News 31/08/12

+++ Der feinfühlige junge Herr namens Einar Stray packt demnächst seine Sachen zusammen und bricht zu seiner „For The Country„-Tour auf. Zur Einstimmung auf die Tour und die am 12. Oktober erscheinende gleichnamige EP kommt heute die Single Caressed raus, zu der ein schönes Video abgedreht wurde:

Hier die Tordaten:

19.09.2012 – DE – Berlin – Festsaal Kreuzberg
21.09.2012 – DE – Bremen – Lagerhaus
22.09.2012 – DE – Hamburg – Reeperbahn Festival
23.09.2012 – DE – Münster – Gleis 22
24.09.2012 – DE – Bochum – Christuskirche
25.09.2012 – DE – Köln – Studio 672
26.09.2012 – DE – Stuttgart – Cafe Galao
27.09.2012 – DE – Weinheim – Café Central
29.09.2012 – DE – Erfurt – Franz Mehlhose
01.10.2012 – DE – Regensburg – Heimat
02.10.2012 – DE – Traunstein – Festung
04.10.2012 – AT – Wien – Waves Vienna Festival
05.10.2012 – CH – St. Gallen – Grabenhalle
06.10.2012 – CH – Baden – Royal
09.10.2012 – DE – Wiesbaden – Schlachthof
10.10.2012 – DE – Erlangen – E-Werk
11.10.2012 – DE – Dresden – Beatpol
12.10.2012 – DE – Leipzig – UT Connewitz
14.10.2012 – DE – Rostock – Peter Weiss Haus

+++ Das kommt auch nicht alle Tage vor: Alle möglichen Musik-Magazine, Fanzines und Onlineplattformen sind sich einig. Und zwar darin, dass das zweite, heute erscheinende Album von The Hirsch Effekt, Holon : Anamnesis der ganz große Wurf sei. Bestnoten und jubelnde Adjektive – überall. Einige scheinen mit Holon : Anamnesis ihr Album des Jahres bereits gefunden zu haben. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, aber durcheinandergewirbelt wagen wir dennoch eine vorsichtige Einschätzung: ja, so etwas hört man gewiss nicht alle Tage. Wer sich ebenfalls ordentlich durcheinanderwirbeln lassen möchte, kann dies noch bis 18.00 Uhr kostenlos auf der bandeigenen Homepage tun.

+++ Nicht alle Tage kommt es außerdem vor, dass die Deftones eine neue Platte ankündigen. Heute allerdings schon. Der siebte Streich der Truppe um Brüllwürfel Chino Moreno heißt also Koi No Yokan und erscheint am 9. November.

+++ Neues gibt es auch von Cat Power. Die neue Platte Sun ist seit heute zu haben. Unentschlossene müssen allerdings nicht blindlings zugreifen, sondern können sich die neuen Stücke von Chan Marshall erst einmal in Ruhe via npr anhören.

Sullen Walk

Sullen wer? Ganz genau, heute haben wir eine Band ausgegraben – vielmehr sind wir eigentlich auf sie aufmerksam gemacht worden -, um die in nächster Zeit sicherlich kein größerer Hype entstehen wird. Sullen Walk also. Aus Karlsruhe. Selbstverständnis: „wir kosten nix. wir wollen nix. nur spielen.“ Und genau deshalb schnappten sich die Vier dann auch „sojasteaks, bier und kinderpunsch für 1,49“ und spielten, wie es die Szene gern hätte, im DIY-Verfahren sechs Songs ein und gaben denen dann den Namen Trails. Was dabei um die Ecke kommt, klingt einerseits nach der dringenden Notwendigkeit besseren Aufnahmeequipments, andererseits aber auch nach einem Händchen für kleine, atmosphärische Songs und die ein oder andere feine Melodie. Wer übrigens mit dem Sound von Trails nichts anzufangen weiß, muss sich nicht gleich abwenden, sondern kann auf Besserung hoffen: Die Band ist nämlich von 21. bis 26. September im Studio um schlappe 2 EPs aufzunehmen. Und nun genug gesabbelt. Hören könnt ihr das Alles genau hier.

