News 30/07/12

+++Wir fangen heute an mit Kid Kopphausen. Das ist das Projekt von Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen und diese beiden Herren haben ihre erste Platte als Kid Kopphausen fertig, die wiederum auf den unscheinbaren Namen I hört. Erscheinen wird das alles dann am 24.08.2012. Ausschweifend auf Tour kommen die beiden auch, und zwar an folgenden Terminen und Orten:

  • 11 SEP 2012 – MÜNCHEN – AMPERE 
  • 12 SEP 2012 – FRANKFURT – DAS BETT 
  • 13 SEP 2012 – KÖLN – KULTURKIRCHE 
  • 14 SEP 2012 – KÖLN – KULTURKIRCHE 
  • 16 SEP 2012 – BERLIN – HEIMATHAFEN
  • 17 SEP 2012 – HAMBURG – ST. PAULI THEATER
  • 27 OKT 2012 – MAGDEBURG – MORITZHOF
  • 28 OKT 2012 – LEIPZIG – WERK 2
  • 29 OKT 2012 – GÖTTINGEN – MUSA
  • 30 OKT 2012 – HANNOVER – TBA
  • 31 OKT 2012 – OSNABRÜCK – ROSENHOF
  • 01 NOV 2012 – AACHEN – MUSIKBUNKER
  • 03 NOV 2012 – DÜSSELDORF – ZAKK
  • 04 NOV 2012 – TRIER – TUCHFABRIK
  • 05 NOV 2012 – ERLANGEN – E-WERK
  • 06 NOV 2012 – WIESBADEN – RINGKIRCHE
  • 07 NOV 2012 – KARLSRUHE – TOLLHAUS
  • 08 NOV 2012 – FREIBURG – WALDSEE
  • 09 NOV 2012 – STUTTGART – LIEDERHALLE
  • 10 NOV 2012 – CH-ZÜRICH – PAPIERSAAL
  • 12 NOV 2012 – A-WIEN – STADTSAAL
  • 14 NOV 2012 – AUGSBURG – OSTWERK
  • 15 NOV 2012 – ERFURT – HSD GEWERKSCHAFTSHAUS
  • 16 NOV 2012 – POTSDAM – LINDENPARK
  • 17 NOV 2012 – WEISSENHÄUSER STRAND – ROLLING STONE WEEKENDER

Wer nicht so lange warten kann oder will, bekommt außerdem an dieser Stelle noch den Albumtrailer serviert:

+++ Wir machen weiter mit Bloc Party. Auch die haben nämlich eine neue Platte am Start, die Four heißen und ebenfalls am 24.08.2012 erscheinen wird. Und auch von diesem Album gibt es schon ein bisschen was zu hören:

+++ Weil wir gerade bei den neuen Alben sind: Ein solches gibt es demnächst auch (endlich) von den Two Gallants. Auch hier gibt es bereits einen Namen zu vermelden: The Bloom And The Blight wird das neue Werk heißen und am 07.09.2012 das Licht der Welt erblicken. Und auch hier fallen ein paar Deutschlandtermine an:

  • 17.11: Weissenhäuser Strand, Germany / Rolling Stone Weekender
  • 19.11: Koln, Germany / Stollwerck
  • 20.11: Leipzig, Germany / Conne Island
  • 22.11: Berlin, Germany / Postbanhof
  • 23.11: Munich, Germany / Theaterfabrik
  • 24.11: Schorndorf, Germany / Manufaktur
  • 25.11: Frankfurt, Germany / Batschkapp
  • 26.11: Munster, Germany / Sputnikhalle

Und auch hier gilt: Wer nicht warten kann, darf schon mal ein bisschen ins Albumpreview gucken.

+++ Zum Schluss noch etwas gänzlich anderes. Nate Newton, seines Zeichens Bassist bei Converge hat sich ein paar Minuten Zeiten genommen, um eine kleine Geschichte des Touressens niederzuschreiben. Den teils sehr trefflich geschriebenen Artikel wollen wir euch natürlich keinesfalls vorenthalten. Zu lesen gibt es das alles dann also hier.

