News 29/11/12

+++ Das Jugendcafé Zwiesel ist bedroht. Damit sich an dieser Bedrohung etwas ändert und der Förderverein für Offene Jugendarbeit das Gebäude erwerben kann, helfen im Frühjahr des kommenden Jahres Boysetsfire mit, das Kaff zu erhalten. Zwei Benefizkonzerte werden für diesen Zweck am 15.03. (mit Bridges Left Burning) und am 16.03. (mit Marathonmann) in der Bürgerhalle in Frauenau gespielt. Mehr Informationen zum Kaff und den Benefizshows gibt es u.a. hier und hier.

+++ Deep Elm Records hat eine Neuauflage des hauseigenen Samplers „Postrockology“ veröffentlicht. Darauf gibt es – logisch – jede Menge Postrock u.a. von Athletics, Moonlit Sailor, Last Lungs und Goonies Never Say Die. Reinhören kann man z.B. im unten angefügten Bandcamp-Player oder was noch besser ist: hier kostenlos runterladen und dabei tolle Bands und Songs entdecken.

+++ Nagels nagelneue Band namens NAGEL hat zwar noch keinen Tonträger, dafür aber schon die zweite Tour am Start. Zugegeben ist die Anzahl der Termine bisher überschaubar, aber immerhin. Im kommenden Jahr soll es dann auch die erste Veröffentlichung geben. Tourtrailer und Termine gibt es hier:

06.12.2012 Osnabrück, Kleine Freiheit
07.12.2012 Hamburg, Molotow
08.12.2012 Essen, Zeche Carl Festival
09.12.2012 Saarbrücken, Garage
10.12.2012 Stuttgart, 1210
11.12.2012 Erlangen, E-Werk
12.12.2012 München, Feierwerk
13.12.2012 Berlin, Bi Nuu

+++ Defeaters Derek Archaumbault hat kürzlich Peta2 ein Interview zu seiner veganen Ernährung gegeben und dabei Songs seines Solo-Projekts Alcoa präsentiert. Mehr Infos zum Interview (und u.a. ein Gewinnspiel, bei dem man die gesamte Defeater-Diskografie gewinnen kann) gibt es hier. Ansonsten: Film ab!

+++ Converge befinden sich seit wenigen Tagen auf Europatour und haben dabei nicht nur eine fulminante brandneue Platte , sondern mit The Secret, A Storm of Light und Touché Amoré auch hervorragenden Support im Gepäck. Letztere haben nach dieser Tour im Jahr 2012 übrigens über 110 Shows abgespielt. Die Termine hierzulande (und in angrenzenden Ländern) lesen sich wie folgt:

12/02: Orleans, France @ L’Astrolabe
12/03: Utrecht, Holland @ Tivoli
12/04: Hamburg, Germany @ Fabrik
12/11: Copenhagan, Denmark @ Loppen
12/12: Berlin, Germany @ SO36
12/13: Leipzig, Germany @ Conne Island
12/14: Prague, Czech Republic @ Futurm
12/15: Augsburg, Germany @ Kantine
12/18: Wien, Austria @ Arena
12/21: Aarau, Switzerland @ Kiff
12/22: Karlsruhe, Germany @ Substage

Chris Wollard And The Ship Thieves – Canyons

American Spirit

Woher nimmt dieser Mann nur all die Zeit und Energie? Erst im Frühsommer veröffentlichte Chris Wollard mit seinen Kollegen von Hot Water Music eines der wohl besten Alben des Jahres, um anschließend jede mehr oder minder große Bühne, jenseits und diesseits des Atlantiks zu bespielen. An sich sollte dies genügen, um zufrieden auf ein erfolgreiches Jahr 2012 zurückblicken zu können. Doch nicht einem Chris Wollard. Dem scheinbar getriebenen Ausnahmemusiker gelingt es, neben seiner Haupttätigkeit als einer der beiden Frontmänner bei Hot Water Music, tatsächlich mit seinem Nebenprojekt, Chris Wollard And The Ship Thieves, ein weiteres Album, mit dem Titel Canyons, auf den Markt zu bringen. Tourtermine? Natürlich!

Der Nachfolger zum selbstbetitelten Debütalbum, aus dem Jahr 2009, spielt dabei von Anfang an mit offenen Karten. Dem geneigten Hörer wird mit Beginn des Openers Dream in my Head, schnell klar, dass sich Chris Wollard und seine Mitstreiter auf dieser Platte ihrer Vorliebe für klassischen, amerikanischen (Southern-)Rock hingeben. Wer jetzt automatisch an die schlimmsten Südstaaten Klischees denkt, kann beruhigt weiterlesen, denn die Musiker schaffen es gekonnt solche Peinlichkeiten, egal ob textlicher oder musikalischer Natur, zu umgehen. Garniert wird das Ganze, je nach Bedarf und Stimmung mit einer waschechten Punkrock- beziehungsweise Country-Attitüde, ohne dabei die Zielrichtung des Albums aus den Augen zu verlieren. So klingt ein Runaway Train zwar deutlich nach einem Exister, bewahrt aber doch seine Eigenständigkeit, um als rebellische Southern-Rock Nummer durchzugehen. Hingegen schafft es die Band bei Lonely Days, auch im Jahre 2012, eine schnörkellose Lagerfeuer Romantik, ganz ohne Fremdschähmfaktor, zu entfachen. Bei Sick, Sick Love weiß der dezente Orgel Einsatz zu gefallen und man kommt nicht umhin, sich selbst in einer verrauchten Spelunke, samt alter Jukebox, irgendwo an einem verlassenen Highway vorzustellen. Chris Wollard zeigt dabei seine stimmliche Wandlungsfähigkeit, lässt seine bekannte Hot Water Music Reibeisenstimme nur selten, wie bei Never Have Time, durchschimmern und schafft es so, klar aus dem Schatten seiner Überband hervorzutreten. Textlich geht es in bester Tradition des Genres sehr persönlich und ehrlich zu, ohne dabei zu einfach oder plump zu wirken.