News 30/08/12 #2

+++ Uh, ein News-Doppelschlag. Dann fangen wir zur zweiten Runde mal mit Jens Lekman an. Der singer/songwritert sich nämlich inzwischen durch sein drittes Album, das da I Know What Love Isn’t heißt und ab 03. September zu haben ist. Zu hören ist das neue Werk voll kleiner Popperlen allerdings schon zuvor, und zwar bei den KollegInnen von The Quietus.

+++ Wie bereits bekannt, gibt es auch von den Gallows eine neue, selbstbetitelte Platte, inklusive des ’neuen‘ Sängers Wade MacNeil, die wiederum am 14. September erscheint. Eine Tracklist gibt es dazu mittlerweile auch. Sie sieht in etwa so aus:

1. „Victim Culture“
2. „Everybody Loves You (When You’re Dead)“
3. „Last June“
4. „Outsider Art“
5. „Vapid Adolescent Blues“
6. „Austere“
7. „Depravers“
8. „Odessa“
9. „Nations – Never Enough“
10. „Cult Of Mary“
11. „Cross Of Lorraine“

Wie es sich gehört, gibt es zur neuen Platte auch eine anständige Tour, wobei allerdings nur folgende Termine in einigermaßen unmittelbarer Nähe stattfinden:

19.09. Hasselt – Mod Club
20.09. Amsterdam – Sugar Factory
21.09. Köln – Gebäude 9
22.09. Hamburg – Reeperbahn Festival
01.10. Berlin – Magnet

+++ Samiam haben, wie zuvor z.B. Anti-Flag,  eine Complete Control Session aufgenommen. Ab 23. Oktober sind die sechs aufgenommenen Songs wahlweise als Download, oder – viel besser – als 12-Inch-Vinyl zu haben. Das Tracklisting sieht dann folgendermaßen aus:

A
01. Sunshine
02. Dull
03. El Dorado

B
01. Wisconsin
02. September Holiday
03. Take Care

Für Neugierige gibt es außerdem bereits Sunshine im Stream zu hören:

+++ Wie die VISIONS eben berichtet, hat Beatsteaks-Drummer Thomas Götz einen Unfall erlitten: „Bisher herrscht noch Unklarheit über die Umstände des Unfalls von Götz und seinen jetzigen Zustand; seine Bandkollegen gaben lediglich an, dass sich ihr Schlagzeuger derzeit auf der Intensivstation eines Krankenhauses befinde. Laut Informationen der Konstanzer Tageszeitung Südkurier soll sich Götz einen Schädelbruch zugezogen haben – dies wurde aus Bandkreisen bisher aber noch nicht bestätigt.“ Die zwei verbliebenen Konzerte der aktuellen Tour fallen aus.

News 30/08/12

+++ Nach der 7inch EP Every Landscape rüsten sich die Goodtime Boys nun zu ihrer zweiten Veröffentlichung auf Bridge 9. Eine Doppel-EP namens What´s Left To Let Go steht in den Startlöchern und wird am 22. Oktober erscheinen. Die Tracklist mit angenehm unkomplizierten Titeln liest sich folgendermaßen:
1) Bloom
2) Callous
3) Breathe
4) Reunion
5) Rest
6) Wake
7) Daylight
8) Harrow
9) Bliss
10) Sleep

Das alles scheint nun nicht besonders spektakulär und unbedingt berichtenswert zu sein. Und doch hat diese Meldung eine kleine Sensation parat. Und zwar das nachfolgend abgebildete und vorzüglich gestaltete Cover (eine detailreichere Darstellung ist hier zu finden). Welch ein Artwork!