Alpinist

 

 

Bandnamen gibt es, da fasst man sich unweigerlich an den Kopf. We Butter The Bread With Butter zum Beispiel. Auch schön: Weekend NachosMan könnte die Liste vermutlich noch ewig weiterführen, aber um beim Thema zu bleiben, werfen wir lediglich noch Alpinist in die Runde. Die Bergsteiger also. Ob die nun wohl Alphornblasend mit dem Edelweiß am Hut gen Gipfelkreuz stürmen? Nun, eher weniger. Also so gar nicht eigentlich. Der Vierer aus Münster ist ziemlich eindeutig im Hardcore zu verorten und fühlt sich dort – bemessen an dem, was so zu hören ist – pudelwohl. Zwei Platten und ein Split mit Masakari  sind dabei bislang rumgekommen. Drei Scheiben voll von dunklem, intensiven und beeindruckend Hardcore irgendwo zwischen From Ashes Rise, ein bisschen Defeater und einer Prise Postrock. Hören kann man das alles für lau via Bandcamp, allerdings empfehlen wir an dieser Stelle gleich wärmstens, eins der Konzerte dieser Band zu besuchen. Live kommen Alpinist nämlich noch direkter, intensiver und dementsprechend umwerfender rüber.

The Gaslight Anthem – Handwritten

Zum Stadion, bitte.

Freie Assoziation ist ein tolle Sache. Deshalb vorneweg mal Folgendes: Kreationist, Bruce Springsteen, hemdsärmelig, ehrlich, handgemacht, Rock, Kommerz, Ripoff, Tätowierungen. Soviel also zu all den Standardformeln, aus denen man sich genüsslich einen erschöpfenden und wohl auch durchaus trefflichen Text zur neuen Platte von The Gaslight Anthem zusammenbasteln könnte. Und an denen man angesichts der Ereignisse um diese Band in letzter Zeit kaum vorbeikommt. The Gaslight Anthem sind nämlich seit weit mehr als ein paar Wochen, also eigentlich ja seitdem sich Sänger Brian Fallon freimütig als Kreationist (man kommt halt doch nicht an dem Thema vorbei) „geoutet“ hat, Gegenstand hitziger Wortgefechte, in welchen teils auch mal vorsorglich alle Facetten dieser Band verteufelt wurden und während derer sich nicht wenige mit lautem Grausen abwandten. Da steht man nun also da, nach diesem großen Knall, und fragt sich: Was nun? Und weil Kevin Holtmann den nötigen Senf zu all dem Brimborium schon formschöner, als ich es jemals könnte, formuliert hat, will ich mich diesem Kommentar einfach mal anschließen: The Gaslight Anthem sind keine politische oder religionsanthropologische Band, sondern schreiben Lieder über alte Autos, hübsche Mädels und die Zweisamkeit auf rostigen Riesenrädern. So einfach kann es also auch gehen. Viel entscheidender ist ohnehin: Eine neue Platte, vollgepackt mit neuen Songs, neuer Musik.

