Blink 182 – s/t

Ausgewachsen

Wir schreiben das Jahr 2003. Drei Typen, allesamt Endzwanziger, die auf den seltsam anmutenden Namen Blink 182 hören, haben ein neues Album im Ärmel. So weit, so unspektakulär. So egal, um ehrlich zu sein. Schließlich hatten besagte drei Typen unter besagtem, seltsam anmutenden Namen bis hier hin nichts weiter gemacht, als das aufzuheben, was Green Day einst liegen gelassen haben: Drei schlampig geschrubbte Akkorde, Uffda-Rhythmen noch und nöcher garniert mit Pennälerhumor an der Schmerzgrenze und weit darüber hinaus. Kurz: Was Blink 182 bislang auf Band gebracht hatten, war, wenn überhaupt, in etwa so originell, lustig und anspruchsvoll, wie ein tiefschürfendes Gespräch mit einem Kühlschrank. Im Vorfeld gestreute Meldungen, wonach die Band vorhabe, sich im Zuge der Namensgebung der neuen Platte an den Guns N’Roses zu vergreifen, die neue Platte Use Your Errection I+II zu nennen, ließen das Schulterzucken im Vorfeld umso heftiger werden. Nichts Neues im Pop-Punk-Land also?

Nicht ganz. Allein in der Vorgeschichte zur letzten Endes (zum Glück) selbstbetitelten Platte steckt ein Twist: Ein ganzes Haus musste es als Studio sein, unzählige Räume, ausgestattet mit allem möglichen neuen und alten Equipment, um mal so richtig ausgelassen am Sound herum zu basteln. Klingt ambitioniert? Dauerte auch ganze neun Monate, bis die Band die Zelte 14 Songs schwerer wieder abbrach. Und das – allen mehr oder weniger berechtigten Zweifeln zum Trotz – hört man der Platte auch an. Und wie. Allein in der Klangästhetik hat dieses Album bis heute den restlichen Vertretern des Genres mehr als eine Nasenlänge voraus. Natürlich tut auch Blink 182 wahrlich niemandem weh, jedoch wird man – gerade wenn man sich auf das pop-punksche Feld beschränkt – sehr lange suchen müssen, bis man ein Album findet, dass so organisch daherkommt, wie dieses. So hat jedes Stück sein eigenes Soundgewand verpasst bekommen, während der (seltsamerweise) angenehm höhenlastige Mix den Laden voller Klangindividualisten zusammen hält. Auf maximum-Airplay getrimmte Sterilität? Vergiss den Fall. Und die Chose wird noch viel besser: Die vierzehn Stücke auf dieser Platte wissen nämlich mit ihren Mitteln tatsächlich etwas anzufangen. Das fängt beim Opener Feeling This an, der als Single voraus geschickt wurde und sich für den Verlauf des weiteren Albums als Irrlicht galore heraus stellt, sind doch hier alle typischen Trademarks der Band noch ein mal in voller Pracht vertreten: Eine nette Melodie, Toms quakendes Organ, ein Text über Sex und überbordend viel Mitsingpotential. Der Unterschied zu früher: Dieses mal wird das alles mit einer großen Portion Spielwitz garniert. Wer’s nicht glauben will, höre sich das vielschichtige Songfinale an. So schön kann also Pop-Punk sein. Dabei war das nur der Anfang. Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuß und hört auf den Namen Obvious. Wohl zum ersten mal suchen die Gitarren hier nicht den direkten Weg ins Ohr, beweisen nicht nur, dass diese Band auch ein paar mehr Akkorde in einem Song unterbringen kann, sonder auch, dass sie seit neuestem ein Händchen für Dynamik und Wendungen hat. Und seit neuestem auch ein Auge auf ihre Texte und ihren Habitus hat. Ein paar Songs später nämlich, zum Abschluss von Violence gibt es einen Brief zu hören, den Mark Hoppus Großvater während des zweiten Weltkriegs an seine Frau verfasst hat. Ein ungeschminkt persönlicher Moment mitten in einer Platte von Blink 182. Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder. Es ist dann auch nur angemessen, dass es sich die Band nicht nehmen lässt, im Anschluss ihren besten Song von der Leine zu lassen. Stockholm Syndrome prescht unvermittelt los, stürmt nach vorne als gäbe es kein Morgen, überrumpelt sich selber, hält kurz inne, nur um sich schließlich doch wieder die Sporen zu geben. Und geht nebenbei als härtester Track der Bandgeschichte durch. Aus den Ideen, die dieses Stück enthält, hätten Blink 182 früher ein ganzes Album gemacht. Eigentlich schade, dass der Platte im Anschluss zwischenzeitlich doch ein wenig die Luft ausgeht. Stücke wie Down, Go oder Here’s Your Letter stellen sich in die Tradition früherer Alben und kommen so über das Prädikat ’nett‘ nicht hinaus. Ganz im Gegensatz zu Asthenia, das sich zunächst eine Minute Weltraumgeschwurbel gönnt, ehe es in die Puschen kommt und seine Bratzgitarren mit bewundernswertem Verve los lässt. Und wenn die Band ganz zum Schluss noch über fast sieben Minuten zeigt, dass sie auch vertrackt und bombastisch kann, nun, dann muss man eigentlich einfach den virtuellen Hut zücken.