+++ Thrice, die sich derzeit im Feieraband-Modus (welch eine Wortneuschöpfung) befinden, veröffentlichen Ende Oktober ein Doppel-Live-Album, das auf den Namen Anthology hören wird und Mitschnitte der vorangegangenen „Abschieds“-Tour beinhalten wird. Darunter wird sich eine auf 3000 Stück limitierte und nummerierte 4x-Vinyl-Version mit 24-seitigem Booklet finden. Anthology wird die vorerst letzte Veröffentlichung dieser großen Band sein, aber – da würde wohl auch Dustin Kensrue zustimmen – man sollte die Hoffnung bekanntlich nie aufgeben. Mehr Infos gibt es hier.

+++ The Unwinding Hours haben vergangenen Freitag hierzulande ihr zweites Album Afterlives veröffentlicht (Review folgt bald). Dem Song Wayward haben die beiden kauzigen Briten ein Video verpasst auf dem u.a. ein singender Craig B. mit offenen Augen auf einen schweigenden Craig B. mit geschlossenen Augen projeziert wird. Klingt komisch? – Ist aber so:

+++ Schon ein paar Tage her, aber Paul Ryan, seines Zeichens republikanischer Anwärter auf das Vize-Präsidentenamt der Vereinigten Staaten, hat sich geoutet ein Fan der Band Rage Against The Machine zu sein. Ähm ja, richtig gelesen. Gut, die Texte finde er jetzt nicht so prickelnd, aber die Musik gefalle ihm doch recht gut. Tom Morello, seines Zeichens Klampfenmeister bei Rage Against The Machine, hat es sich nicht nehmen lassen sich zu den musikalischen Vorlieben des Politikers zu äußern. Und zwar hier. Wie sagt man so schön: In your face, Paul Ryan!

Rika

Jepp, wir wissen es: Eigentlich ist es beinahe eine dreiste Lüge, Rika hier in der Fundgrube zu präsentieren. Schließlich haben wir bereits ein, zwei mal über das Schaffen der im österreichischen Flinsbach beheimateten Band berichtet. Da Rika aber schlicht und ergreifend wirklich, wirklich gut sind und ihre Songs im Spannungsfeld von Indie und dem Emo bzw. Rock der 90er Jahre, von beinahe kleinlaut und sanft bis kratzig, den Vergleich mit den besseren Werken dieses Jahrzehnts nicht scheuen müssen, wäre es fast fahrlässig, diese Band nicht hier zu erwähnen. Zumal Rika ja vor nicht allzu langer Zeit im Studio waren und mit Port Dover nun ein erstes Ergebnis dieser Sessions präsentieren:

Außerdem hat sich die Band kürzlich mit Empire! Empire! (I Was A Lonely Estate) zusammengetan, um gemeinsam eine Split-7-Inch aufzunehmen. Die könnt ihr inzwischen auch hören, und zwar bei Punknews.org.

News 29/08/12

+++ Endlich wieder News. Da passt es doch gleich perfekt, dass wir euch zu Beginn gleich mal – mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht – ordentlich einen vor den Latz knallen können. Ja genau, wir reden von Converge. Die haben sich und die Welt ja um ein neues Werk bereichert. Was davon zu erwarten ist, dürfte soweit klar sein: Unübersichtliches, mitunter geniales Gebolze zwischen Hardcore, Metal und Mathgefrickel, wie es eben nur Converge beherrschen. Einen Namen hat die Platte bekanntermaßen auch – All We Love We Leave Behind. Erscheinen wird die ganze Chose am 05. Oktober und obacht: Für FreundInnen der gepflegten Deluxe-Edition wird es eben eine solche geben, inklusive eines 48 Seiten starken Fotobuchs des Fronters Jacob Bannon. Eine erste Single gibt es mit Aimless Arrow inzwischen auch. Die klingt dann in etwa so:

Selbstverständlich wird es zum Album eine standesgemäße Tour geben. Und bevor wir es vergessen, hier noch die Tracklist der Deluxe-Edition:

01. Aimless Arrow
02. Trespasses
03. Tender Abuse
04. Sadness Comes Home
05. Empty On The Inside
06. Sparrow’s Fall
07. Glacial Pace
08. No Light Escapes (bonus)
09. Vicious Muse
10. Veins And Veils
11. Coral Blue
12. Shame In The Way
13. On My Shield (bonus)
14. Precipice
15. All We Love We Leave Behind
16. Runaway (bonus)
17. Predatory Glow

+++ Da wir gerade bei „vor den Latz knallen“ waren: Propagandhi haben auch ein eine Hand voll neuer Stücke eingeprügelt, abgemischt und ihnen den Namen Failed States verpasst. Ab 07. September könnt ihr euch das neue Machwerk kaufen. Wer nicht so lange warten will, um endlich auf’s Neue vorgeführt zu bekommen, wie flexibel und doppelbödig Punk interpretiert werden kann, kann auch die Facebook-Site der Band liken, dann gibt es die neue Platte schon jetzt als Stream .

+++ Zum Schluss erlauben wir uns noch einen ‚kleinen‘ stilistischen Bruch und gehen einfach so über, zu den Two Gallants. Auch diese zwei Ausnahmekönner haben neues Material geschrieben und aufgenommen. Heißen wird die Platte The Bloom And The Blight. Außerdem wird sie über ein verdammt großartiges Cover verfügen (siehe Titelbild dieser News). Und das Beste: Ihr könnt das Teil bereits hören. Und zwar beim Rolling Stone. Diejenigen unter euch, die es zeitlich und logistisch irgendwie einrichten können, sollten sich diese Band unbedingt Live zu Gemüte führen. Am Besten an einem der folgenden Termine:

19.11. Köln – Bürgerhaus Stollwerck
20.11. Leipzig – Conne Island
22.11. Berlin – Postbahnhof
23.11. München – Theaterfabrik
24.11. Schorndorf – Manufaktur
25.11. Frankfurt – Batschkapp
26.11. Münster – Sputnikhalle

Kid Kopphausen – I

Blues Brothers

Da ist es also, das Ergebnis einer spannenden Zusammenarbeit – der von Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch. Der eine ist adelig und kann gefühlte 17 Vornamen sein Eigen und ein Weingut als Familiensitz nennen, der andere ist der grau melierte Überlebenskünstler, der irgendwie schon immer da war und mit einer lange Reihe von Veröffentlichungen und einer unüberschaubaren Menge an Street Credibility protzen kann. Was die beiden vereint, ist die Musik. Und die machen die Zwei, die sich bereits gegenseitig im Vorprogramm hatten, inzwischen gemeinsam – als Kid Kopphausen, genauer gesagt auf I.

Was dabei herum kommt, wenn sich diese zwei zauseligen Pop-Poeten die Bälle zuspielen, weiß auch durchaus zu überraschen: Wer erwartet hat, dass die Beiden mit der Akustikgitarre am imaginären Lagerfeuer fläzen und ein paar Lebensweisheiten zum Besten geben, wird – ein Glück – enttäuscht. Im Gegenteil, ohne Strom läuft auf der von Swen Meyer – ihr wisst schon, der Typ, der auch den üblichen Verdächtigen, wie Tomte, Kettcar oder Olli Schulz den Sound verpasst – produzierten I so gut wie Nichts, wodurch die Platte zwar nicht kantig wird, aber doch ein gutes Stück kraftvoller wirkt, als die jeweiligen Solowerke der Protagonisten. Die poltern mit Hier bin Ich, das trotz seines Namens durchweg lieber „Wer bin ich?“ fragt, gleich ohne jede Zurückhaltung los: stoischer Beat, kratzbürstiger Refrain und mit „overdressed und dehydriert“ ein augenzwinkender Gruß an ClickClickDecker. Mit dem hat Knyphausen ja auch schon zusammen musiziert. Da kann man sich schon mal ein paar Wörter borgen.