Was macht sie nun also, die Musik? Nun, Handwritten macht zunächst mal nicht so wirklich viel anders, als seine drei Vorgänger und entpuppt sich schon beim flüchtigen Reinhören als typische Gaslight Anthem-Platte: Fallon intoniert in liebgewonnener Manier eine Hand voll kraftstrotzender Songs, mal schneller, mal langsamer, aber immer mit ein paar Schulterklopfern und Lebens- oder Binsenweisheiten. Wie immer omnipräsent obwohl nicht da: Der oben erwähnte Bruce Springsteen, dem The Gaslight Anthem auch dieses mal nicht im Ansatz ein halb volles Glas Wasser reichen können.  Und trotz all dem Bekannten gibt es Neuerungen zu entdecken. Da wäre zum Beispiel eine so bislang nicht gehörte, offensive Attitüde, welche das ganze Album durchzieht, auszeichnet und dankbar alles mitnimmt, was sich gerade so anbietet. Eine Himmelsstürmende Melodie? Gekauft. Ein stadiontauglicher Refrain? Immer her damit. Ein Brian Fallon, der sich mit seiner Stimme endlich mal so richtig vor die Tür traut? Muss mit. Dazu darf sich die Platte mit einer Meterdicken (und überaus gelungenen) Produktion, fern vom Hall der 59’Sound und der Drahtigkeit von American Slang schmücken. So verabschiedet Handwritten dann auch konsequent jegliche Zurückhaltung, gibt seine Liebe zur großen Melodie, seinen Drang ins Stadion offen Preis. Dann gibt es halt im Titeltrack von Anfang an „Oh-Oh“-Chöre, bekommt Here Comes My Man eben ein paar „Uh-Shalalas“ und dann darf sich Mae ganz einfach ungeniert in U2-Pose auf die Bühne stellen. Na und? Solange das funktioniert und wie im eben genannten Mae zu einem der definitiv besten Songs der Band bislang führt: Geschenkt. Klar könnte man diskutieren, ob es nicht ein paar gut gelaunte Chöre weniger auch getan hätten, aber hey: Wirklich verändern würde sich diese Platte dadurch auch nicht.

Ob nun gewollt oder nicht: Handwritten ist ein Statement und gibt den weiteren Weg dieser Band vor. Wohin also? Auf die ganz großen Bühnen, und damit auch dahin, wo es stellenweise richtig weh tut. Direkt hin zu Werbeeinspielern im Privatfernsehen, rauf in die Charts, raus aus bierseeligen Kehlen, wobei beileibe nicht alle alten Fans mitgehen müssen und werden. Ob der Mainstream Fallon&Co. nun zermalmen wird, wie er es auch schon mit Bands wie den Killers oder den Kings Of Leon gemacht hat, bleibt abzuwarten. Solange The Gaslight Anthem der gefräßigen Maschinerie, die die Bands reihenweise verheizt, allerdings zwischen ein, zwei doch etwas nichtssagenden Stücken noch solche Songs, Songs wie das euphorisierende „45“, das verschachtelte Too Much Blood oder das einfach grandiose Mullholland Drive, entgegenzusetzen haben, braucht man sich darüber nun wirklich keine größeren Sorgen zu machen. Zumal Handwritten seinen Vorgänger American Slang mal ganz locker in die Tasche steckt. Und wer zum Ende der Platte noch mit National Anthem ein Glanzstück von Akustikballade raushauen kann, hat ohnehin noch eine ganze Menge zu sagen.

7/10

Anspieltipps: „45“, Mullholland Drive, Mae, National Anthem

(Martin Smeets)

Eigentlich…

…sollte hier die ganze Litanei rund um Nationalismus, Militarismus und Defeater heruntergebetet werden, aber hey: Während Defeater womöglich ein ziemlich schräges Bild vom Krieg haben, Trapped Under Ice Fans verkloppen (was wiederum keine Sau zu interessieren scheint, aber das ist ein anderer Gemeinplatz) und bestimmt sonst noch hunderte Dinge in diesem Genre schlichtweg falsch laufen, erklärt man sich tagsüber gegenseitig fleißig, worum es im Hardcore ultimativ geht, nur um sich des Abends  aufzuführen, wie der gemeine Fussballfan: Trillerpfeifend. Bierbecherwerfend. Mittelfingerzeigend. Vielen Dank auch. Wenn man schon zu jeder Gelegenheit mahnend den Zeigefinger heben muss, sollte man sich vielleicht wenigstens an die eigene Predigt halten. Ansonsten: Geht doch wieder Die Toten Hosen hören.