Chris Wollard beweist ein weiteres Mal, dass er wahrlich für seine Musik lebt. Egal ob bei Hot Water Music oder auf fast Solopfaden mit seinen Ship Thieves. Seine Spielfreude und Leidenschaft hört man auch in seinem neusten Werk sofort heraus. Die Reminiszenz an den Zenit des Southern-Rock ist der Band mehr als gelungen. Wer sich auf das Konzept einlässt, wird positiv überrascht und bekommt mit Canyons eine sehr melodische und mitreißende Platte, fern ab von allem Dixie-Kitsch. Dabei konnte Wollard dem Album durchweg seinen Stempel aufdrücken: Rau und ungestüm, gleichzeitig aber auch einfühlsam und voller Leidenschaft. Perfekt für endlose Fahrten gen Sonnenuntergang oder verregnete Abende voller Fernweh.

8/10

Anspieltipps: Dream In My Head, Lonely Days, Sick  Sick Love, Never Have Time

(Dominik Iwan)

Green Day – ¡Dos!


War stets bemüht

Green Day schon wieder. Nicht einmal zwei Monate ist die letzte Platte alt, da veröffentlichen die Herren Armstrong, Dirnt und Cool bereits den zweiten Teil ihrer Albumtrilogie. Nun also ¡Dos! und damit – so viel sei gerne verraten – die konsequente Weiterführung der Hinwendung zu kleineren Brötchen.

Genauer gesagt: Der Versuch der größten Pop-Punk Band der Welt, in die Garage zurückzukehren. Das mag zunächst nach einer recht verstiegenen These klingen, aber ¡Dos! offenbart schon nach wenigen Minuten, was der Vorgänger bereits angedeutet hatte: Diese Band hat endgültig keine Lust mehr auf den Cinemascope-Rock, den sie auf American Idiot und vor allem – nur wesentlich schwächer – auf 21st Century Breakdown dargeboten hat. So weit, so gut. Nur: Wo ¡Uno! noch eine simple, typische, aber trotzdem gute Green Day-Platte war, schießt ¡Dos! ein bisschen arg oft über’s Ziel hinaus. Respektive ab und an auch komplett daneben.Dabei fängt die ganze Chose noch so gut an. See You Tonight klappert drahtig, mitsamt einer Melodie, wie sie nur von Billie Joe Armstrong kommen kann, aus dem Off, verneigt sich mit mehrstimmigem Gesang tief vor den Beatles und verschwindet nach etwas über eine Minute so plötzlich, wie es gekommen ist. Umso ärgerlicher ist das, was in der Folge passiert. Dann nämlich packt Fuck Time, der platte Titel lässt es schon vermuten, die dicke Hose aus und will los stampfen. Das allerdings funktioniert nur so lang, bis Herr Armstrong obsoletes Gestöhne von sich gibt und den Song in einen Refrain verabschiedet, den es demnächst bei der H&M-Filiale um die Ecke zu kaufen geben könnte. Nur unwesentlich besser: Stop When The Red Lights Flash. Das hat zwar eine ganze Menge Pfeffer in der Hochgeschwindigkeitsgitarre, kämpft aber trotzdem gegen die Ketten an, die ihm von der Band auferlegt wurden, muss immer in der Spur bleiben.

Worin das grundsätzliche Problem dieser Platte liegt. Zwar merkt man ¡Dos! an allen Ecken und Enden an, dass es unbedingt die dreckige Rockattitüde präsentieren will, jedoch kommt die Platte einfach viel zu selten wirklich aus dem Pop-Punk-Quark. Dafür ist sie zu glatt produziert, dafür sind viele Songs zu lieb und dafür zieht auch Armstrong die Nummer am Mikro viel zu inkonsequent durch. Dabei haben die Drei das als Foxboro Hot Tubs doch schon mal ganz überzeugend und vor allem viel besser als auf ¡Dos! gemacht. Dann überrascht es auch nicht wirklich, dass diese Platte genau dann am besten ist, wenn sie nicht breitbeinig auf der Bühne steht. Wenn Lazy Bones die Melancholiegitarre dahingleiten lässt und dank kraftvollem Refrain trotzdem nicht zum Schmachtfetzen verkommt, wenn Stray Heart nichts weiter tut, als einfach nur gut gelaunt zu sein, dann macht ¡Dos! am meisten Spaß. Ansonsten: Nichts wirklich Schlechtes, nichts wirklich herausragendes, aber stets bemüht.

Was bleibt nun an Erkenntnissen nach dieser Platte? Mike Dirnt darf seine ziemlich famosen Fähigkeiten am Bass endlich wieder ausleben und muss nicht lediglich der Leadgitarre hinterherjagen, Billie Joe Armstrong versteht sich immer noch auf seine Soli aus der Bluesklaviatur, die er zuletzt 1992 gezockt hat und kann außerdem nicht nur ziemlich nasal singen, sondern auch ziemlich kehlig röhren. Das war er dann aber auch schon. Und wenn ¡Uno! der Typ aus der Eckpinte war, ist ¡Dos! der versoffene Kerl, der am Tresen schläft. Uninteressant eben. So schnell und ereignisarm ist noch keine Platte dieser Band durch die Gehörgänge gerauscht.

4/10

Anspieltipps: See You Tonight, Lazy Bones, Stray Heart

(Martin Smeets)

The Marine Electric

Es gibt ein großes Problem mit Bands aus den Staaten: es gibt einfach zu viele. Also Bands, nicht Staaten. Wie soll man da auf dem Laufenden bleiben? Nun klar: man kann im Internet rauf und runter turnen, sich Fanzines und Blogs reinziehen oder Empfehlungen geschätzter Bands, Labels, Mailorders und Menschen aufsaugen… Oder: man vertraut einfach mal dem Konzertedealer ihres/seines Vertrauens und siehe da: schon sind The Marine Electric am Start.

2008 in Brooklyn (NYC) gegründet, haben The Marine Electric so ziemlich alles, was eine Ostküsten-Punkband so braucht: Reibeisenstimme, rostige Röhrenverstärker, abgewetzten Gitarrensound, ein gutes Dutzend Songs durch die Garage gezogen und ordentlich DIY im Blut. Mehr Voraussetzungen braucht es eigentlich nicht. Kommen dann noch musikalisches Talent und Gespür für Melodien dazu, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Und eben so verhält es sich bei The Marine Electric, die all das mitbringen und sich damit problemlos ein Schaufenster mit Hot Water Music, Against Me!, Title Fight und Konsorten teilen könnten. Nur der – ohne Zweifel völlig übersättigte – Emo-/Indie-/Punkrock-Markt meint es noch nicht so gut mit ihnen und so bleibt The Marine Electric bisher nur eine kleine Nische am unteren Rand des Schaufensters, irgendwo halb versteckt hinter den großen Lettern der Genre-Überbands und der saisonalen Deko. Nun haben sie diese Nische aber auch nicht bis in alle Ewigkeit gepachtet…

Jedenfalls sind die vier New Yorker gerade mit Fellow Project (ebenfalls NYC) in Europa unterwegs und haben eine brandaktuelle LP namens Restrained Joy und eine 7“ Split mit Fellow Project im Gepäck. Auf dieser Tour machen sie auf Einladung von Extreme Life Wasting auch in Regensburg halt und bespielen am 25.11.12 die Mälze (und tags darauf das ZAKK in Passau):

Jetzt lassen wir aber endlich The Marine Electric ein paar Takte sprechen:

Deftones – Koi No Yokan


Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wer erinnert sich noch an das Jahr 2000? Hände hoch! Ja, ist schon lange her, zugegeben, aber zumindest bei den heutigen Mittzwanziger_innen (und Älteren) musikalisch noch irgendwie in Erinnerung, oder? The Bad Touch trällerte noch durch Radiolautsprecher, während sich allerorts ein neues Genre etablierte. Nach ein paar Vorläufern Ende der 90er, schlug 2000 die große Stunde des Nu Metal. Ganz oben in den Charts fanden sich u.a. Papa Roach (Infest), Limp Bizkit (Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water), Linkin‘ Park (Hybrid Theory) und eben auch die Deftones mit White Pony. Letztere gewiss mit weit weniger Aufmerksamkeit, doch auch ihnen war der Videoclip mit einem posenden und auf Schulbänken herumhüpfenden Chino Moreno auf VIVA Zwei und MTV im Ein-Stunden-Takt sicher. Back To School, eine radio- und fernsehtaugliche Nummer mit Ohrwurmqualität, den Nu Metal noch tief in den Knochen, im Geiste aber schon auf anderen, besseren Pfaden.

Auf bessere Pfade hatte sich auch schon White Pony gemausert. Denn die Deftones waren klug und konsequent genug aus dem Sumpf dieser eigenartigen und in einigen Monaten kommerziell ultraerfolgreichen Musikerscheinung herauszutreten und ihre eigene Richtung zu gehen. In der Nachbetrachtung war es grenzenlos gut, dass die Deftones, nach dem etwas ungestümen, sicherlich aber nicht schlechten Adrenaline und dem eigenwillig-wüsten Nu-Metal-Vorleger Around the Fur, White Pony aufgenommen haben und damit den Nu Metal in sich schon halb abgetötet haben.

12 Jahre ist das her und darf fraglos als musikalischer Wendepunkt und wahrer Glücksgriff gelten, denn – und jetzt kommen wir endlich zum eigentlich Thema – Koi No Yokan würde es so nicht geben und das wäre ausgesprochen schade. Nun gut – die Deftones im Jahre 2012 klingen eigentlich genauso, wie man es sich von einer High-School-Skaterband wünscht, wenn sie etwas in die Jahre kommt. Ewig jugendliches Gehabe haben sie wahrlich nicht nötig und sie verschwenden ihre Zeit auch nicht damit so etwas wie Nu Metal 2.0 zu kredenzen. Nein, was auch schon bei Saturday Night Wirst und der letzten Platte Diamond Eyes (die ich übrigens außerordentlich schätze) zum Tragen kam, wird konsequent, aber keinesfalls gleichförmig weitergedacht. Textlich bedeutungsvoller, musikalisch reifer und insgesamt eine ganze Schippe nachdenklicher. Melancholie – ein Wort, das die Deftones schon immer irgendwie ausgezeichnet hat: es steckt in jedem Ton und jeder Silbe. Die Songs sind größtenteils träge, schwerfällig, metallisch, stampfen im Midtempo umher und machen das Album insgesamt gesehen zu einem wahren Klotz.

Natürlich nicht ohne ein paar hoffnungsvolle Momente loszulassen, die das Album hindurch begleiten. Dann zum Beispiel, wenn sich die Riffstuktur ändert, die Gitarre etwas mehr Platz bekommt, wenn der – wie immer – fulminant aufspielende Abe Cunnigham seine Drums dezent in Szene setzt und meist nur für die zahlreichen Breaks von der Leine lässt, wenn Chino Moreno seine sehnsuchtsgetränkte Flüsterstimme voluminöser aufbäumt und aus der Verzerrung in Klarheit oder Geschrei hinübergleitet.

Swerve City legt schon ordentlich vor: Ein Deftones-typischer Metal-Riff, Morenos elektrisiertes (und elektrisierendes) Organ und schon scheppert es los. Dass sich darin auch so etwas wie ein Gitarren-Solo findet, ist für Deftones-Verhältnisse auch auf dem kürzesten Song des Albums eigentlich keine Überraschung mehr. Und der Opener macht sich vortrefflich. Das nachfolgende Romantic Dreams kann da leider nicht mithalten. Und das ist irgendwie symptomatisch, weil jede Deftones-Platte (außer White Pony) daran krankt: sie hat Längen. Romantic Dreams ist einfach zu lang und kann außer Atmosphäre nicht viel bieten. Ähnlich geht auch Graphic Nature und Tempest. Ohnehin gehen der Platte in ihrer Mitte Luft und Ideen aus. Klar ist es Jammern auf hohem Niveau, aber es ist eben Jammern, weil sich eben nur ein Leathers auf dem Album findet. Seit Beauty School (auf Diamond Eyes) übrigens der beste Deftones-Song in ihrer neueren Geschichte, auch weil sich darin Härte und Zartheit so hervorragend mischen, wie man es selten findet. Poltergeist und Etombed legen einmal stürmischer (Poltergeist) und einmal ruhiger (Etombed), ganz ordentlich nach, dann verliert sich – wie gesagt – die Platte ein bisschen und büßt Ausdrucksstärke und Bedeutung ein. Und an dieser Stelle bekommt man ernsthafte Bedenken, ob das noch einmal was wird, aber ja: gegen Ende fängt sich das Ding wieder.

Goon Squad und What Happened To You? sind noch einmal zwei bärenstarke Songs, die – wenn man so will – die Platte noch retten. Ersteres schleicht sich über eine Minute mit Soundcollage und Gitarrengeklimper heran und drischt dann richtig los, ohne dem Midtempo untreu zu werden. Cunningham hat hier keine Eile, genauso wie Moreno. Dennoch entwickelt der Song eine fast schon grunge-artige Dynamik. Der letzte Song ist mehr eine etwas zerfahrene und verträumte Abschlusssequenz als ein Song, macht sich dabei allerdings vortrefflich und demonstriert eindrucksvoll, dass die Deftones auch eine gute Ambient-Band sein könnten, wenn sie denn wollten. Nun, zum Glück wollen sie das aber nicht, weil dem alternativen Metal damit eine seiner besten Bands fehlen würde.

Und wie ist die Platte im Gesamteindruck? An die songwriterische Genialität von White Pony reicht Koi No Yokan nicht ganz ran, aber dafür sind und bleiben die Deftones, eine über alle Genregrenzen hinweg große und bedeutungsvolle Band, auch weil sie in aller Düsterheit und allem Schwermut, das hoffnungsvolle Moment, nie bereit sind aufzugeben: We´re alive somewhere else / still asleep someplace new / far ahead of our time / Now floating through – (What Happened To You?). In diesem Sinne: Chi, komm wieder auf die Beine!

7/10

(Martin Oswald)

Neurosis – Honor Found In Decay

Horrorshow

Angst. Hat man ja vor allem Möglichen. Vor der Dunkelheit, vor Tieren, Dingen, Monstern unter dem Bett, Menschen, Filmen und so weiter. Eine gute Sache ist das wohl, würde man doch ohne Angstgefühle früher oder später freudig grinsend in den eigenen Untergang laufen. Nicht unwesentlich anders liegt der Fall allerdings bei Musik. Ernstliche Angst vor Musik? Abseits der aufgestellten Nackenhaare beim Hören von Justin Bieber? Sowas gibt’s? Ja, tatsächlich. Etwas spezifischer formuliert handelt es sich um Angst vor Honor Found In Decay. Angst vor Neurosis also. 

Völlig zurecht übrigens. Was die Band um die beiden Sänger Scott Kelly und Steve von Till (der ja schon auf Converges vorletzter Platte gezeigt hat, dass er sich auf Gruselballaden bestens versteht) auf ihrer neuen Platte darbieten, ist wahrhaft furchteinflößend. Im besten Sinne, versteht sich. Honor Found In Decay braucht keine zehn Sekunden, um vor den Lautsprechern erdrückende Beklemmung zu verbreiten. Und wird so zu einer die Sinne schärfenden Erfahrung. Bis We All Rage In Blood mitsamt stoischem Riff losbricht, findet man sich längst in Habachtstellung wieder, die Augen zusammengekniffen, die Muskeln auf Spannung, den Blick nach einem passenden Versteck für den Ernstfall suchend. Doch vergebens: Es gibt kein Entrinnen vor diesem Meisterstück von Opener, der seine HörerInnen erbarmungslos ins tiefe Schwarz mit sich zieht. Und auch Kelly und von Till kennen kein Mitleid, croonen sich viel lieber virtuos im fliegenden Wechsel durch vertonte Klaustrophobie. Zu allem Überfluss werden zum Finale noch fiese Flöten ausgepackt, um alles, was da so vor den heimischen Stereoanlagen sitzt, endgültig zu brechen. Nach solch intensiven sechseinhalb Minuten nicht auszuschalten, es erfordert tatsächlich Mut. Mut, der jedoch belohnt wird. Abgesehen davon, dass Honor Found In Decay wirklich an die Substanz geht, ist es nämlich vor allem eines: Ganz und gar formidabel. Zumal man im Falle eines vorzeitigen Aufgebens einiges verpassen würde. Bleeding The Pigs zum Beispiel, dass über die ersten beiden Minuten klingt, als würde es gerade im Sterben liegen, nur um sich mit letzter Energie doch durch seine siebenminütige Existenz zu sludgen, als gäbe es kein Morgen. Wobei es für diesen Song wohl wirklich kein Morgen gibt, richtet er doch in seinen letzten Atemzügen die Gitarre gegen sich selbst, nimmt sich komplett auseinander. Ein Schicksal, dass auch All Is Found…In Time teilt, mit einer geringfügigen Abweichung: Hier wird das Stück von Anfang an von hinterlistigen Riffattacken malträtiert. Und doch finden Neurosis hier Gelegenheit, die durch und durch düstere Atmosphäre für einige Momente aufzubrechen und Platz zu machen, für eine Gitarren-und Gesangslinie voller Hoffnung und Schönheit. Die man dankbar mitnimmt, an der man sich so gut wie möglich labt, um das folgende Dunkel besser ertragen zu können.

Honor Found In Decay. Das ist keine Platte, die man jeden Tag hören will. Dafür ist sie zu anstrengend. Findet man aber doch mal die Muse, um sich diesen schmerzverzerrten, staubtrocken und direkt produzierten Brocken zu Gemüte zu führen, wird man mit einer fast kathartischen Erfahrung belohnt. Verstört, erschöpft, verängstigt und doch bereichert. So wird man von dieser Platte zurück gelassen. Und wenn schon ein solch martialischer Wortschatz bemüht wird: Diese Platte ist existentiell.

8/10

Anspieltipps: We All Rage In Blood, Bleeding The Pigs, All Is Found…In Time

(Martin Smeets)

Turbostaat in und für die Rote Flora

Die Rote Flora gehört zu Hamburg, wie der Hafen, der Fischmarkt und der Michl. Leider sehen es manche Investor- und PolitikerInnen anders und wollen, den vermeintlichen Schandfleck, am besten lieber heute als morgen aus dem Stadtbild tilgen. Um genau dies zu verhindern und den Kampf der Flora in den Köpfen der Leute zu halten, gibt es neben diversen politischen Aktionen, auch eine Vielzahl von Soli-Konzerten, in und natürlich für die Rote Flora. Am 19. Oktober reihten sich norddeutschen Punkrocker von Turbostaat unter dem Motto „Rote Flora: Freiräume erkämpfen und verteidigen„, abermals in die Liste der UnterstützerInnen ein und gaben aus gegebenen Anlass, zusammen mit den Kollegen von Vierkanttretlager, ein Konzert in diesen altehrwürdigen Hallen.

Die ganze Sache wurde erst zwei Tage vorher via Facebook und auf der bandeigenen Homepage angekündigt und hatte sich bis Freitag ordentlich herum gesprochen, denn es hatte sich bereits eine knappe Stunde vor dem Einlass eine übertrieben lange Schlange vor der Flora gebildet und die restlichen Passanten und Touristen wunderten sich schon über den großen Andrang. Als sich dann auch noch König Boris von Fettes Brot in die Gruppe einreihte, wusste man langsam, dass die Ankündigung doch größere Wellen geschlagen haben muss. Kurz vor dem Einlass konnte man das Ende der Schlange in Richtung Max-Brauer-Allee nur noch erahnen und man machte sich die ersten Gedanken, ob auch wirklich alle in den Genuss der beiden Bands kommen würden, was ich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher sagen kann, denn Karten gab es wegen der kurzfristigen Ankündigung nur an der Abendkasse. Kaum angekommen und den Preis von moderaten fünf Euro gelöhnt, wurde es in der Flora ziemlich schnell ziemlich voll und bis zum Beginn um 22:00 Uhr fand man nur noch selten einen freien Platz im Konzertsaal.

Den Anfang machten, wie bereits erwähnt Vierkanttretlager aus Husum, die just in diesem Jahr ihr Debutalbum mit dem Titel Die Natur greift an veröffentlichten und unter anderem durch einen Auftritt beim Bundesvisonsongcontest, von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Und auch wenn der Beginn, dank eines nicht funktionierenden Mikros beziehungsweise der falschen Tonabmischung ziemlich in die Hose ging, wussten die Husumer ab dem zweiten Song zu überzeugen. Auch der Rest des Publikums wurde recht schnell warm mit der Band, die laut dem Rolling Stone klingen „(…) als habe man die Hamburger Schule ihrer Überintellektualität beraubt und sich gleichzeitig musikalisch von den Indie-Rockbands der zweiten Generation emanzipiert“. Egal welche Wortwahl man verwenden möchte, Vierkanttretlager sind auf jeden Fall einen Blick wert und seien Fans von Tocotronic, Kettcar und eben jenen restlichen Vertretern aus dieser Ecke wärmstens empfohlen.

 

Doch nun quasi zum wahren Höhepunkt des Abends und dem Grund meines Kommens. Nach kurzem Umbau gingen die Lichter aus und Turbostaat legte direkt los. Man merkte von Anfang an, dass es sich nicht um einen einfachen Tourtermin handelte, sondern die Jungs wirklich mit Herzblut bei der Sachen waren. Die Bühnenpräsenz war, trotz des langen Konzertjahres der Band erstaunlich und das grandiose Set brachte die Menge vom ersten Akkord an zum ausrasten. Eigentlich wurde alles gespielt, was man mit gutem Gewissen als Klassiker des bisherigen Schaffens titulieren könnte und dabei beschränkte man sich nicht nur auf die aktuelle Platte Das Island Manöver, sondern fuhr die ganze Bandbreite von Flamingo bis hin zu Vormann Leiss auf. Dem Publikum und der Band wurde keine Verschnaufpause gegönnt und es wurde kompromisslos Stück um Stück runtergespielt. Nicht gelangweilt, sondern stets bei der Sache und im ständigen Kontakt zum Publikum, welches sicher jeden Text mitgröhlen konnte und nach nur wenigen Songs eine homogene hüpfende und singende Masse bildete, die Frontmann Jan Windmeier an den Lippen hing. Hin und wieder sorgte eine kurze, fast schon andächtige Ansage für Ruhe und Ordnung in den vorderen Reihen, um wenige Sekunden später wieder den Platz für die Gitarren und der unbeschreiblichen Energie der Band freizugeben. Dabei wurde es trotz der Fülle an Leuten nie unangenehm, vielmehr fühlte man sich wie bei einem Familientreffen, bei dem man zwar nicht jeden kannte, aber wusste warum er oder sie hier war. Und das schafft wahrlich nicht jede Band. Nach einer langen Zugabe und dem titelgebenden Song Vormann Leiss als Abschluss, endete das Konzert nach circa 90 Minuten und die verschwitze Masse bewegte sich in Richtung Sternschanze hinaus und verteilte sich in der Hamburger Nacht.

Was bleibt am Schluss zu sagen? Turbostaat machen ehrlichen Punkrock und trotz des Major Deals ist man fern von Kompromissen und Sell Out Gedanken. Die Band schafft es eine energiegeladenen und zeitgleich intime Atmosphäre zu schaffen, die sich von den ersten Reihen, bis hin in das letzte Eck der Halle hält und einen für die Dauer des Abends auch nicht mehr los lässt. Und bei dem Gedanken, dass Anfang 2013 das neue Album der Norddeutschen ansteht, steigt die Vorfreude auf die neue Tour umso mehr.

( Dominik Iwan )

Adolar – Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!

Umwerfend, sowas

Es gibt ja so ein durchaus merkwürdiges und eigentlich kaum erklärbares Phänomen, das sicherlich nicht wenigen bekannt ist: Bands werden oftmals anhand eines einzelnen Songs beurteilt. Da kann der übrige Output noch so sehr glänzen, da ist dieses eine Lied, dass so penetrant und in einer schwerlich auszuhaltenden Häufigkeit am Nervenkostüm kratzt, dass man aufgeben, die Band zum roten Tuch erklären muss. Beispiele gefällig? Die Kings Of LeonSex On Fire? Igitt. Mando DiaoDance With Somebody? Pfui deibel. MuseUndisclosed Desires? Nur hereinspaziert, lieber Würgereiz.Die Scorpions. Na gut, das war ein Scherz. Weniger humorig liegt der Fall bei Adolar. Die haben vor ein paar Jahren Mariokart vs. Kettcar fabriziert, den Prototypen für vor die Wand gefahrenen Postpunk: Da können die Melodien noch so gefällig sein, zu gewollt klangen diese scharfkantigen, ungelenken Akkorde, zu durchkalkuliert wirkte der Song, zu schlaumeierisch klang es aus dem Text. Kurzum: Das war bestimmt kein schlechter Song, sympathisch war das aber trotzdem nicht. Eine Band zum Vergessen also? Welch Trugschluss!

Zu dieser Erkenntnis ist es ein kurzer Weg. Schon wenn sich Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre! über den Opener In deiner Wohnung am Horizont heran orgelt, ist klar: da geht was. Und zwar richtig. Gewaltig, möchte man vermuten. Und tatsächlich legt diese Platte mit dem seltsamen Titel nach exakt einer Minute und sechs Sekunden so zwingend, so derbe und mitreissend los, wie schon lange keine Platte vor und nach ihr. Die Drums krachen fast martialisch, die Gitarrenfraktion gniedelt und bratzt kurzerhand alle Zweifel nieder, der ganze Song schreit die Ankunft dieser Platte in den Äther. Und macht nach 40 Sekunden platz für die Strophe, für Spannungsbögen und eine ganze Reihe Überraschender Twists. Dazu gibt es völlig Unprätentiöses über ‚deine Wohnung.‘ Eine Hoch auf die freie Assoziation. „Jetzt liegst du da, sektüberströmt“, setzt das folgende Kitt die Cleverness in der Wortakrobatik fort und zeigt so ganz nebenher, dass sich Adolar auch ganz formidabel auf vertrackte Songstrukturen voller Falltüren und doppelter Böden verstehen. Und doch sind Adolar dann am besten, wenn sie sich auf ihre außergewöhnliches Talent für zwar eingängige, dafür aber wahrhaft organische Songs verlassen. Weltsehen ist so ein Stück, dass auf leisen Sohlen durch’s Halbdunkel trippelt, irgendwo zwischen „Platz und Toastbrot im Kühlschrank“ und „Ich will die Welt sehen, bevor das große Kotzen kommt“ die Fenster aufreisst und eine Flut an Bildern und Projektionen herein lässt, mit der man auch erst mal klar kommen muss. So geht also Cinemascope ohne Peinlichkeit und Prahlerei. Umwerfend, sowas.

Und Zeit zum Aufstehen findet man auch kaum. Schließlich kommt ziemlich unmittelbar Busfahrplan o.D. um die Ecke und hebt das gleich wieder auf, was eben Weltsehen liegen gelassen hat, nur eben mit anderen Mitteln. Statt der leisen Zurückhaltung gibt es hier einen Refrain der sich an sich selbst in schwindelerregende Höhen berauscht. Und seine HörerInnen gleich mitnimmt. Schwindelfreiheit: Empfohlen. Gefahr zu fallen: Nicht vorhanden. Auf die Gefahr, sich zu wiederholen: Umwerfend, einfach umwerfend, sowas. Zwischendrin ziehen Adolar übrigens noch das Überraschungsmoment auf ihre Seite und legen Mitnehmerrippe vor, ein über- und verdrehtes Spoken-Shout-Monster voll fieser Widerhaken, das über seine letzte Minute völlig überraschend mit unglaublicher Wucht nach vorne stürmt. Muss man nicht unbedingt bei mit kommen, aber wenn doch, ist die Freude über dieses spinnerte Stück, dem der Humor wie der Passatwind steht, umso größer.

Da kann man dann auch mal beide Augen zu drücken, wenn der Platte nach dieser Großtat zwischenzeitlich doch ein wenig die Luft ausgeht und für zwei Songs nur im Schongang unterwegs ist. Bevor sich das Titelmonster zum Abschluss doch noch ein mal fängt und mit Tag im Teich einen Rausschmeißer anbietet, der dieses Album in äußerst würdiger Manier abschließt. Nämlich in aufgekratzter Schönheit. Und hey: Nach dem Genuss dieser Platte kann man sich plötzlich auch mit Mariokart vs. Kettcar anfreunden. Es geht doch.

8/10

Anspieltipps: In deiner Wohnung, Weltsehen, Busfahrplan o.D., Tag im Teich

(Martin Smeets)

News 12/11/12

+++ Den Anfang machen heute diese sechs Menschen da oben im Bild. Bevor noch irgendwo das große Rätselraten losgeht: Das da oben sind Conduits. Aus Nebraska. Die haben vor kurzem mit ihrer Selbstbetitelten eine durchaus beachtliche Platte vorgelegt, die sie nun verständlicherweise live präsentieren möchten. ‚Drone-Pop‘ nennt die Band das selber und hat damit nicht mal unrecht. Ausufernde Synthieteppiche in düsterem Klanggewand mitsamt einer guten Prise Postrock. Das sollte vor allem im kleinen Club ein Erlebnis sein. Für Neugierige sind also folgende Termine zu empfehlen:

13.11.2012 – DE – Offenbach, Hafen 2
15.11.2012 – DE – Hamburg, Nachtasyl
16.11.2012 – DE – Dresden, Blaue Fabrik
17.11.2012 – DE – Nürnberg, Stereo – special afternoon show

Und Skeptische können sich zuerst noch die Platte durchhören:

+++ Weg vom düsteren Understatement, hin zu Irland, Working-Class-Romantik, Dudelsäcken und Powerchords führt uns der Weg weiter. Und damit zwangsläufig hin zu den Dropkick Murphys. Die scheinbar unzerstörbaren Folkpunks haben ein neues Album eingeprügelt, das ab 11. Januar zu haben ist. Heißen wird das Teil übrigens Signed And Sealed In Blood. Um die Vorfreude zu steigern, gibt’s mit Rose Tattoo schon jetzt das erste Video zur neuen Platte:

+++ Ebenfalls mit neuem Material protzen können Angels And Airwaves. Der Vierer um Tom DeLonge veröffentlicht am 18. Dezember gar eine Doppel-LP, die auf den Namen Stomping The Phantom Brake Pedal hören wird.

+++ Kommen wir nun zu einem Thema, dass in letzter Zeit immer wieder mal aktuell ist: Der Sänger einer Hardcoreband schnappt sich die verstaubte Klampfe aus der Ecke und macht ein Solo-Album. Dieses mal dabei: Derek Archambault von Defeater. Wobei der Vorwurf ‚Hardcorefritze macht einen auf Akustisch‘ nicht gelten kann, handelt es sich hierbei eher um ein Nebenprojekt. Das Ganze läuft unter dem Banner Alcoa, das Album wird Bone & Marrow heißen und ab 26. Februar erhältlich sein. Archambault selbst sagt über die Platte, dass sie „…a few tracks I’ve been fucking around with for the past few years, along with new stuff written specifically for this record“ enthalte.

+++ Eine schlechte Nachricht: The Tidal Sleeps Gitarrist schmeißt das verschwitzte Handtuch. Warum das so ist, was nun passiert, lassen wir Gitarrist Oliver und den Rest der Band selber erzählen. Die können das auch besser:

„Hi everyone,
as you all know it’s been a good and wild year for the band and I. We played nearly every show we could, wrote and recorded songs and met fantastic people. Personally, with the year coming to an end, I have to admit that I wasn’t expecting any of this. But with the boys wanting to continue at the same pace and me feeling quite the opposite, I have to make a decision which is not easy to make but due to the circumstances somewhat unavoidable. What am I trying to say? Well. Bye Bye Tidal Sleep! I’ll be playing two more Shows in Saarbrücken and Stuttgart, and that’s it. I just wanna thank the following people (in no particular order) for the great moments, the support and love they gave. I think Robin Völkert is a genius. I’ve learned so much the days we were recording and it is safe that you played a major part in the way we sound. Thanks for being just the coolest dude. Period. Dan Coutant. I was soo happy that he mastered our record because we’ve been talking for years about doing something together. I am really happy and thankful for his contribution to the sound of the band. Meeting Alex Pennie, was like meeting an old friend. You have a heart of gold and I am happy we’ve met! Speaking of the Brits. Lewis Johns from the Long Haul is just a fantastic sound engineer and super nice person. Thanks for getting the sound that I wanted, for being so enthusiastic about the EP, and for the hard work you put into making us sound better. Toni James because of you I am always tuned up! Thanks mate! Chris my twin brother from a different mother. Thanks for putting out our records. You and your label rule! Roland Stollenwerk to be honest, even though you don’t know it but but it’s all your fault we got signed in the first place ;). Thanks bro! Benny for making the best artwork out there! Thanks Jonas und Seb Winter, Max Mord and the rest of the MNMNTS crew thanks for the good times! Nanouk at Avocado for putting us on the road and supporting us right from the start. City of Justice represent! Thanks! Thanks to Defeater, especially Mike and Derek! Code Orange Kids for being just rad! Xerxes thanks for putting up with me. Evan Peaks thanks for the good talks! Will….. where’s my money? And Jake; thanks for helping out! It’s been a great journey and I wish nothing but the best to Nic, Armin and Thomas for the coming year. Thank you guys! Keep up the good work!

♥ Oli, (aka Oliver, Joliver, Trevor)“

/// Oliver, we’re wishing you ALL the best. may there always be an 80s pop playlist on you ipod, may there always be pedals with weird effect you can enjoy, may you never lose your enthusiasm for music. XO, yours tdlslpHOWEVER, we’re carrying on as as a band, so don’t you worry.
we’re announcing exciting news soon.

Wenn das mal kein Anlass ist, nochmals auf die kürzlich erschienene EP der Band hinzuweisen:

+++ Der Abschluss gehört heute: The Bronx. Die haben ein neues, viertes Album auf Band gebannt und auf den Namen The Bronx (IV) getauft. Eine Tracklist gibt es ebenfalls bereits:

01. „The Unholy Hand“ 02. „Along For The Ride“ 03. „Style Over Everything“
04. „Youth Wasted“
05. „Too Many Devils“
06. „Pilot Light“
07. „Torches“
08. „Under The Rabbit“
09. „Ribcage“
10. „Valley Heat“
11. „Life Less Ordinary“
12. „Last Revelation“

Und weil das nicht genug ist, gibt es die anstehenden Tourdaten – übrigens in der durchaus interessanten Kombination mit The Hives, wobei The Bronx lediglich die Support-Rolle zufällt – gleich mit geliefert:

20.11. Berlin – Columbiahalle
21.11. Köln – Palladium
22.11. Hamburg – Docks
24.11. München – Kesselhaus
27.11. Wiesbaden – Schlachthof
28.11. Amsterdam – Melkweg

Bridges Left Burning / Blank When Zero / Surge | 13.10.12 | Büro Regensburg

„Ich glaub heut wird’s laut“ ist es an der Tür zu hören, als man am 13. Oktober die Räume des Büro Regensburg entert. Und ja, der Keplerstraße steht in gewisser Weise Ungemach bevor: Extreme Life Wasting lädt zu einem Abend ins Büro. Drei – zweifellos weithin unbekannte – Bands, die so ungefähr die gesamte Palette des Hardcore abdecken, lassen sich nicht lumpen und füllen letztlich die kleine, gewölbenhaft-unförmige Location mit über 100 Leuten. Das ist selbst für einen Samstag beachtlich.

Noch bevor der letzte Schwung an Gästen hereintrudelt, grinden Surge schon einmal los und gönnen sich in knapp einer halben Stunde kaum eine Verschnaufpause – Grind eben. Klar, die teils wilde Drescherei muss nicht jeder/m gefallen, doch finden sich unter den halsbrecherischen Knüppelriffs auch tatsächlich mal so etwas wie Melodien.

Deutlich mehr Melodien haben Blank When Zero zu bieten, die ihren Hardcore direkt aus der Punkgarage herausfahren haben. Bass, Drums, Gitarre – mehr braucht eine Punkband bekanntlich nicht. Und das reicht nun tatsächlich völlig, denn Blank When Zero jagen drei (und mehr) Akkorde mit Wurschtigkeit und Leidenschaft zugleich durch´s Büro, singen deutsch und englisch und klingen dabei manchmal sogar ein bisschen nach Propagandhi. In ihren wüsten Momenten klingen sie allerdings mehr wie eine von der Leine gelassene Horde hyperaktiver Punkrocker mit etwas arg viel abgefahrenen Ideen.

Bridges Left Burning dürften nun eigentlich der Hauptgrund für den Andrang im Büro sein. Die Band wächst stetig und hat sich mittlerweile über eingeschworene Kreise hinaus rumgesprochen. Und das nicht zu unrecht. Vom ersten Takt an geht es ordentlich zur Sache. Stilsicher peitschen die fünf durch ihre leidenschaftlichen Hardcore-Songs und treiben dem um sie versammelten Pulk den Schweiß auf die Stirn. So er denn ob der Temperaturen im Büro nicht ohnehin längst dort stand. Von irgendwo her kann man ab und an den Namen Comeback Kid vernehmen, wenn es darum geht, was da vorne gerade abläuft. Nicht zu unrecht: Frei von Schnörkeln und dennoch kein bisschen plump ist das, was von Bridges Left Burning zu hören ist. Zumal man sich ohnehin fast ausschließlich auf den Höreindruck verlassen muss: Wer ein bisschen weiter weg von der nicht vorhandenen Bühne steht (oder sitzt), hat zumindest optisch Pech und kann nur zufällig ein paar wenige Körperbewegungen zwischen den Köpfen und Schultern der Vorderplatzierten erheischen. Das ist auch irgendwie das einzige Manko am Büro, das klanglich überraschend gut daherkommt und auch atmosphärisch einiges zu bieten hat. Etwas mehr Sicht auf den hinteren Plätzen wäre sicherlich nicht schlecht, aber hey: scheiß drauf! Es geht immerhin um Musik. Außerdem hat Extreme Life Wasting alles in allem ein wunderbar abwechslungsreiches, herzliches und gut besuchtes Konzert aus dem Hut gezaubert und Pech haben dann eigentlich doch nur diejenigen, die nicht da sind bzw. waren.

Einen kleinen Eindruck vom Konzert gibt es im nachfolgenden Video. Reichlich schöne Fotos gibt es außerdem auf suessmichael.de

(Martin Oswald, Martin Smeets)