Was sowohl auf ihren Solowerken, als auch auf dem gemeinsamen Album auffällt: Es gibt keine schwachen Songs. Sowohl Knyphausen, als auch Koppruch haben das irgendwie unheimliche Talent, selbst in ihren schwächeren Momenten schlimmstenfalls gefällig zu klingen. Auf I finden diese Momente dann auch ein paar mal statt. Meine Schwester, das wenig dynamisch daherkommt und von Koppruch mit einer Gesangslinie verziert wird, auf die man nicht zwingend stehen muss, ist so ein Fall. Oder auch das abschließende Nur ein Satz, ein Experiment, das mit seiner modernen Produktion, Knyphausens Spoken Word Vortrag und einem Vocoder (kein Witz) nicht unbedingt zum Rest der Platte passen will. Interessanter gerät dagegen Schon so lang – da machen die zwei kauzigen Songwriter zunächst in A-cappella. Und biegen zur Mitte des Songs schnurstracks in den Punk ab. Kann man machen. Auch sehr stark: Im Westen Nichts Neues. Ein Song, den so einfach nur Nils Koppruch schreiben kann und der letzteren zur Hochform auflaufen lässt. Kann muss man machen.

Das Beste – und gleichzeitig auch ein Fluch, an dem dieses Album laboriert – an I ist aber, dass es nicht einen, nicht zwei, sonder gleich drei Songs enthält, die alles überstrahlen, was sich zwischen den Attributen ‚gefällig‘ und ’sehr gut‘ auf dem Album abspielt. Da wäre zum Ersten der sonnig-funkelnde Pop von Das Leichteste der Welt – eine Verhandlung über das Leben, die in jedem Fall zu einem mit gestreckter Faust gen untergehende Sonne gebrüllten ‚Ja!‘ führt. Und nebenbei eine stolze Menge an wandtauglichen Einzeilern abwirft. „Never mind the darkness, baby / You will be saved / By rock’n’roll!“? Diesen beiden kauft man das ab. Zum Zweiten wäre da dann auch ein Stück, das so nur Gisbert zu Knyphausen schreiben und betiteln kann: die Mörderballade. Wenn man seine Begeisterung in etwas juveniler Form ausdrücken möchte, könnte man dieses Teil ohne Probleme als „Mörderballade“ beschreiben. Knyphausen baut seinen Song gemächlich um einen abgehangenen Rhythmus auf, lässt der angestauten Dynamik im Refrain freien Lauf und steigert sich selbst so sehr in den Song hinein, dass man sich selbigem nicht entziehen kann. Den Gegenpart zu Das Leichteste Der Welt könnte schließlich Wenn der Wind übers Dach geht bilden. Hier ist es Nils Koppruch, der die Sonne vertreibt und einen wunderbar düsteren Song ausbreitet, inklusive schmutzig-kaputtem Solo.

So wird I – obwohl es unüberhörbar nach zwei doch sehr unterschiedlichen Künstlern klingt – unterm Strich eine runde Sache. 13 gediegene Stücke ohne Untiefen, dafür mit Abstechern nach ganz oben. Man könnte zwar bekritteln, das die ganze Chose in etwa so revolutionär, gewagt und modern klingt, wie ein Besuch bei Opa, aber es wird ja – hoffentlich – von diesen Beiden niemand ernsthaft Dubstep erwartet haben. Kid Kopphausen, das könnte ein guter Kumpel sein – rundum zuverlässig und ab und an für eine richtig grandiose Aktion zu haben. Und mögen muss man die zwei, die dahinter stecken, ja sowieso.

7/10

Anspieltipps: Das Leichteste der Welt, Im Westen nichts Neues, Wenn der Wind übers Dach geht, Mörderballade

(Martin Smeets)

News 16/08/12

+++ Am 28. August bringen die Goodtime Boys eine kleine EP namens Every Landscape über Bridge 9 raus und lassen in den alten, aber neu gemischten und gemasterten Song Harrow reinhören. Und zwar genau hier.