(Entnervt und pauschalisierend: Martin Smeets)

Nachtrag:

– Natürlich sind die Aussagen seitens Defeater denkwürdig und verdienen einer dementsprechend deutlichen und schonungslosen Kritik. Gleich die Nationalismuskeule zu schwingen zeugt jedoch von einem leidlich undifferenzierten, elitären (und irgendwie europäischen) Standpunkt. Zumal man nicht einmal einen Blick in die Lyrics riskieren muss, um zu wissen, dass sich diese Band nicht erst seit Gestern mit dem Themenspektrum aus Working-Class-Romantik, Krieg, Gott und Familie beschäftigt.

– Eine Meinung bezüglich dieser Band mittels Transparent darzulegen ist eine gute Sache, den sonstigen Anwesenden allerdings zusätzlich noch lautstark das Konzert zu vermiesen konterkarikiert das Ganze dann doch ein wenig.

– Wenn schließlich noch etwas zusammenhangslos und aufs Geratewohl einfach mal „oil does not equal freedom“ als Parole ausgegeben wird, fragt man sich schon ein wenig, wes‘ Geistes Kind hier Wurzeln schlägt.

UPDATE: Zu den Ereignissen rund um Defeater am Fluff Fest, gab es auch eine Stellungnahme von Verse Frontmann Sean Murphy, während der Show. ( Dominik Iwan )

Light Bearer

Ein kleines Rätsel zum Einstieg: Wenn eine Platte aus schlappen sechs Songs besteht, die dennoch die knappe Stunde voll machen und dabei in der Länge zwischen 1:43 und 17:39 variieren, wo sind wir dann? Genau, im Postrock. Möchte man meinen, stimmt aber nicht. Wir sind vielmehr bei Light Bearer, einem lärmenden Sechser aus London. Und die spielen, so viel macht die aktuelle Platte Lapsus klar, mitnichten bloßen Postrock. Die Melodieverliebtheit haben sie zwar vielleicht dort entliehen, die kräftige Sludge-Schlagseite mitsamt fiesen Shouts zwischendrin und einem unbestreitbaren Hang für atmosphärische Songs fügen sie allerdings selber hinzu. Das ganze klingt im Ergebnis mindestens hervorragend und lässt so einige Bands aus ähnlichen Schubladen fast schon nach sanftem Indiepop klingen. Aber überzeugt euch selbst:

Festivalcheck: Fluff Fest 2012

Ich hasse Festivals. Zu viele Leute auf zu wenig Platz, größtenteils bescheidenes Wetter, Bühnengräben, breit, wie eine Autobahn und dazu noch dieses Festivalsyndrom, dass so viele Menschen dazu bringt, der kognitiven Selbstaufgabe anheim zu fallen. Und trotzdem: Die Festivalsaison schreit. Und ich laufe hinterher. Dieses mal also das Fluff Fest. Dabei stünden die Vorzeichen eigentlich ganz gut. Ein Hardcorefestival von recht überschaubarer Größe, besucht von Leuten, die der Volksmund – so vorhanden – verächtlich als Gutmenschen bezeichnen würde. Dann wollen wir mal.

Donnerstag:

Nach einer – abgesehen von einer fragwürdigen Stauumfahrung und kleineren Orientierungsschwierigkeiten in Rokycany – weitgehend störungsfreien Fahrt trudeln wir Abends auf dem Gelände ein. Und siehe da: Autocamping. Yay! Das Zelt wird also nicht durch Rucksäcke und alte Klamotten vollgemüllt. Außerdem vorhanden: Ein Schwimmbad inklusive Duschen. Lässt sich gut an hier, dieses Fluff Fest.

Erste Feststellung: Mensch, sehen die alle gut aus. Wohin man sieht, sieht man durchgestylte Mädels und Jungens. Da fühl ich mich glatt ein bisschen schäbig.