Um die Verhältnisse nach all der (berechtigten) Lobhudelei zum Abschluss doch noch ein wenig gerade zu rücken: Klar, dass alles ist nach wie vor keine hohe Kunst, nichts wirklich Neues, nach wie vor ist Travis Barker der einzige, der sein Instrument wirklich beherrscht, nach wie vor muss man Tom DeLonges Stimme nicht wirklich mögen. Aber: Die Songs dieser Platte sind gut genug, dass die Kollaboration mit Robert Smith (ja, der Robert Smith von The Cure) in der verschleppten Akustikballade All Of This gar nicht so besonders und umwerfend ist, wie man es eigentlich anhand dieser Konstellation vermuten möchten. Im Gegenteil, das besagte Zusammenspiel wirkt im Kontext dieses Album beinahe folgerichtig. Muss man auch erst mal hinbekommen.

7/10

Anspieltipps: Feeling This, Stockholm Syndrome, Asthenia, All Of This

(Martin Smeets)

News 31/10/12

+++ Die heutige Runde News beginnt mit einem kleinen Rätsel: Was haben eigentlich Frank Turner und Ryan Adams gemeinsam? Nun, im Grunde so gut wie nichts, außer ein Arbeitstempo, dass man bisweilen nur bestaunen kann. Obgleich also Turners letzte Tat England Keep My Bones noch nicht wirklich lange her ist, hat der Kerl schon wieder ein Album fertig. Angekündigt ist das noch namenlose Werk für 2013. Turner hat allerdings wenigstens ein paar Kleinigkeiten verraten: „Ich habe an diesem Album insgesamt länger gearbeitet als an jedem anderen zuvor. Wir haben insgesamt vier Demos aufgenommen und diese dann mehr als häufig überarbeitet. Dieses Mal musste es einfach gut werden. Das Album dreht sich um England – es ist ein Umbruch. Ich wollte etwas Klassischeres, das mehr rockt.“

+++ Weiter geht’s mit Turners Labelmates von Pennywise. Die haben kürzlich mit neuem Sänger zu altem Schwung zurückgefunden. Umso verwunderlicher scheint folgende Posse um neuerliche Sängerwechselspielchen innerhalb der Band.

+++ Am 9. November erscheint Green Day¡Dos!, der zweite Streich ihrer Albumtrilogie. Nachdem sich die Band bereits mit Album eins von drei auf vergessen geglaubte Stärken besonnen hatte, scheint die Band auf ¡Dos! ihren Hang zur Garage – den sie zwischendurch gerne als Foxboro Hot Tubs auf die Bühne bringen – auszuleben. Das lassen zumindest die ersten Stücke vermuten. Verstärkt wird dieser Eindruck zu dem durch Stop When The Red Lights Flash:

+++ Vor kurzem wurde vielerorts Coexistdie neue Platte von The xx gefeiert. All diejenigen, denen die Band auf Platte nicht genug ist, sollten in Erwägung ziehen, eines der folgenden Konzerte zu besuchen:

28.11. Hamburg – Sporthalle
30.11. München – Zenith
01.12. Lausanne – Le Metropole
03.12. Zürich – Volkshaus
04.12. Köln – Palladium

+++ Wo gerade vom Feiern die Rede war: Gefeiert wurde hier zwischenzeitlich auch Into it. Over it. bzw. dessen Platte Proper. Jetzt gibt es zum Titeltrack ein Video. Und zwar hier:

+++ Ein Video gibt es auch von Bad Religion. Allerdings nicht etwa zu einem neuen Song, sondern zum Entstehungsprozess ihrer neuen – vorsichtigen Schätzungen nach soll es die sechzehnte sein – Platte. Weitere Details gibt es also nun hier:

+++ Zum Abschluss noch zwei Randnotizen. Refused sind endgültig fucking dead. Und zwar guten Gewissens, wie die Band selber meint. Außerdem erzählte Travis Barker vor einiger Zeit ganz undiplomatisch, dass die neue Platte von Blink 182 „besser“ werde, als die aktuelle. Nun denn.

News 26/10/12

+++ Der Anfang sei heute einer Band überlassen, die es in dieser Form leider nicht mehr gibt und auch wohl auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird: Thrice. Nicht wenige werden dieser Band noch längere Zeit hinterher trauern, einige werden sicherlich Kensrures recht religionsbeladenes neues Projekt  mit einigem Argwohn betrachten. Fest steht aber dennoch: Thrice haben eine Reihe an Alben hinterlassen, die sich noch öfter auf den Plattentellern dieser Welt drehen werden. Und weil die Band außerdem live eine ziemliche Wucht ist, gibt es zum Abschied mit Anthology eine letzte Live-Platte. Das Gute daran: Man kann sie in voller Länge genießen. Für lau:

+++ Weiter geht das mit Les Trucs. Die haben nämlich ihren Synthie-Noise-Synapsenpogo ein weiteres Mal auf Band gebracht und werden ihr neuestes Werk am 23. November auf die Welt loslassen. Das muss natürlich gefeiert werden. Mit einer ordentlichen Tour. Wer glaubt, sich diesem Monster gewachsen zu fühlen, tue dies also hier:

16.11. Karlsruhe – Halle 14 *
17.11. Nancy – Caveau du Grand Sauvoy *

18.11. Lyon – tba *
19.11. Montpellier – Black Sheep *
20.11. Marseille – Machine a coudre *
22.11. Le Mans – Le Lézard
23.11. Paris – Scop‘ club
24.11. Nantes – Le Stakhanov
25.11. Lille – CCL
26.11. Reims – L’ecluse
27.11. Frankfurt – Café Koz
28.11. München – Kafe Kult
29.11. Würzburg – Cairo + Edie Sedgwick, Crime
30.11.Marbug – Trauma
01.12. Leipzig – Nullunendlich
03.12. Berlin – Schokoladen
04.12. Hamburg – Rote Flora
05.12. Köln – Aetherblissement + Le Crabe
06.12. Thionville – Les Mystères de l’Ouest
07.12. Bruxelles – Le Bed and Breakfast
08.12. Bremen – Spedition +Robotron, fka Gtuk
21.12. Strasbourg – Molodoi

+++ Zu folgender Meldung üben wir uns mal in Zurückhaltung: Tocotronic haben Neues zu bieten. Doch lassen wir die Band sprechen:
„Am 25.01.2013, pünktlich zum 20-jährigen Bandjubiläum, erscheint unser neues Album „Wie wir leben wollen“ bei Universal Music/Rock-O-Tronic Records. Das Mammutwerk enthält 17 neue Lieder bei 70 Minuten Spielzeit. Es wird Euch, liebe Freund_innen, in die tiefsten Bezirke entführen, denn „Schreiben bedeutet Höllenfahrt, der Einstieg dazu ist der eigene Körper“ (H. Cixous). Passend dazu haben wir unsere Webseite umgestaltet. Hier und auf Twitter winkt Euch nun täglich eine unserer 99 Thesen zum Album, damit Ihr alles besser schnallt und die Ihr die sieben Säulen der Weisheit erklimmen könnt. Es ist alles so wunderbar! Die endlosen Strapazen haben sich gelohnt! Alles wird nach Erdbeer riechen!“
+++ Last but not least: The Gaslight Anthem. Die erweisen dem Record Store Day (übrigens am 23. November) die Ehre und beschenken diesen mit einer EP, mitsamt eines Bon Iver-Covers. Details gibt es hier

News 24/10/12

+++ Der Herbst ist da und damit stellen No Sleep Records ihren neuesten Fall 2012 Sampler via Stream und als kostenlosen Download zur Verfügung. Neben bekannten Bands wie La Dispute, XerxesFormer Thieves oder Touché Amoré geben sich eine Reihe anderer Künstler die Klinke in die Hand und machen den Sampler zu einer tollen Fundgrube für Neuentdeckungen.

+++ Falls einige immer noch nicht überzeugt sind, ob das neue Captain Planet Album wirklich so gut ist wie es überall und auch bei uns zu lesen ist, könnte das neue Video zum Song Gehwegflattern, einige Überzeugungsarbeit leisten. Und nun ab in den Plattenladen eures Vertrauens!

+++ Neues gibt es unter anderem auch von Lagwagon, die nun doch ein neues Album veröffentlichen wollen. Nach der aktuellen Tour soll es an den Feinschliff gehen. Ein Termin steht bisher noch aus.

+++ Selbiges gilt für die Husumer von Turbostaat. Nach eigener Meldung sind die Aufnahmen zur neuen Platte bereits fertig und wie sollte es anders sein, gibt es nach des letzten Konzerten in diesem Jahr mehr Informationen. Man kann sich schon mal auf Album Nummer vier freuen!

+++ Für das neue Projekt von Ex-Gallows Frontman Frank Carter, fällt im Frühjahr 2013 der Startschuss für das Albumdebüt mit dem Titel Anthems. Die Trackliste und das Albumcover möchten wir an dieser Stelle nicht vorenthalten: 01. She (Makes the Devil Run Through Me) / 02. Bury My Bones / 03. The Hits / 04. Anthem /05. Beach of Diamonds / 06. Handsome Devil’s Club / 07. Heavy Kind of Chain / 08. Burning Love / 09. Scared to Death / 10. Riot Song / 11. March of the Pilgrims

+++ Tegan & Sara fiebern zunehmend ihrem nächsten Album Heartthrob entgegen, das im Januar nächsten Jahres erscheinen wird. Nach Closer gibt es nun mit I´m Not Your Hero einen zweiten Happen daraus:

+++ Und zu guter Letzt: The Gaslight Anthem haben ein auf Hochglanz poliertes Video zu Here Comes My Man am Start. Oh shalala, oh shalala:

Captain Planet – Treibeis

Nicht zu fassen

Ich gebe es vorneweg freimütig zu: Ich wollte Captain Planet, diese Band, und mit ihnen dieses Album eigentlich nicht mögen. Man könnte fast sagen, ich wollte Treibeis bedingungslos hassen, gnadenlos runter schreiben, es zum Geschwür am Arsch des Bodensatzes der Popkultur erklären. Warum das? Ganz einfach: Alles, was in den letzten Wochen um Captain Planet herum passiert ist, ging mir tierisch auf den Zeiger. Ob man es hören bzw. lesen wollte, oder nicht: Lobeshymnen von allen Seiten, Platte der Woche in der VISIONS, Begeisterung allenthalben. Wo auch immer der Name Captain Planet auftauchte, tauchte vor meinen Augen immer die Borg-Königin auf, die irgendetwas von ’sie werden assimiliert werden‘ und ‚Widerstand ist zwecklos‘ faselte. Kurz: Es gab wider Willen keinen Weg vorbei an dieser Band, die mit ihrer dritten Platte so plötzlich – na gut, Die Zeit wusste es schon vor fünf Jahren – im Spannungsfeld der breiteren Aufmerksamkeit aufschlug. Man könnte glatt den vielstrapazierten Hype anführen. Alles Schall und Rauch, so lautete mein vorgefertigtes Credo, mit dem ich schließlich schwungvoll auf die Kauleiste gefallen bin – falscher hätte ich nämlich nicht liegen können.

Doch wenden wir uns lieber ab, von diesem Allgemeinplatz. Kommen wir also zu Treibeis, zu diesem Album, das man dann auch tatsächlich nicht auf Anhieb mögen muss. Im Gegenteil, man kann sich durchaus stoßen, an diesem ziemlich straight herunter gezockten Punk mit gehöriger Emo-Schlagseite, an der latenten Angestrengtheit im Gesang von Jan Arne von Twistern, an einigermaßen plakativen Slogans wie „Viva allein!“, an der ziemlich fragwürdigen Soundästhetik. Im Windschatten des flüchtigen Blicks könnte man Treibeis ganz unbedarft als Soundtrack für juvenil schwarz gefärbte Seitenscheitel bezeichnen, die sich mit tränenverschmierten Kajalblick von schräg-rechts-oben photographieren. Und wie oben schon erwähnt: Genau das war irgendwann mal mein Plan. War, weil diese Platte, diese 30 Minuten Musik all diesen Gedanken jeglichen Wind aus den Segeln nehmen, einen unüberwindbaren Brocken Treibeis vor den Bug kloppen. Der Vierer ist, das wird mit jedem Durchlauf klarer, nämlich viel zu clever, um mit seinen Songs derlei oberflächliche Klischees zu bedienen. Stattdessen schlagen die Songs auf Treibeis zahlreiche Haken, entschwinden genau dann, wenn man meint, alles durchschaut zu haben. Das fängt bei den Texten an, die es tunlichst vermeiden, explizit zu werden, die „Viva allein!“ nicht zu einem Spruch für schmierige Bahnhofswände verkommen lassen und lieber ein „dein Bett und ihr Kissen“ voranstellen. Und so in Bildern sprechen, Situationen suggerieren, die nicht zu fassen sind. Weiter geht das mit einer etwas seltsamen Fixierung auf den Themenbereich ‚Bus‘, die wohlig an Element Of Crime’s Obsession für Straßenbahnen erinnert. Gesetzt den Fall, dass dies gewollt ist: Chapeau!

Ein Teil der anfänglichen Bedenken ist also bereits jetzt ins ewige Eis (ja, diese billige Metaphorik wird jetzt durchgezogen) verbannt. Und was ist mit dem anderen Teil? Nun, der soll folgen. Die Musik nämlich, die im ersten Moment ungefähr so originell und individualisiert wirkt, wie die Haltestellenansagen vom Band im Stadtbus, gräbt sich nach und nach immer hartnäckiger und nachhaltiger ins Ohr. Klar, das ist im Prinzip nichts weiter als Punk jüngerer Machart – jedoch atmen diese Akkordfolgen, die vielen Ideen die Hintersinnigkeit von Turbostaat und die Unaufdringlichkeit später …But Alive. So ist es dann nur folgerichtig, dass bereits das Einstiegsdoppel aus Pyro und Sand in den Augen exemplarisch für das steht, was da noch kommen wird: Songs die es schaffen, zur gleichen Zeit halsbrecherisch und doch fragil zu wirken. Die wütend und melancholisch, hart und zerbrechlich sind. Die einen resignierten Eindruck machen und doch aufbrechen wollen. Selten wurden Garstigkeit und Zutrauen geschickter und konsequenter über ein ganzes Album hinweg miteinander verwoben. Und auch wenn es nicht nötig ist, einzelne Songs heraus zu heben: Am eindrucksvollsten funktioniert das alles in Nest, das seinen voller Euphorie nach vorne preschenden Refrain mit einem desillusionierten „hast dich schon oft gefragt, ob du noch weißt wozu du jeden Morgen an dieser Haltestelle wartest“ kombiniert. „Um die Nacht zu vergessen, um den Tag zu verschlafen.“ Eine Losung, die man kennt. Dass hier in drei Minuten zusammen kommt, was unbedingt zusammen gehören muss, dass Musik und Text sich die Bälle bewundernswert zu spielen, dass alles, außer Gefangene gemacht werden, dass alles macht den Song nur noch besser. Und so zu einem Stück, dass mit Leichtigkeit als ein kleiner Punk-Hit durchrutscht. Und doch nur im Haaresbreite aus dieser Ansammlung sehr guter Songs heraussticht. Schließlich legen Captain Planet die Latte auf Treibeis durchgehend sehr hoch.