+++ Thrice-Frontman Dustin Kensrue ist ja ein absoluter Jesus-Freak. Also das soll nicht unbedingt abwertend klingen, aber es ist so. Seit Jahren engagiert er sich in der Mars Hill Church in Bellevue (WA) als Worship Leader. Seine Hauptband Thrice befindet sich gerade im Standby-Modus, dafür blüht seine Jesus-Band The Modern Post richtig auf. Letztere hat gerade eine EP namens Grace Alone aufgenommen, die man auf der Seite der Mars Hill Church in Gänze anhören kann. Aber Vorsicht: die EP ist ziemlich gut geworden, sieht man von dem ganzen Christen-Blabla einmal ab.

+++ Gleich einen ganzen Sack voller News gibt es aus dem Hause Rodriguez-Lopez. Dieser Herr hat nämlich binnen weniger Wochen gleich mal zwei Soloplatten rausgehauen. Einmal Saber, Querer, Osar y Callar und einmal Octopus Kool Aid, das nicht nur mit einem verrückten Cover zu überzeugen weiß. Außerdem erklärt er in der Cover-Story des aktuellen Alarm Magazines, warum er kein „kleiner Hitler“ mehr ist. Komplett nachzulesen ist die Story in englischer Sprache hier.
Omars aktueller Hausdrummer Deatoni Parks hat übrigens kürzlich sein Debut-Album veröffentlicht. Die Electro-Scheibe Touch But Don´t Look gibt es hier.

+++ Jetzt eigentlich nichts neues, aber bevor die eigentlich tollen Dredg nach ihrem sagenhaften Flop Chuckles & Mr. Squeezy hier totgeschwiegen werden: Wer hat sich eigentlich schon dieses übergroße Konzert auf dem VISIONS Festival 2009 reingezogen? Zu sehen auf der Rockpalast-Seite.

Snap Decision – Scars & Stripes

Mit einem Loch im Bug Volldampf voraus

Ok, es hat lang gedauert. Die Jahre sind ins Land gezogen, nun aber ist sie endlich da, die neue Snap Decision. Wer nach all den Jahren ein „richtiges“ Album erwartet hätte, wird angesichts der gerade mal 7 Titel, die in 23 Minuten ihren Weg durch die Lautsprecher finden, enttäuscht sein. Auch der Vorgänger …And Still Running war ja schon eher kurz geraten, Scars & Stripes fällt noch einen Song knapper aus. Das ist schade, zumal das hier eine große Platte hätte werden können. So ist es eben nur eine starke, na ja, ausgedehnte EP geworden. Auch gut.  Zweifellos hätten Scars & Stripes 3 oder 4 zusätzliche Songs gut getan, aber vielleicht bewahrheitet sich manchmal auch ein blöder alter Spruch „in der Kürze liegt die Würze“. Vielleicht.

Zur Souveränität alter Tage hat Snap Decision hörbar an Verspieltheit und Experimentierfreude hinzugewonnen. Das mag nicht zuletzt an der Verfestigung der einstigen Lead Astray-Granden Gang und Obi als äußert überzeugende Rhythmusgruppe liegen. Das Schlagzeug, vor allem aber der Bass sind im Bandgefüge spürbar dominanter geworden, was dem Sound ausgesprochen wohl bekommt. Gewiss liegt es aber auch daran, dass sich Snap Decision kompromisslos nach vorne wagen und damit in einem schier unübersichtlich überlaufenen Genre so etwas wie Eigenständigkeit beanspruchen können. Melodic/Emo/Indie-Punkrock (oder wie auch immer man da sagt) gibt es wie Sand am Meer und meinen unbestätigten Schätzungen zufolge kommen täglich ca. 250 Bands hinzu (weltweit versteht sich). Wie soll man da eigenständig, unverwechselbar und irgendwie nicht wie alle anderen klingen? Das ist die Preisfrage, die nicht ohne weiteres zu beantworten ist. Fakt aber ist auch: Snap Decision schaffen das. Der beste Weg nach vorne muss eben nicht immer einfach nur geradeaus sein, sondern kann auch kurvig über Genregrenzen hinweg liegen, an deren Leitplanken man sich ordentlich wund schrubbt. Und ja, diese Schrammen machen Snap Decision zu einer unverwechselbaren Band.

Die Rhythmusgruppe wurde schon angesprochen, zur Güte des Albums trägt jedoch ebenfalls die Gitarrenarbeit einen entscheidenden Teil bei. Powerchord-geschulten Ohren werden durchaus einige Überraschungen gen Trommelfell geschleudert. Die Lead-Gitarre fummelt sich mal dezenter, mal offensiver, schön durch die Tonleiter ein paar Töne auf und ab. Der typische Snap-Decision-Sound zeichnet sich zudem durch den zumeist außergewöhnlich guten und stimmlich hervorragenden (teils mehrstimmigen) Gesang mit recht einfallsreichen Melodien aus (vielleicht hätte Gangs Reibeisenstimme ein bisschen öfter zum Einsatz kommen können, die sich nur auf Who Tells Me Who I Am richtig austobt).

Das alles gut vermischt, gibt starke Stücke auf Scars & Stripes, die nicht immer die besten, sicherlich aber die ausgefeiltesten und reiftsten der Bandgeschichte sind. Und doch: mit Sixteen Years und Loch im Bug finden sich auch die zwei besten Snap Decision Songs auf der Platte. Vielleicht hätte auch Tender Screams, das vor allem rhythmisch exzellent daherkommt, in dieser Kategorie mitspielen können, doch leider zieht es sich gegen Ende ein wenig langatmig hin.

Langen Atem gibt es sonst ausgesprochen wenig. Der Opener legt die Marschroute vor: (wie gesagt) nach vorn. Knorriger Bass eröffnet mit Voices einen der abwechslungsreichsten Songs, dem ein Ohrwurmrefrain nicht fehlen darf. Bei Sixteen Years ist nicht nur der Refrain ohrwurmig. Ein vorzügliches Stück, dessen freudige Grundstimmung von der Brutalität des Textes förmlich zersägt wird. Junge Verliebte, denen ihre Liebe zueinander zum Todesurteil wird. Das schreit nach einer leidenschaftlichen Anklage an die Ankläger und Vollstrecker, die ins Mark geht: „who are you to judge / about love relationships and sex„. Das sitzt, prägt sich ein und geschenkt sind dabei sogar die ausklingenden „Woohos„. Im Übrigen haben Snap Decisions Songs deutlich an textlicher Relevanz gewonnen, wozu nicht zuletzt der Titeltrack Scars and Stripes seinen Teil beiträgt. Wer hier in lautmalerischer Abwandlung einen zerkratzten Sternenbanner vor Augen hat, täuscht sich vermutlich nicht: „Empty promises and deliberate misleadings / questionable reasons for / a war that noone needs / millions of people dying every week / noone shows that on TV / irresponsible policy – major crimes / against humanity„.

Ja, alles in allem erinnert Scars & Stripes natürlich an Genre-Maßstäbe wie Alkaline Trio oder Hot Water Music. Doch bleiben dies zum Glück nur Referenzpunkte, denn Snap Decision ist eben Snap Decision. Nicht fehlen darf hier jedoch die Erwähnung des letzten Tracks Loch im Bug. Die einzige deutschsprachige Nummer und gewiss so etwas wie der (emotionale) Höhepunkt der Platte. Ein Tagtraum-Vergleich muss an dieser Stelle bemüht werden und aus meiner Feder ist das nur als allergrößtes Lob zu verstehen. Ein überragender Song, der eine ohnehin starke Platte nicht besser abrunden könnte. „Mit einem Loch im Bug Volldampf voraus!“

7/10
__________
Scars & Stripes ist bisher nur über die Band selbst zu beziehen. Reinschnuppern lässt sich über die Facebook-BandPage der Band.

(Martin Oswald)

News 15/08/12

+++ Wir beginnen mit jeder Menge Schmutz an rostigen Gitarrensaiten, und zwar mit den Gallows. Die veröffentlichen am 10. September ihr neues, selbstbetiteltes Album. Vorab gibt es – wie das nun mal so läuft – ein neues Video als kleinen Vorgeschmack. Der klingt dann zwar wie die Gallows, nur eben doch ganz anders, singt doch inzwischen seit längerer Zeit an Stelle von Frank Carter ein gewisser Wade MacNeil. Wie sich das auf den Sound der Band auswirkt, dürfen all diejenigen, die sich noch nicht intensiv mit der letzten EP Death Is Birth auseinandergesetzt haben, beurteilen. Also Ring frei für Outsider Art:

+++ Auch nicht unbedingt weichgespült geben sich in der Regel La Dispute. Da der Fünfer allerdings schon immer nicht unbedingt berechenbar ist, wundert es nun gar nicht so sehr, dass die Band im Zuge der Violitionist Sessions ein paar Gänge zurück schaltet. Drei Songs wurden dafür eingespielt, verschenkt werden sie hier.

+++ Ruhiger als gewohnt geht es auch zu bei Strike Anywhere. Die haben für ein Konzert den Saft abgestellt und sich ganz auf die Akustische verlassen. Und das Spektakel auch noch aufgenommen. Dabei heraus gekommen ist ein Live-Akustik-Album namens In Defiance Of Empty Timesdass wiederum ab 28. August zu haben ist. Wer nicht so lang warten will, kann hier immerhin schon Extinguish hören:

+++ Über die neue Platte – Four – von Bloc Party haben wir unlängst erst etwas erzählt. Inzwischen kann man das Album in Gänze hören. Und zwar auf der bandeigenen Homepage.

+++ Zur neuen Platte von Get Well Soon ist es ja inzwischen nicht mehr so weit, schließlich erscheint The Scarlet Beast O’Seven Heads schon am 24. August. Höchste Zeit also für eine erste Single. Die gibt es jetzt, in Form des stolze sieben Minuten dauernden Roland, I Feel You. Welch Fülle an Filmen Konstantin Gropper im dazugehörigen Video unterbringt, dürft ihr bei tape.tv selber auskundschaften. Viel Spaß. Außerdem sehr zu empfehlen: Get Well Soon inklusive Groppers köstlichem Humor live. An folgenden Tagen und Orten:

14.09. Hamburg – Große Freiheit 36
17.09. München – Theaterfabrik
18.09. Leipzig – Werk 2
19.09. Dresden – Alter Schlachthof
20.09. Berlin – Astra Kulturhaus
21.09. Bielefeld – Forum
06.10. Vevey – Rocking Chair
07.10. Freiburg – Jazzhaus
03.11. Luzern – Schüür
04.11. Zürich – Mascotte
05.11. Graz – Orpheum
06.11. Wien – Arena
07.11. Salzburg – Rockhouse

+++ Nicht mehr ganz so neu, aber dennoch eine Erwähnung wert: Mumford&Sons lassen mit I Will Wait einen Song von der neuen Platte Babel hören. Fans des bisherigen Sounds der Band dürfen jetzt feiern:

+++ Zum Abschluss noch ein Band aus der Kategorie „Spitzenband, kennt nur keine Sau.“ Die Rede ist von Instrument aus München. Glücklicherweise schickt sich gerade die VISIONS an, dies zu ändern, und hat die neue Platte Olympus Mons kurzerhand zur „Platte der Woche“ erklärt. Gute Sache, das. Für neugierige:

Und für alle, die sich das mal live ansehen wollen, hier die Tour:

03.09. Köln – Blue Shell
04.09. Hamburg – Knust
05.09. Berlin – Cassiopeia
06.09. Bayreuth – Glashaus
12.09. Wien – Arena
13.09. München – Kranhalle
14.09. Stuttgart – Keller Klub
15.09. Dresden – Beatpol
20.09. Augsburg – Ballonfabrik
21.09. Regensburg – W1