Zweite Feststellung: Mensch, sehen die alle gleich aus. Zumindest was die männlichen Besucher betrifft: Mütze und/oder Kaputzenpulli, kurze Hose hochgekrempelt, Bart und viele deckungsgleiche Frisuren. Ich fühle mich glatt ein bisschen individuell.

Bands spielen übrigens auch schon. Wir erwischen – nach Verkostung eines deliziösen Tofuburgers – Left in Ruins aus Italien. Glaube ich zumindest. Ist dann allerdings auch nicht wirklich der Rede wert.

Freitag:

Nachdem der Vormittag aus zu früh aufstehen, einem minimalistischen Einkauf und einer ordentlichen Kreislaufdusche bestand, gibts nun also endlich: Bands.

Den Anfang machen heute Wojczech, wobei mir schon Böses schwant,  als ich in der Ansage irgendwas von „good old Grindcore“ aufschnappe. Erweist sich allerdings als halb so schlimm. Wobei von der Bühne auch nichts kommt, dem man nachhaltig Aufmerksamkeit schenken müsste.

Ähnliches gilt für die Weekend Nachos. Die haben im Vergleich zu den vorher genannten den komischeren Namen, den besseren Sound und die griffigeren Songs, klingen aber dennoch reichlich unspektakulär. Ein bisschen Geholze hier, ein wenig Powerviolence dort. Die Lösung vorerst: Tofuburger. Dazwischen übrigens in der Tentstage: My Turn. Happy-Hardcore. Irgendwie cool.

Dritte Feststellung: Es gibt keine Szene, die sich mehr selber abfeiert, als der Hardcore.

Mittlerweile ist es ziemlich genau sechs Uhr und der Tag bekommt sein erstes kleines Highlight: End Of A Year Aka Self Defense Family. Die sind nämlich nicht nur die ersten, die sich mehr als Vollgas zutrauen, sondern schimpfen auch erstmal alle ordentlich aus, bevor sie loslegen. „Don’t ever tell me how to live.“ liest sich jetzt harmlos, veranlasst aber doch einige, die Mainstage gleich wieder zu verlassen. Hat also gesessen, das. Negativ: Die viel zu langen Ansagen, mit denen sich die Band um schätzungsweise zwei Songs bringt.

Weiter zu den Code Orange Kids, die scheinbar ziemlich viele Leute hier sehen wollen. So ist die Tentstage zum ersten mal ziemlich überlastet, der Sound nicht unbedingt der Beste und mein Platz weit draußen so ziemlich der Schlechteste. Und die Songs sind trotzdem gut. Würde man im Zelt stehen, wäre man vermutlich begeistert.

Vorhang auf, für die im Vorfeld wohl meistdiskutierte Band: Defeater. Das sind böse Nationalisten und Militaristen. Vielleicht, weil sie verwundete Soldaten unterstützen, sicher aber, weil sie unclever genug waren, um eine Pressemitteilung auf die Welt loszulassen, in welcher Soldaten als Helden bezeichnet werden. Zur Strafe bewaffnet sich dann auch ein kleiner Kreis brillanter Köpfe mit Transparenten, Bierbechern, Mittelfingern und Trillerpfeifen, um inmitten der Menschenmenge gegen dieses Unrecht zu Felde zu ziehen, umgeben von Mitmenschen, die eigentlich „nur“ ein Konzert sehen möchten. Die Band selber ging darauf nur sehr vage ein, begeisterte dafür allerdings mit einem rundum gelungenen Set inklusive köstlichem Sound. Und ließ es sich nicht nehmen, explizit jeder einzelnen Person im Publikum fürs Zusehen zu danken.

Zwei Stunden später. Partyzelt. Bad-Taste. Spice Girls und dergleichen. Wir sind ja alle so individuell.