Wer trotz alledem noch meckern will, muss dies auf schwindelerregendem Niveau tun. Ja, die Produktion ist schon etwas arg schmal geraten. Ja, manchmal würde man sich eine Spur mehr an Variation zwischen den einzelnen Songs wünschen. Aber hey: Geschenkt. Um es kurz zu machen: Believe the Hype! Treibeis ist die beste deutsche Punkplatte seit Langem. Nicht zu fassen.

9/10

Anspieltipps: Pyro, Nest, Land unter, Gehwegflattern

(Martin Smeets)

 

Berri Txarrak

Wir machen das heute mal anders. Anstatt zunächst einen semi-langen Sermon an Worten zu verschwenden, um eine Band vorzustellen, wollen wir dieses mal doch zunächst die Band selber zu Wort kommen lassen. Und ab dafür:

Es war 2006, als zu Beginn des Vorprogramms zu Rise Against ein recht unbeeindruckt wirkender Kerl auf die Bühne schlurfte und ein paar Akkorde auf einer abgewetzten Gitarre dengelte. Was zunächst aussah, wie ein letzter Soundcheck, entpuppte sich schnell als ein vor Energie strotzendes Set dreier sympathisch wirkender Typen, von denen man kein Wort verstand. Wer war die erste Band also noch gleich? Aha: Berri Txarrak aus dem Baskenland also. Berri Txarrak, das heißt übersetzt in etwa ’schlechte Nachrichten‘. Und das ist eine Band, die inzwischen auch schon wieder seit 1994 existiert, wobei erst drei Jahre später ein erstes Album zu vermelden war. Inzwischen stehen derer sieben zu Buche und es muss auch zugegeben werden, dass hier die Band mit dem bislang größtem Bekanntheitsgrad in der Fundgrube stattfindet – schließlich sind die Drei seit 2008 beim nicht eben kleinen Label Roadrunner beheimatet und schließlich setzte sich für die letzten beiden Alben Payola und Haria solche Leute wie Steve Albini (Nirvana, Pixies usw.) und Ross Robinson (u.a. Slipknot und At the Drive-in) an die Regler. Das alles ist uns allerdings – pardon – scheißegal, blickt man doch fast immer in bestenfalls neugierig fragende Augen, wenn man den Namen dieser Band erwähnt. Hört man sich ein klein wenig durch die angesammelten Songs dieser Band, ist das generell kaum nachvollziehbar. Immerhin bewegt sich die Band erstaunlich souverän zwischen treibendem Punk und großen Gesten. Wer’s nicht glaubt:

Dredg – El Cielo

Ein Traumgemälde auf Platte gegossen

In diesem Oktober sind genau zehn Jahre vergangen als Dredg ihre Platte El Cielo veröffentlichten. Ein runder Geburtstag, der nicht schweigend begleitet werden sollte, sondern Anlass genug ist, sich El Cielo gründlich zu widmen. Satte vier Jahre ließ sich die Band nach ihrem starken Debut  Leitmotif Zeit, um ein neues Werk vorzubereiten, durchzukomponieren und aufzunehmen. Letztlich wurde ein Konzeptalbum veröffentlicht, das thematisch um Salvador Dalís Gemälde Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen kreist. Die Vertonung eines Gemäldes? Ja, sicherlich eine schwierige Aufgabe, der Dredg sich stellen, zumal bei so einem Projekt wahrscheinlich mehr in die Hose als gut gehen kann. Eigentlich – nicht so bei Dredg.

Denn El Cielo ist purer Wahnsinn und eine bessere Vertonung von Dalís Traumgemälde kann man sich gar nicht denken. 16 Songs in knapp einer Stunde. Davon 5 sogenannte Brushstrokes, die zu Beginn als Intro und danach als Intermezzi fungieren, die Stimmungen und Sequenzen gliedern und neu einleiten, dabei aber ein stets wiederkehrendes Element in dieser unwirklichen Traumwelt darstellen. Und so ist Brushstroke: Debtfoabaaposba ein einminütiges Intro, das mit Pinsel/Mal-Geräuschen, dem Andeuten choraler Gesangspartien, dem Auffahren der schemenhaft flackernden Delay-Gitarre einen herrlichen Einstieg für Same Ol‘ Road liefert, das unter Fortsetzung der Introfigur mit Drums und Bass losstampft und ein grandioses Lied eröffnet. Wenn Gavin Hayes mit seiner für den Rock so unwirklichen Stimme einsetzt und die Gitarre sich in Stellung bringt – dann gibt es kein Halten mehr. Same Ol‘ Road, zweifellos einer der besten Songs, die Dredg jemals geschrieben haben, zieht die/den Hörer_in sofort in seinen Bann. Diese Stimme, diese Harmonie, diese Mystik, diese bezaubernde Rhythmik und die eigenartig-unwirkliche Botschaft: We must push on / Rescent it seems / We must push on / Though we bleed… / All you need is a modest house / In a modest neighborhood. Ein Traum. Die Klinke wird nahtlos Sanzen in die Hand gereicht, das sich aufbäumt als stünde ein ganzes Orchester auf der anderen Seite der Kopfhörer. Und dabei sind es stets lediglich Stimme, Gitarre, Bass und Schlagzeug, also Hayes, Engels, Roulette und Campanella, die, obwohl sich keins ihrer Instrumente in den Vordergrund drängt, eine überbordende klangliche Fülle zustande bringen. Klar fokussiert sich viel auf Hayes´ Gesang, jedoch niemals so, dass er dadurch aufdringlich würde.

Was die drei Instrumente angeht, ist eine bessere Abgestimmtheit und Harmonie kaum denkbar. Sie spielen sich gegenseitig zu, tragen sich gemeinsam von Song zu Song und erschaffen dabei aber stets unprätentiös und pointiert großartige Melodien. Überhaupt atmen die Songs bei aller Experimentierfreude kompositorische Strenge und Exaktheit und das im positivsten aller Sinne. Denn es ist einfach richtig gut. Bei Dino Campanella scheint dies in besonderer Weise der Fall zu sein. Sein Schlagzeugspiel ist in jeder Hinsicht brillant und macht ihn zu einem der besten Progressive-Rock-Schlagzeugern der Gegenwart. So präzise und auf den einzelnen Schlag konzentriert, spielen nur wenige. Die Rhythmen winden sich durch Takt- und Tempiwechel, bleiben dabei aber stets auf das Nötigste reduziert. Kein Schlag zuviel, die Breaks mit Bedacht gewählt und mit Perfektion gespielt. Ja, besser geht nicht! Und allein die klangliche Qualität des Drumsets hätte schon einen Preis verdient.

Überhaupt ist El Cielo klanglich ob der feinen und detailverliebten Produktion schlichtweg herausragend. Das ist in jeder Sekunde zu hören und spüren. El Cielo ist eben eine Platte, die bei allem Experimentieren die Songorientierung nicht vergisst, so dass sie nie auch nur annähernd in The Mars Voltanisches Gedudel abgleitet. Die Struktur, das Konzept halten alles zusammen. Triangle ist so ein Fall. Ein etwas zerfahrener Song mit vielen Wandlungen, Klangveränderungen, rhythmischen Wechseln, der trotz allem eine klare Songstruktur aufweist und einen melodisch satten Refrain darbietet. Bei Convalescent verhält es sich ähnlich: Ein experimentierfreudiger Song mit Bombenrefrain. Und so kommt es, dass die wunderbaren Momente auf El Cielo kaum abzuzählen sind. Wenn sich beispielsweise das Motiv von Same Ol‘ Road in Brushstroke: (Reprise) wie ein Déjà Vue, wie in einer Traumsequenz gefangen wieder anschleicht und zerstreut, um sogleich das überragende Of The Room loszulassen. Es könnte hier weitaus mehr angeführt werden, doch würde dies nur davon ablenken, sich die Platte zum Jubiläum noch einmal (oder auch vielleicht zum ersten Mal) endlich anzuhören, eben auch, weil es hier so unglaublich viel zu entdecken gibt.

El Cielo ist die Platte, für die man Dredg lieben muss, weil wirklich nur wenige Platten so mystisch, unwirklich, rätselhaft, durchdacht, experimentell und so planvoll traumwandlerisch zugleich sind. Oder schon einmal so einen Albumabschluss wie Canyon Behind Her gehört? Unerklärlich bleibt beim Hören aber auch, wie diese fantastische Band mit Chuckles & Mr. Squeezy eine derartige musikalische Missgeburt erschaffen konnte. Aber das nur nebenbei – jetzt feiern wir erst einmal El Cielo.

10/10

Anspieltipps: Same Ol‘ Road, Of The Room, Canyon Behind Her

(Martin Oswald)

Einar Stray/Therese Aune | 01.10.12 | Heimat Regensburg

Einar Stray in der Regensburger Heimat verspricht bereits auf dem Papier reizvoll zu werden. Nicht nur, dass die irgendwie eigentlich konzertungeeignete Heimat, gerade für Shows der langsameren Gangart sich doch prächtig eignet. Auch die Tatsache, dass der Sommer nun vorbei ist und man gar nicht wüsste wie sich der Vorzeige-Herbstmonat Oktober besser einläuten ließe. Die Theorie trügt nicht. Die Heimat präsentiert sich abermals freundlich-familiär und es wirkt fast so als hätten die norwegischen Gastgeber zum Wohnzimmergig geladen. Es muss ihnen auch so vorkommen: wohnlich haben sie es sich eingerichtet auf der nicht vorhandenen Bühne, eingekleidet in Omas Garderobe – fehlt nur das Kaminfeuer. Voll ist es übrigens nicht in der Heimat, eher halb voll, doch sind die knapp 40 Gäste (ganz grobe Schätzung) genau richtig, um für eine angemessen ruhige und dennoch stimmungsvolle Atmosphäre zu sorgen.

Therese Aune macht den Anfang und spielt auf dem Piano einige wenige, experimentell-reduzierte und stark auf Gesang fokussierte Songs, die traurig und schön zugleich sind, vielleicht für sich genommen nicht immer glänzen, sich dennoch fabelhaft ins Vorprogramm von Einar Stray fügen.

Nach dieser Eine-Frau-Performance nun also der Hauptact: ein junger Norweger namens Einar Stray samt Bassisten, Schlagzeuger, Cellistin und Violinistin. Eine Band, die auf den Namen ihres Protagonisten hört, dennoch aber nur als Band funktioniert. Ein wunderliches Konstrukt irgendwie, denn was würde Einar ohne seine Band tun? Ein bisschen auf den Tasten herumklimpern vermutlich, was sicherlich auch schön, aber doch ganz unvollkommen wäre. Denn gerade die instrumentierte Fülle macht diesen klassisch inspirierten Folk-Pop, den Einar Stray so feinfühlig vorführt, so besonders. Nur in diesem Gewand funktionieren die elegant durchkomponierten Songs auf vortreffliche Weise.

Und so spielen die fünf gekonnt und andächtig zauberhafte Stücke – insbesondere von Einars Debutalbum Chiaroscuro – und tatsächlich: man fühlt sich wie bei einem Wohnzimmerkonzert. Die von Beginn an zufriedenen Gesichter der Anwesenden, die sich teils sitzend, teils stehend um die Band gruppieren, lassen keinen Zweifel daran, dass sie nicht bereuen hier zu sein. Zu bereuen gibt es wahrlich nichts. Und sollte doch noch jemand nicht überzeugt gewesen sein, so dürfte sich dies spätestens im letzten Drittel der Show geändert haben. Denn die wirklichen Perlen hat sich Einar, der übrigens seine Oberlippe unter einer nietzscheanisch anmutenden Rotzbremse versteckt hält, für den Schluss aufgespart. Arrows, Caressed und das A cappella-vorgetragene For The Country sind zweifellos die drei Highlights, die es an diesem gelungenen Abend zu hören gibt. Insgesamt schafft es Einar einen reizvollen Bogen durch die Show zu spannen, von leisen und dezent lauten, von direkten und träumerischen Parts und könnte damit sicherlich auch ein weitaus größeres Publikum fesseln.

(Martin Oswald)

Hidden By The Grapes – If Radios Spoke With Their Hearts

Denn sie wissen genau, was sie tun

Identitätskrisen sind eine miese Sache, gerade in der Musik. Wo man doch fast zwangsläufig aus dem schwer überschaubaren Fundus des Vorhandenen schöpft und aus den wählbaren Zutaten ein Musik gewordenes Ich formt. Ein Ich, das sich im besten Falle weiterentwickelt, das seine Richtung schon selber kennt, ohne dass man selber den Sound großartig in die eine oder andere Richtung schubsen muss. Muff Potter sagten bei ihrer Auflösung, sie hätten ein „Monster, larger than life“ geschaffen, und so komisch das auch klingen mag, irgendwie passt es ganz vorzüglich. Schwierig wird es nur dann, wenn nicht mehr heraus kommt, aus der Sackgasse, in die man sich scheinbar hinein manövriert hat. Ein Problem, dass Hidden By The Grapes wohl in nächster Zeit kaum beschäftigen wird. Schließlich leben die Songs des österreichischen Trios ziemlich genau davon, dass sie allen möglichen Unfug treiben, sich aber zu keiner Zeit auf irgend etwas festnageln lassen. Zumindest legt dies ihr zweites vollwertiges Album If Radios Spoke With Their Hearts nahe.

Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: Nein, If Radios Spoke With Their Hearts ist keine konfuse Ansammlung verschiedener Stile. Es ist auch keine Platte, die sich nicht entscheiden kann, die sich um sich selbst dreht. Vielmehr haben Hidden By The Grapes zehn Stücke zu Tage gefördert, die genau wissen, wohin sie wollen, mit welchen Mitteln und vor allem warum sie das genau so wollen. Das streift dann eine Bandbreite an Genretypisierungen, die ein klein wenig ihresgleichen sucht. Ohne dabei allerdings in Sachen Eigenständigkeit federn lassen zu müssen. Wie das Ganze dann klingt? Nun, als ob sich kraftvoller Post-Punk in den Emo der 90er verlieben würde, doch trotzdem seinen besten Kumpel, den Noise, nicht aus den Augen verliert. Und als ob die drei immer wieder mal gerne mit Postrock und Indie saufen gehen würden. Klingt komisch, ist aber nicht so. Wer Zweifel anmelden will, höre, wie der Opener Some Of You Will Go On sich los reißt und zu einem Sprint durch die Nacht ansetzt, Haken schlägt, clevere Melodien liebkost und sich zum Schluss entschließt, in infernalischem Krach zu enden. Und das alles, ohne dass der Laden auseinander fällt. In unter fünf Minuten. Das ist es wohl, was gemeint sein muss, wenn an jeder zweiten Straßenecke von gutem Songwriting gesprochen wird. Eigentlich könnte man hier schon eine kleine Verschnaufpause gebrauchen. Jagged Bones hat aber ganz anderes im Sinne. Es wütet lieber direkt weiter, führt den eingeschlagenen Weg mit schneidenden Gitarren konsequent fort, pausiert ab und an ziemlich unvermittelt und gibt sich dann doch noch beinahe eingängig. So übertrieben das auch klingen mag: Dieser Song hätte auf At the Drive-In’s In Casino Out zu den Stärkeren gehört. Womit eine Band erwähnt wurde, deren Geist ständig irgendwo in den Songs herumschleicht. Mal mehr, mal weniger deutlich, aber immer auf subtile Weise präsent. Ach ja: Man sehnt sich mal wieder nach einer kleinen Pause. Und bekommt sie sogar, in Form von Petunia, das es verhältnismäßig gemächlich angehen lässt. Zwei Songs später ist allerdings schon wieder Essig mit Verschnaufen. Dann brettert nämlich das heftige Crash Test Dummies Don’t Have Plans For The Future vorbei und holzt auf eineinhalb Minuten mal eben alles kurz und klein. Da schaut man sich schon verdutzt um, wähnt sich in Mitten eines Trümmerfeldes und sieht sprachlos dabei zu wie Death To All The Ladybugs den Joy Division-Gedächtnissynthie auspackt, sich ein mal tief vor dieser grandiosen Band verneigt. Um dann zwischendurch doch lieber in Postrocksche Sphären zu driften. Berechenbarkeit geht völlig anders. Und doch: Es funktioniert. Die Band schafft es immer irgendwie, die mannigfaltigen Elemente zu einem in sich geschlossenen Ganzen zusammen zu führen. Das mag an der starken Produktion liegen, die es trotz aller Präzision schafft, scheppernde, unperfekte Momente zuzulassen. Das mag auch an der ein oder anderen witzigen Idee liegen, die Hidden By The Grapes in ihren Songs verstecken. Vor allem aber liegt es daran, dass sich hier schlichtweg gute Songs die Klinke in die Hand geben. Umso besser wird das alles, wenn mit In Bubbleguns noch so etwas ähnliches, wie ein kleiner Hit vertreten ist. Wie ein holpernder Bass von zurückhaltenden Gitarren umtänzelt wird, wie das Ganze immer weiter anschwillt, unnachgiebig immer höher steigt, wie sich die ganze aufgebaute Spannung in einem wahrhaft großen Refrain entlädt: Das lässt Kinnladen gen Süden wandern. Zumal die Band auch noch eine fiese Noise-Attacke einbauen kann, ohne dem Stück seiner Kompaktheit zu berauben. Auf ein Wort: Atemberaubend.

Es spricht für die Konsequenz der Band, dass direkt im Anschluss, in Chalupnik, das Saxophon aus der Hölle emporsteigt und den Song rigoros, gnadenlos, ja beinahe grausam in seine Einzelteile zersägt. Direkt nach dem zutraulichsten Moment der Platte folgt also ein kalkulierter Tritt in die Magengrube. Ja, Identitätskrisen sind wahrlich was für andere. Hidden By The Grapes jedoch wissen, was sie da tun.

9/10

Anspieltipps: Some Of You Will Go On, Jagged Bones, Death To All The Ladybugs, Bubbleguns

(Martin Smeets)

News 16/10/12

+++ Anfangen wollen wir heute mit einem gern gesehenen Gast (nicht nur) in den News: Senore Matze Rossi. Der war nämlich vor nicht allzu langer Zeit in den lala-Studios und hat dort ein Live-Album eingespielt. Das wäre soweit nicht weniger spektakulär, wäre da nicht die Tatsache, dass die Kombination aus Matze Rossi und Akustikgitarre eine ganze Besondere ist. Ein Vorgeschmack:

+++ Weiter geht das mit Radical Face, bekanntermaßen eines unserer Lieblingsgenies. Ben Cooper hat sich, nachdem ein nicht offizielles Video bereits seit geraumer Zeit im Internet herumgeisterte, nämlich nicht lumpen lassen, und seinem Song Always Gold ein Video verpasst. Wie Cooper die Story um zwei ungleiche Brüder visualisiert, seht ihr nun hier:

+++ Wo wir gerade bei neuen Videos sind und weil wir heute morgen ohnehin nur wahre Hochkaräter in den News haben: Kommen wir doch zu The xx. Die haben sich mit dem Young Replicant Team zusammengetan, um Chained ein Video zu verpassen. Das Ergebnis, das man hinsichtlich der Passung von Farbgebung und Atmosphäre zur Musik wohl als ziemlich gelungen betrachten kann, könnt ihr hier bewundern:

+++ Und weil das alles der großen Namen nicht genug war runden I Am Kloot die News ab. Die haben nämlich vor kurzen verlauten lassen, dass eine neue Platte der Band, die aus unerklärlichen Gründen einfach nicht über den Status als Geheimtipp hinauskommt, ansteht. Einen Namen gibt es mit Let All In bereits zu vermelden, ebenso einen Veröffentlichungstermin: Let All In erscheint am 29. Januar 2013. Da es bis dahin noch ein ganzes Stück ist, verkürzt die Band die Wartezeit mit einem ersten Vorgeschmack, nämlich Hold Back The Night.