt hätten. 

Musikalisch müsst Ihr Euch eine Mischung aus der Rhythmus-Verrücktheit von Botch, dem Raumklang und der Atmosphäre einer Jr. Ewing Platte und der technischen Finesse der letzten Refused LP vor. Evtl. packt Ihr noch die sphärischen Parts von Isis dazu, aber dann habt ihr es.“ Greenhell Records

Oder anders gesagt, diese Platte, dieser treibende Sound, ziehen einen von Anfang an in den Bann und bevor man vor lauter Begeisterung, händeringend nach Vergleichen sucht, lasse ich die Band lieber für sich selbst sprechen. Laut Bandcamp versteht man den eigenen Sound als Punk-Space-Cowboy-Rock made in Germany und tatsächlich lässt ein erster Blick auf den Namen und das Cover diese Assoziationen zu, die bei einen Blick in die Lyrics auch schnell bestätigt werden. Hinzu kommt der Einsatz von NASA-Samples und Effektgeräten, wie bei dem Song Fading Transmission, die einen eigenständigen, sphärischen Sound produzieren, der sich gut vom Hardcore/Rock/Metal-Einheitsbrei abhebt und einen vollkommen in die so geschaffene Welt abtauchen lässt. Aphelion ist die musikalische Umsetzung eines Stanley Kubricks Fiebertraumes, verbunden mit der Kurzweiligkeit einer Joss Whedon Space Opera. Eine echte Überraschung zum Jahreswechsel!

Wer Lust hat, sich live von dieser Band überzeugen zu lassen, bekommt im Februar die Möglichkeit dazu:

06.02.2013 Leipzig: Schuppen
07.02.2013 Braunschweig:
08.02.2013 Hamburg: Rote Flora (Annotation)
09.02.2013 Berlin: Cassiopeia (Annotation)
10.02.2013 Solingen: Waldmeister (matinee) (Akela & Remember why we’re here)

Desmond Myers

Desmond Myers // Bild: desmondmyers.com

Es begab sich am 19. Januar 2013, als im Regensburger Büro sich die Wartezeit vertrieben wurde. Die Wartezeit, bis LorraineBrushes Held Like Hammers und No Weather Talks endlich die wundervoll improvisierte Tribüne betreten würden. Da grüßt man dann und wann, schüttelt ein paar Hände und findet sich irgendwann beim Bier am Tisch zusammen. Das Gespräch fällt, wie sollte es auch anders sein, irgendwann auf Musik, genauer gesagt auf Bands und Künstler, die man sich unbedingt anhören müsse. Da fällt dann auch der Name Desmond Myers. Der kommt aus North Carolina, zählt momentan schlappe 21 Lenzen und hat sich für sein Schaffen ausgerechnet in Regensburg niedergelassen. „Wenn der keine große Nummer wird, verliere ich endgültig meinen Glauben an eine gerechte Welt.“ , heißt es dann (frei zitiert) irgendwann während des Gesprächs über diesen Kerl. Große Worte, fürwahr. 

Allerdings: Da liegt Wahrheit drin. Was dieser Typ an Songs im wahrsten Sinne des Wortes zusammenschraubt, verdient Respekt. Mindestens. Schließlich reicht das Spektrum vom zurückgenommenen Singer/Songwriterhabitus über Ausflüge in Richtung Chanson bis zum Hip Hop. Klingt wild? Ist es ganz und gar nicht. Myers gelingt es beinahe spielend, auf den ersten Blick unvereinbare Stile aufeinander folgen zu lassen, miteinander zu kombinieren. Und das oftmals in einem Song. Da bleibt dann nicht recht viel mehr, als den virtuellen Hut zu zücken. Und zu hoffen, dass auf die zwei bisher veröffentlichten EPs bald mal ein Longplayer folgt. Hören kann man ein paar von Myers‘ Songs übrigens auf seiner Homepage.

Oder wahlweise hier:

Bad Religion – True North

Bad Religion-True North // Bild: stereogum.com

Zeitlos

Es gibt eine ganze Menge an Dingen, die man sich nur zusammen vorstellen kann. Manowar und Spandexhosen zum Beispiel, um gleich zu Beginn mal ein bisschen böse zu sein. Oder ständiges Nörgeln und Kollege Oswald, um weiterhin böse zu sein. Oder eben – und das ist jetzt mal so gar nicht böse gemeint – Punk und Bad Religion. Die sind schließlich seit einer gefühlten Ewigkeit aktiv und legen jetzt mit True North Album Nummer 16 (in Worten: sechzehn!) vor. Angesichts eines so langen und konstanten Schaffens stellt sich jetzt natürlich zwangsläufig die Frage, warum es nun genau lohnt, noch viele Wörter über eine hinlänglich bekannte Band zu verlieren. Zumal Bad Religion ihren Sound schon vor Jahrzehnten gefunden haben. Da könnte man es doch mit Linus Volkmann (Intro) halten und einfach mitgehen, wenn er zur letzten Platte, The Dissent Of Men, lapidar konstatiert:

Wer Bad-Religion-Alben immer noch verfolgt, muss doch Verwandte in der Band haben. Aber die Herren sind einfach zu gut fürs Bashing. Verzeiht. Und macht einfach weiter. Kümmert bloß keinen mehr.

Tu ich aber nicht. Dabei hat Herr Volkmann im Großen und Ganzen ja recht. Es stimmt, diese Band hat in ihrer gesamten Schaffensphase – das völlig verhunzte Into The Unknown wollen wir mal wohlwollend ausklammern – ganz genau zwei Songs geschrieben: den langsamen und den schnellen. Es stimmt auch, dass man nach Veränderungen von Platte zu Platte mit der Lupe suchen muss, so marginal fallen diese aus. Und doch liefert Volkmann die Antwort, warum man sich durchaus noch immer mit dieser Band beschäftigen kann,  dankenswerterweise gleich mit: Die Herren sind einfach zu gut fürs Bashing.

So ist True North dann auch genau das, was man erwartet: Ein schnörkelloses Punkalbum, das ohne Umwege auf den Punkt kommt und hin und wieder beherzt hinlangt. Kurzum: Ein typisches Album von Bad Religion eben. Das Gute daran ist allerdings, dass sich Bad Religion seit der Rückkehr von ‚Mr. Brett‘ Gurewitz erstens auf einem beachtlich hohen Niveau stabilisiert haben, und das True North von dort aus zweitens auch noch ein Ausreißer nach oben ist. Bad Religions jüngste räumt mit den kleinen Fehlerchen der letzten Alben – mit der viel zu dicken Produktion von New Maps Of Hell etwa, oder mit dem überpräsenten Midtempo von The Empire Strikes First – auf und beweist so, warum diese Band immer noch oben mit schwimmt. Die Songs tönen drahtig und kompakt, sind genau so lang, wie sie unbedingt sein müssen und so minimalistisch gehalten, wie es irgendwie geht. Da gibt es keine Note zu viel. Das ist perfekt aufeinander abgestimmt und eingespielt. Aus einem Guss, im besten Sinne. Und wenn man unbedingt Highlights hervorheben will: Besonders gelungen ist der Fünferpack zum Einstieg. Vom treibenden Opener und Titeltrack über die latente Melancholie von The Past Is Dead und die Melodieverliebtheit von Robin Hood In Reverse zum Klopper Fuck You werden hier alle Trademarks vereint, die diese Band schon immer ausgezeichnet haben. Fünf Songs, die auch vor 25 Jahren schon auf einer Bad Religion Platte sein hätten können und trotzdem immer noch gut sind. Das hat dann fast was zeitloses.

Dass Bad Religion während ihres weiteren Daseins noch mal überraschen werden: ausgeschlossen. Ebenso ausgeschlossen ist allerdings auch, dass die Band noch mal eine wirklich schwache Platte aufnimmt. Und bevor jemand fragt: Nein, ich habe keine Verwandten in der Band. Und obwohl ich Bad Religion gar nicht mal besonders verfolge, kümmert mich True North sehr wohl. Das macht dann, aber auch wirklich nur, weil das schleppende Hello Cruel World völlig daneben gegangen ist:

7/10

Anspieltipps: True North, The Past Is Dead, Robin Hood In Reverse, Dharma And The Bomb

(Martin Smeets)

Bad Religion – True North | Epitaph Records/Indigo | VÖ: 18.01.2013 | digital/CD/LP

Friska Viljor – Remember Our Name

Friska Viljor - Remember Our Name

Um 2 Uhr nachts ist Schicht im Schacht

Es ist ja so, dass man von Friska Viljor allerlei Albernheiten gewohnt ist. Ein verrücktes Duo aus Schweden, das alle denkbaren Genres ohne Schulterzucken zusammenwerfen kann und dabei weder beliebig noch bemüht klingt. Bei Friska Viljor mischen sich alle herkömmlichen (und ungewöhnlichen) Instrumente mit einer Riesenportion Feierlaune und anschließender Katerstimmung inklusive und stampfen einen sympathisch-liebenswürdigen Indie-Folk auf den Parkettboden, der sich gewaschen hat. Dieses Braurezept ging über vier Alben ziemlich gut auf, bei Remember Our Name verhält es sich ein bisschen anders.

Die Holzfällerhemden müffeln zwar immer noch nach Schweiß und Bier, letztere tropfen nach wie vor reichlich aus dem Bart und die zerschundenen Tanzstiefel haben nicht zum letzten Mal die Tanzfläche gesehen. Dieses bewährte Konzept werfen Friska Viljor natürlich nicht einfach über Bord, aber sie füllen es auch nicht mehr mit ausreichend Spielfreude und schalten leider mindestens einen Gang zurück. Ohne Frage, es gibt sie noch, die kleinen und aberwitzigen Verrücktheiten, aber eben eine Spur aufgeräumter und gezügelter, nicht mehr ganz so wild und chaotisch. Um es in eine andere Sprache zu übersetzen: Es wird nicht mehr bis morgens um 8 gesoffen, sondern spätestens um 2 ist Schicht im Schacht.

Dabei legt Remember Our Name mit Did You Ever ziemlich gut los und schickt im Anschluss mit Stalker und Bite Your Head Off gleich zwei starke Songs hinterher. Doch selbst in diesen guten Momenten merkt man, dass der Ideenreichtum von Friska Viljor nicht unerschöpflich und die kreative Luft ein bisschen dünner ist als sonst. So haben beide Songs neben schwungvoll-vetrackten, mit allerlei Klopf- und Schlaginstrumenten unterlegten Rhythmen, zwar jeweils eine einprägsam-ohrwürmerische Pfeifen- bzw. Synthiemelodie, sonst jedoch leider hinreichend wenig zu bieten. Das alles ist nett, mehr aber eigentlich auch nicht. Die gewagteste Nummer geht im Anschluss mit Boom Boom ins Rennen – und weiß in ihrer verspielten Dümmlichkeit auf eigenartige Weise zu überzeugen. Boom boom boom boom boom boom boom boom… ja, so geht der Herzschlag und der stampft zu Synthiedrums und -klängen einen seltsamen Liebessong à la Cyndi Lauper aus den Boxen, den man ob seiner Eigenartigkeit schlichtweg mögen muss. Ein mutiger Song, der in dieser Eigenschaft allerdings der einzige bleibt.

Alles was danach kommt, ist das altbewährte Braurezept von Friska Viljor, das auf den Vorgängerplatten so wunderbar geschmeckt hat, diesmal jedoch zu schal für einen wahren Genuss ist. Das Tempo wird gedrosselt, die Party- und Tanzlaune will nicht mehr so hemmungslos aufkommen, ohne dass die Songs dadurch an Tiefe gewinnen würden. So schlängeln sich dann mit Easy Is Hard, Streetlights, Until the End Folk-Nummern durch die Platte und reichen allenfalls zum etwas gelangweilten Schunkeln. Einzig Flageoletten hebt sich empor und zeigt eindrucksvoll, was auf der Platte eigentlich möglich gewesen wäre, hätte man ein bisschen das Chaos walten lassen. Mit zunächst dezent-verspieltem Anschleichen im Off Beat, samt kleinen Einsprenklern von Trompete und E-Piano, entlädt sich der Song bei 2.30 Min. krachend im Refrain, um im Anschluss glockenspielumspült zu einem Klarinetten-Solo und Trompeten-Kanon zu bitten und gen Ende wiederum dem Stadion-Indiepop eine Schippe zu schlagen. Das kommt richtig gut und ist sicherlich das Highlight der Platte. Letztlich gereicht dies alles zusammengenommen aber nur zu einer durchschnittlichen Platte, die sich damit lediglich am unteren Ende der Band-Diskografie einreiht. Schade.

6/10

Anspieltipps: Stalker, Boom Boom, Flageoletten

(Martin Oswald)

Friska Viljor – Remember Our Name | Crying Bob Records | VÖ: 18.01.2013 | digital/CD

Jahrespoll 2012 von: Dominik Iwan

Das Jahr ist vorbei und auch wir feuern unsere Jahrescharts munter heraus. Dabei ist dieses Unterfangen gar nicht so leicht, wie man es sich am Anfang vorstellt und spätestens wenn die Liste online ist, zweifelt man an der ein oder anderen Entscheidung. Da gibt es dieses oder jenes Album, dass eigentlich auch einen Platz verdient hätte, aber dann doch im letzten Moment aussortiert wurde. Einige sind auch schlichtweg auf der Strecke geblieben, weil es einem an der Zeit fehlte, sich intensiv damit zu beschäftigen. Wie dem auch sei, hier meine persönliche Top Ten Liste für das Jahr 2012.

Die 10 besten Alben des Jahres

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10. Frau Potz – Lehnt dankend ab

Was man hier geboten bekommt, lässt einem nicht mehr los und man möchte den nächstbesten Szene-Hipster im Viertel, seinen Soja-Chai-Latte aus der Hand schlagen und grinsend weiterziehen. Was Frau Potz hier mit ihrem Debut Lehnt dankend ab abliefern, ist schlicht weg laut, aggressiv, prollig und von so einer konsequenten Anti-Haltung geprägt, das man die Jungs einfach lieben muss. Hier bekommt nun wirklich jeder sein Fett weg, vom Szene-Kiddy bis hin zum Musikschreiberling und zwar in einer so klaren Form, die man schon lange nicht mehr gehört hat. Die Direktheit der Jungs wirkt einfach erfrischend und hält den pseudo-intellektuellen Ergüssen manch einer deutschen Band genüßlich den Stinkefinger ins Gesicht.

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9. Goodtime Boys – What`s Left To Go

Am Ende des Jahres kam, in Form der Goodtime Boys, doch noch ein Kracher aus dem Hause Bridge 9 in die Plattenläden und fast hätte ich dieses Juwel überhört. Dabei wissen die Briten mit ihrem Erstlingswerk auf ganzer Linie zu überzeugen und schaffen es sich souverän aus dem großen Schatten des The Waves Kollektives heraus zu spielen. What`s Left To Go erfindet das Genre nicht neu, ist aber dennoch eine unfassbar gute Platte geworden, die aus dem Genre Einheitsbrei deutlich hervor sticht.

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8. Title Fight – Floral Green

Die Band hat sich zwar von ihren Hardcore Wurzeln entfernt, liefert aber mit ihrem zweiten Album eine Emo-Core Platte ab, die dieses Jahr ihres gleichen sucht. Packend, ergreifend, kurzweilig und viel reifer und homogener als beim Vorgänger Shed.  

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7. Xerxes – Our Home is a Deathbed

Xerxes kann man ebenso  gerne in die Reihe der The Wave Bands stellen, denn wie beispielsweise Touché Amoré, stehen sie für gefühlsbetonten Mordern Hardcore. Dabei setzen auch sie, wie so viele auf die Dynamik der Gegensätze. So findet man neben kurzen Krachen, wie Sleep, auch längere Momente der Ruhe, wie in Sleepwalking, auf diesem Album. In ihrer Gesamtheit schaffen sie so, eine wirklich emotionale und atmosphärische Hardcore Platte mit Tiefgang, die auf jeden Fall für längere Zeit im Gedächnis bleibt.

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6. The Saddest Landscape – After the Lights

The Saddest Landscape haben mit After the Lights ein mehr als emotionales Album geschaffen, das man in solch einerIntensität und Dichte selten erlebt hat. Ab dem ersten Track wird man förmlich in eine tieftraurige und verzweifelte Welt hinein gezogen aus der man sich bis zum letzten Akkord nicht befreien kann oder will. Die Düsterheit der Platte wiegt schwer, schmiegt sich aber gleichzeitig so stark an einen an, dass man sich in dieser Welt doch irgendwie zurechtfindet und es sogar, wenn auch nur kurzzeitig genießen kann. Zumindest bis einen die Schwere wieder einholt. So reißt einen die vermittelte innere Zerrissenheit und Verzweiflung nieder. Das werden nicht alle mögen, aber wenn man sich auf diese Platte einlässt, wird man es keineswegs bereuen. Denn im Vergleich zu ihren Labelkollegen legen The Saddest Landscape ganz klar noch eine Schippe drauf. Solch ein schönes und gleichzeitig verzweifeltes, ja Angst einflößendes Album hat es in letzter Zeit selten gegeben.

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Propagandhi - Failed States // Bild: propagandhi.com

5. Propagandhi – Failed States

Starten wir mit einer Assoziationskette zu Propagandhi: Gay-Positive. Pro-Feminist. Animal-Friendly. Anti-Fascist. So lauten die roten Linien der Band aus Kanada. Mit Failed States gibt sich die Band härter und kompromissloser, als auf dem Vorgänger Supporting Caste und beweist, wie vielschichtig sie doch ist. Denn keines von den musikalischen Schwergewichten auf dieser Platte, führt geradlinig ins Ziel oder lässt sich mit einem anderen Song des Albums vergleichen. Zu der musikalischen Härte und Komplexität, gesellen sich Texte die wirklich etwas zu sagen haben und eine Produktion, die man in diesen Gefilden viel zu selten vorfindet.

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4. The Tidal Sleep – s/t 

Mit Beginn des Openers verliert man sich in einem tosenden Meer aus traurigen Delay Melodien, hymnischen Gitarren, einem knorrigen Bass, dem treibendem Schlagzeug und einer sehr wandlungsfähigen Klagestimme. The Tidal Sleep beherrschen das Wechselspiel aus Melancholie und Euphorie in Perfektion, ohne dabei ins Kitschige abzudriften, sowohl musikalisch, als auch textlich. Da treten die Instrumente zurück und erklingen nur noch reduziert, die Vocals gelangen in den Vordergrund um im nächsten Moment von einer Welle in Form des Bass und dem einsetzendem, treibenden Schlagzeug umspült zu werden. Die einzelnen Komponenten schaukeln sich gegenseitig hoch um im richtigen Moment zu explodieren und eine ruhige See zu hinterlassen. Dabei ist die Stille nur die Ruhe vor dem erneuten Sturm, der in der Welt von The Tidal Sleep unausweichlich aufziehen wird. Gerade die Gitarre setzt wunderbare Akzente und bildet einen detailverliebten Klangteppich, der sich vom bekannten Modern Hardcore abgrenzt und einen starken Postrock Einschlag aufweist. Egal ob die langsamen Momente wie in Ghost Poetry oder das treibende und dramatische Gitarren- und Schlagzeugspiel in Inkbreath. The Tidal Sleep brillieren in jeder Lage.

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3. Anti-Flag – The General Strike

Anti-Flag macht alles wie immer nur anders und irgendwie besser. Man hätte sich vielleicht noch einen Funken mehr Mut zur Veränderung wünschen können, aber das Ergebnis ist eine fabelhafte Platte, die Neulinge und Fans der ersten Stunde durchgehend begeistern kann. Zusammen mit The Terror State und For Blood and Empire, bildet The General Strike die perfekte Trias der Bandgeschichte.

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2. Captain Planet – Treibeis

Mit der Veröffentlichung des Openers Pyro hatten sie meine Neugier geweckt. Mit dem Release der kompletten Platte war es um mich geschehen. Kein anderes Album hatte mich in den vergangenen kalten Herbst- und Winterwochen mehr in seinen Bann gezogen als Treibeis. Für mich die beste deutschsprachige Punkrock Platte Anno 2012, fern ab von Plattitüden und chronischem Vokal Verlust.

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Hot Water Music - Exister

1. Hot Water Music – Exister

Da schlägt das Fanboy Herz! Exister hat mich dieses Jahr wirklich umgehauen, da es durchgehend das hohe Niveau von Songs wie State of Grace oder Drag my Body halten kann. Die Reibeisenstimmen von Wollard und Ragan wissen nach all den Jahren sofort wieder zu begeistern. Ebenso verhält es sich mit den hymnenhaften Sing-A-Longs sowie der typischen Hot Water Music Instrumentierung. Exister knüpft zwar an die vorangegangenen Alben an, doch ersetzt es den ehemals rauen Punkrock der früheren Jahre, mehr und mehr durch rockige Elemente. Betrachtet man die Nebenprojekte der Frontmänner und die bisherige Bandgeschichte, steht das neuste Werk am vorläufigen, logischen Ende der musikalischen Entwicklung. Dabei bleibt der Typische HWM Sound erhalten und man umschifft gekonnt die Gefilde des aalglatten Stadionrocks. Mit dieser Platte, beweisen die Jungs auch im Jahr 2012 ihr musikalisches Können. Bleibt nur zu Hoffen, dass man sich für das nächste Album nicht wieder acht Jahre Zeit lässt.

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Die 10 besten Songs des Jahres

10. Anti-Flag – Broken Bones

Auf der Platte ein Highlight, vor der Bühne ein Brecher.

9. The Gaslight Anthem – National Anthem
Eine der schönsten Akustikballaden der letzten Jahre.

8. Marathonmann – Die Stadt gehört den Besten

Erklingt der Song  zum ersten Mal, drängen sich zwangsweise diverse Assoziationen auf. EscapadoMuff Potter oder gar Turbostaat. Klammert man all diese Vergleiche und Schubladen aus, bleibt ein verdammt guter Song über, welcher, genau wie der Rest der EP auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.

7. Converge – All We Leave Behind

Jedes Wort wäre hier zu viel…

6. City Light Thief – The Wailing Wall

Ein kleines musikalisches und lyrisches Juwel, welches man sich auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen sollte.

5. The Saddest Landscape The Comfort of Small Defeats

Der Übersong auf der neuen Platte.

4. The Tidal Sleep – Serpent Hug

Erinnert mich an die ersten magischen Minuten meines Erstkontaktes mit dieser Band.

3. Propagandhi Note to self

Ein Brett von einem Opener und definitiv einer der besten Songs auf der ganzen Platte. Baut sich langsam auf, um dann doch im Richtigen Moment zu explodieren.

2. Captain Planet – Gehwegflattern

Bei keinem anderen Song auf dem grandiosen Album blieb die Nadel öfter hängen. 

1. Hot Water Music – Drag my Body

Nach acht langen Jahren des Wartens, war der Song der Vorbote zum neuen Album der Urgesteine aus Gainesville. Beim ersten Hören löste der Song Begeisterungsstürme aus, die auch zum Ende des Jahres nicht abflauen wollen und mich jedes mal wieder dazu bringen, in bierseeliger Stimmung den Refrain laut mitzugröhlen.

Die größte Enttäuschung des Jahres

Schlechte Alben gab es auch dieses Jahr ohne Ende, so richtig enttäuscht wurde ich aber nur von Nations Afire. Groß waren die Namen, der Hype und die Erwartungen. Das erste Lebenszeichen, der ach so tollen Hardcore Supergroup machte dabei wirklich Lust auf mehr. Umso trauriger, dass die Platte am Ende nichts, außer pathetischen und uninspirierten Stadionrock zu bieten hatte. Vielleicht sollte man erst einmal das eigene Ego etwas zurückschrauben und kleinere Brötchen backen.

Die größten Überraschungen des Jahres

Da gäbe es Bands wie Ana Never, die mich die letzten Tage wirklich in ihren Bann gezogen haben. Dazu gesellt sich noch Orbit the Earth, die bei This Charming Man Records unter Vertrag sind. Genau wie City Light Thief, die im Frühjahr diesen Jahres eine wirklich fantastische 10″ veröffentlichten oder aber auch The Marine Electric mit ihrem Album Restrained Joy. Nicht zu vergessen Grand Griffon, das mittlerweile zweite Projekt von Ex-Escapado Mitgliedern und natürlich die Jungs von Marathonmann und KMPFSPRT.

Der beste ‘Newcomer’ des Jahres

Und hier fiel mir die Wahl wirklich leicht, denn wie man es vielleicht schon aus dem ein oder anderen Artikel heraus lesen konnte, war ich von meiner ersten Begegnung an, Feuer und Flamme für diese Band. Die Rede ist natürlich von The Tidal Sleep. Selten hat mich eine  Vorband so in ihren Bann gezogen, wie Anfang des Jahres im Hafenklang. Umso schmerzlicher war die Tatsache, dass es am Merchstand noch gar kein Album zu erwerben gab. Dies hat sich mittlerweile geändert und spätestens mit dem Release der aktuellen Four Song EP, sind und bleiben The Tidal Sleep, für mich der Newcomer des Jahres 2012. Chapeau!