Samstag:

Mangels Interesse werden bis fünf Uhr alle Bands gekonnt verpasst. Dann aber: Wolf Down. Und die mit einer Sängerin, deren beeindruckende Stimme mal eben locker die meisten ihrer männlichen Kollegen an die Wand klatscht. Die sich ferner ihrer Minderheitenstellung bewusst ist und ihrem Ärger darüber auch Luft verschafft. Dass die Musik dazu kaum noch mehr auf dicke Hose machen könnte, erscheint da beinahe passend. Kann man machen.

Und auch danach kommt mal wieder lange nichts. Bis Light Bearer die Tentstage beschallen. Vielleicht ist es ja ein wenig Glück, dass gerade zu deren atmosphärischen Songs die Sonne untergeht, jedenfalls hauen sie mich vollauf um. Gekonnt auf den Boden gesludged, wenn man so möchte. Nicht recht viel anders verhält es sich bei Alpinist. Die geben ihr Material zwar um einiges schneller, aber dennoch nicht weniger grandios zum besten. Absoluter Höhepunkt des Festivals wird dann auch der letzte Song ihres regulären Sets, der Schicht um Schicht auftürmt, um sich schließlich ganz Postrockig freizuschwimmen. Die Leute: begeistert. Ich: den Tränen nahe. Dass darauf noch eine Zugabe folgt, ist beinahe schade.

Aufgeputscht von diesem Doppelschlag geht es schließlich noch raus zur Openstage, wo eine Band spielt, die angeblich ziemlich gut sein soll, und die wohl vor allem von niemandem gefunden werden will:  ██████. Kein Witz. Die Openstage hat zwar einen grauenhaften Sound, aber was  ██████ (man kann den Namen nicht oft genug „schreiben“) irgendwo zwischen Grindcore und Postrock abziehen, ist schon aller Ehren wert. In Zukunft dann auch auf richtigen Bühnen. Und nochmal:  ██████!

Sonntag:

Die Schlafphasen werden länger, die Luft ist langsam raus. Nicht so bei The Tidal Sleep, die inbrünstig ihre Songs raushauen und live wie auf Platte am gleichen Problem leiden: Sie klingen eigentlich immer gleich. Das macht allerdings nichts, solange die Songs gut sind. Außerdem haben die ja auch noch viel Zeit zum (noch) besser werden.

Inzwischen wurde von irgendwoher eine Decke besorgt und der erste regenfreie Tag wird am Boden genossen. Dazu bekommt man Landscapes (ziemlich gut) und Soul Control (ziemlich okay) serviert, ehe Pianos Become The Teeth die Bühne übernehmen. Und was diese Band live kann, ist nun wirklich mehr als beachtlich. Da kann auch die eher kritische Fraktion (zu der ich mich auch zähle) bedenkenlos zugreifen.

Und damit bin ich raus.

(Martin Smeets)

Nations Afire

Es gibt einen neuen, wenn auch nicht ganz unbekannten Stern am Punkrock/Hardcore Firmament über Los Angeles. Die Rede ist von Nations Afire, die mit ihrem im August erscheinenden Album The Ghosts We Will Become beweisen wollen, dass sie nach ihrer EP The Uprising zurecht mit Vorschusslorbeeren überhäuft wurden. Grund für den mehr oder minder großen Hype, sind die klingenden Namen, die sich hinter Nations Afire verbergen. Da wären zunächst Brett Rasmussen (Bass) und Nik Hill (Gitarre/Gesang), beides Mitglieder der Hardcoreband Ignite. Dazu geben sich noch Chris Chasse (Gesang/Gitarre), ein Ex-Rise Against Mitglied und Todd Hennig (Schlagzeug) von Death By Stereo die Klinke in die Hand. Der Titelsong zum kommenden Album lässt hoffen und trifft den Nerv derjenigen, die wieder große Lust auf typischen Orange Country Sound haben und sich mit  Bands, wie den hier erwähnten Rise Against, nicht mehr ganz identifizieren können. Wir sind gespannt auf das Album und die anstehende Tour im August. Spätestens dann wird es weitere Neuigkeiten geben. Bis dahin müsst ihr euch erst mal mit dem Video zu The Ghosts We Will Become zufrieden geben.

News 12/07/12

+++ Gestartet wir heute mit Mùm und ihrem wunderschönen Video zum Song Hvernig Á Að Særa Vini Sína. Der Song ist Teil der bandeigenen Compilation mit dem Titel Early Birds, welche mit bisher unveröffentlichten Songs glänzen kann und bereits im Juni erschienen ist.

+++ Neuigkeiten gibt es auch von Title Fight. Ihr neues Album Floral Green wird im September erscheinen und just in diesem Monat steht auch ein Abstecher nach Deutschland an. Zusammen mit La Dispute und Make Do And Mend wird eine kleine Clubtour gespielt.  Hier die Daten und lasst euch nicht zu viel Zeit mit der Bestellung. Die Termine werden schnell ausverkauft sein!

        Stuttgart 27.09 / München 28.09 / Berlin 29.09 / Hamburg 30.09 / Leipzig 02.10 / Frankfurt 03.10 / Köln 04.10

+++ Das neuste Album der Bouncing Souls, mit dem Namen Comet, ist bereits vor einigen Tagen in den hiesigen Gefilden erschienen.  Damit ihr euch die Zeit bis zum baldigen Review versüßen könnt, gibt es hier das Video zum Song Static, der Punkrock Ikonen rund um Sänger Greg Antonio.

+++ Billy Talent haben endlich Informationen über ihr vierten Studioalbums enthüllt. Die Überraschung ist groß, sowohl in Sachen Artwork, als auch bei der Namensgebung bestreiten die Jungs neue Wege. Mal sehen wie es sich musikalisch verhalten wird. Die erste Auskopplung schlug doch eher altbekannte Töne an. Die Platte mit dem Titel Dead Silence wird am 07. September in Deutschland erscheinen.

+++ Für Freunde des gepflegten Oldschool Hardcore à la Black Flag und Circle Jerks, gibt es aus dem Hause OFF! wieder ein nettes, wenn auch wieder ziemlich kurzes Schmankerl. Um ein knapp fünf Minuten Video zu Füllen, wurden einfach zwei Songs ( Borrow and Bomb / I got News for you ) verwurstet. Das Ergebnis kann sich, nun ja, doch sehen lassen.

Into It. Over It. – Proper

Quelle: http://intoitoverit.com/

Der, dem man die Tür aufmacht

Es gibt so Bands, da hört man ein Lied und denkt: ja, klasse Hit. Schöner Gesang, flotte Schreibe, starke Melodie, elegante Instrumentierung – hat irgendwie alles. Und doch bleibt eine gewisse Skepsis. Ein guter Song – kann ja jedem mal aus der Feder rutschen. Aber dieses Niveau auf Platte halten? Und überhaupt: ist ein Hit nicht eigentlich fast schon ein Garant dafür, dass die Platte außerdem nicht mehr viel zu bieten hat? Kennt man doch zuweilen schon als Schulweisheit: ein Hit, ein, zwei weitere Nummern, die ganz ok sind und den Rest kann man sich schenken. Gerade Bands, die sich im Genregemenge Indie, Punk, Alternative und Co. tummeln, haben da eine auffällig hohe Anfälligkeitsquote. (Wahrscheinlich gibt es deswegen so viele Compilations – aber das nur als unbewiesene Vermutung am Rande).

Embracing Facts von Into It. Over It. auf der No Sleep Records Winter Compilation 2011 also: Skepsis ist angesagt. Das Schema passt nämlich vorzüglich. Klasse Song. Was hat diese vermutlich 5-köpfige Band aus Chicago sonst noch zu bieten? Zunächst einmal eine Überraschung: 4 Köpfe muss man sich wegdenken, ein einziger steckt nämlich hinter Into It. Over It. Evan Weiss allein ist eine ganze Band. Zum Glück gibt es dann noch eine Überraschung: Schulweisheit bleibt Schulweisheit.

Proper, das erste eigentliche Album von Into It. Over It., das vorerst eine Reihe von Veröffentlichungen krönt, die Evan seit 2009 am laufenden Band liefert. An die 70 Songs sind dabei auf verschieden Split-EPs und anderen Formaten zusammengekommen (darunter 52 Songs in 52 Wochen – jede Woche einer). Nun das Album, im Spätsommer 2011.

Proper ist eine hervorragende Platte. An den Hit-Opener Embracing Facts reiht sich mit Discretion & Depressing People eine weitere bärenstarke Nummer, die verdächtig nach Punk-Rock klingt, aber eben doch nicht Punk-Rock ist. Zu wendig und variantenreich ist das Schlagzeugspiel, zu verspielt die herausragende Gitarrenarbeit, zu verträumt der Gesang. Nun gut, für´s Studio hat sich Evan Unterstützung befreundeter Musiker geholt, dass aber solch komplette Songs aus ihm geradezu heraussprudeln, ist dennoch bewundernswert.

Das Songwriting ist bei Proper wirklich außerordentlich gut, zu gut für Indie-Punk. Das merkt man nicht zuletzt, wenn Evan seine Stücke live auf der Akustikklampfe vorträgt (im September 2012 wird es hierzulande wieder soweit sein). Auf Platte machen sie sich in voller Bandmontur aber eben auch hervorragend. Dies gilt gerade auch für die ruhigeren und sanfteren Songs, wie No Good Before Noon, Connecticut Steps, Where Your Nights Often End und Midnight: Carroll Street. Letzteres ist vermutlich so etwas wie die emotionale Perle des Albums.

Zwölf Stücke hält Proper in knapp 35 Minuten bereit und präsentiert sich als eindringlich-emotionales, zugleich aber fröhlich-neckisches Kunstwerk, woran vorrangig die sympathischen und teils anekdotischen Texte Evans ihren Anteil haben. Die ebenfalls sympathische, teils flotte, teils ruhige Grundstimmung der Platte trägt ebenso einen entscheidenden Part bei.

Wenn Evan Weiss einmal an der Tür auf dem Cover anklopft: man sollte ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit reinlassen. Bereuen wird man es sicherlich nicht.

Anspieltipps: Discretion & Depressing People, Write It Right, Midnight: Carroll Street

8/10

(Martin Oswald)

Hidden By The Grapes

Es gibt ja immer so kleine Dogmen, an die man den jeweiligen Musikgeschmack ein wenig ausrichtet. Dieses oder jenes Label? Kannste bedingungslos zugreifen. Wird von einem bestimmten Magazin gelobt? Musst du dir kaufen. Und so weiter. Ihr wisst ja, was gemeint ist. Dieses mal also: Gute Musik kommt aus Österreich. Ja wirklich, im Spannungsfeld zwischen Mozartkugeln und Thomas Bernhard, zwischen Prater und Andreas Hofer entsteht eine ganze Menge spannender Kompositionen.

Da wären zum Beispiel die hier nicht erst ein mal erwähnten Rika, die schmerzlich spüren lassen, wie gut eigentlich Jimmy Eat World mal waren. Und da wären Hiden By The Grapes. Die leihen sich so manche Bestandteile ihres Sound ebenso wie Rika aus den Neunzigern, aus einer Zeit, in der Emo noch nichts mit Kajal und fiesen Scheitelfrisuren zu schaffen hatte. Dazu eine feine Portion Noise und eine Spur des At The Drive-Inschen Wahnsinns . Fertig ist eine Band, die man für die Zukunft vielleicht wirklich auf dem Schirm haben sollte. Man höre nur das verlinkte In Bubbleguns oder am besten gleich die ganze, eben erst frisch erschienene Platte If Radios Spoke With Their Hearts. Und da ich eben Wahnsinn erwähnt habe: