News 29/05/12

+++ Fangen wir doch gleich an mit Laura Jane Grace Gabel, beziehungsweise mit ihrer Band Against Me!. Die haben nämlich eine neue Platte aufgenommen, die auf den Namen Transgender Dysphoria Blues hören wird. In Anbetracht der Tatsache, dass sich Gabel, deren Name bis vor wenigen Wochen noch Tom war, seit zwei Wochen einer hormonellen Behandlung unterzieht, ein äußerst logischer Titel. Ob und wie sich diese Behandlung auf ihre Stimme und die Band auswirken wird, ist bislang nicht abzusehen, wird allerdings im Lager von Against Me! mit Spannung erwartet. Jedenfalls hat Grace Gabel inzwischen den ersten öffentlichen Auftritt hinter sich gebracht. Und nun, wer nun eine völlige Veränderung oder gar Verkleidung erwartet hat, hat falsch gedacht. Und jetzt überlassen wir Grace das Wort:

+++ Weiter geht es mit den Japandroids. Die veröffentlichen am 8. Juni ihre neue Platte Celebration Rock. Wer das nicht erwarten kann, kann das Teil schon jetzt ziemlich genau hier hören. Auf Tour kommen die zwei, die klingen wie fünf völlig Durchgedrehte übrigens auch. Wir legen euch deshalb folgende Daten wärmstens ans Herz:

27.08. Frankfurt – Zoom
28.08. Dresden – Beatpol
29.08. Berlin – Magnet
09.09. Jena – Cafe Wagner
10.09. München – 59:1
20.09. Hannover – Glocksee Festival
21.09. Hamburg – Reeperbahn Festival
22.09. Münster – Gleis 22
23.09. Köln – Luxor

+++ Auch ein neues Album gibt es von Mumford&Sons. Wie die VISIONS berichtet, soll dieses Ende September erscheinen. Einen Titel gibt es bislang noch nicht, wie auch sonst wenig Konkretes zu vermelden ist. Fest steht nur, dass die BesucherInnen von Hurricane und Southside ein paar neue Songs zu hören bekommen werden. Die Band ist nämlich bei den Zwillingsfestivals zu Gast.

+++ Und zu guter letzt noch ein weiteres Album. Und zwar von Billy Talent. Auch für dieses Album steht bislang kein Titel fest, böse Zungen gehen allerdings davon aus, dass die Platte anhand der bislang unfassbar kreativen Namensgebung womöglich IV heißen könnte. Aber wie gesagt, böse Zungen. Viel wichtiger als Titelraten ist allerdings, dass es inzwischen die erste Single zu hören gibt. Und die klingt – auch wenn die Band anderes für das neue Material versprochen hat – eben genau so, wie Billy Talent halt so klingen. Bitteschön:

Auf Tour kommt die Band übrigens auch:

29.09. Dresden – Messehalle
30.09. Stuttgart – Schleyerhalle
02.10. München – Zenith
05.10. Winterthur – Eishalle Deutweg
06.10. Hohenems – Event Center
07.10. Frankfurt – Festhalle
09.10. Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle
10.10. Münster – Halle Münsterland
11.10. Hamburg – Sporthalle
13.10. Berlin – Max Schmeling Halle
14.10. Saarbrücken – E-Werk

Hot Water Music – Exister

Genug von schlechten Plagiaten – nun endlich die Orignale aus Gainesville

Nach acht langen Jahren veröffentlichten Hot Water Music vor kurzem ihr neustes Album mit dem Titel Exister. Ein Grund für diese lange Auszeit war nicht etwa die Lange Suche der Frontmänner Chuck Ragan und Chris Wollard nach dem perfekten Karomuster, wie manch böse Zungen behaupten, sondern ihre Solokarrieren und diverse Nebenpojekte der restlichen Bandmitglieder. Sorgte die erste Auskopplung Drag my Body schon für Begeisterungsstürme, wurde ich von der Qualität einiger Songs des neuen Albums bereits beim Live Auftritt der Band am Groezrock 2012 komplett überzeugt. Doch wie verhält es dich nun mit dem kompletten Album?

Kaum berührt die Nadel die Platte, sind die acht Jahre Wartezeit wie verflogen und Hot Water Music legen mit Mainline eine absolute Punktlandung für den Einstieg hin. Die Dynamik baut sich langsam auf um schlussendlich im Refrain zu explodieren und die Marschrichtung für den Rest des Albums festzulegen. In dieselbe Richtung gehen die beiden Auskopplungen Sate of Grace und Drag my Body, die die erste Hälfte des Albums krönen und jetzt schon zu den Klassikern einer jeden Show zählen dürften. Alle positiven Hot Water Music Clichés werden erfüllt und sollten nicht nur Fans der alten Schule gefallen. Chuck Ragan übernimmt die eingängigen Parts, während Wollard für die Ecken und Kanten zuständig ist und was wäre ein Hot Water Music Album ohne das versierte Spiel der Rhytmusfraktion rund um Black und Rebelo. Danach folgt mit dem Song Safety ein kleiner Durchhänger, plätschert dieser Track einfach nur vor sich hin ohne wirklich mitzureißen. Vielleicht ist das aber auch einfach das Schicksal eines Songs der nach so einem Brett wie Drag My Body kommt. Seide B wartet mit nicht weniger guten Songs auf. Speziell Plegde Wore Thin soll hier hervorgehoben werden. Denn textlich sondert sich der Song, durch sein politisches Thema doch sehr vom Rest des Albums ab, obwohl es musikalisch die für Exister typische Verbindung von Punkrock Grundstimmung und Country Elementen gibt. Die restlichen Songs, wie Take No Prisoners und The Traps reihen sich sowohl qualitativ als auch musikalisch perfekt ins Album ein. Allein No End Left In Sight fällt etwas zu unspektakulär aus, ohne jedoch an der Qualität des Albums zu kratzen, denn mit Paid In Full erwartet dem Hörer ein hervorragender Abschluss, bei dem Chuck Ragan noch einmal zeigt, was alles in seiner Stimme und die Kollegen Black und Rebelo in ihren Instrumente steckt.

Exister ist ein grandioses Album geworden, das fast durchgehend das hohe Niveau von Songs wie State of Grace oder Drag my Body halten kann. Allein ein, zwei Stücke fallen musikalisch etwas zurück, ohne jedoch das Gesamtbild des Albums zu trüben. Die Reibeisenstimmen von Wollard und Ragan wissen nach all den Jahren sofort wieder zu begeistern. Ebenso verhält es sich mit den hymnenhaften Sing-A-Longs sowie der typischen Hot Water Music Instrumentierung. Exister knüpft  an den Vorgänger The New What Next, aus dem Jahr 2004 an, auch wenn der ehemals raue Punkrock der früheren Jahre, mehr und mehr durch rockige Elemente ersetzt wird, was der Einzigartigkeit des Hot Water Music Sound jedoch nicht schadet. Bleibt zu hoffen, dass es bis zum nächsten Lebenszeichen der Band nicht wieder acht Jahre benötigt.

(Dominik Iwan)

Donots – Wake the Dogs

Bellende Hunde beißen nicht

Seit einigen Wochen steht das nun mehr neunte Studioalbum der Donots in den Läden und stieg direkt in die oberen Chartregionen ein. Wer die jüngste Vergangenheit dieser sympathischen Band aus Ibbenbüren kennt, wird ihnen ihren Erfolg gönnen, waren sie doch vor einigen Jahren ohne Label und der Gunst des breiten Publikums auf sich alleine gestellt. Anstatt aufzugeben nahmen die Donots ihr Schicksal selbst in die Hand, gründeten ihr eigenes Label mit dem Namen Solitary Man Records und versuchten sich fernab des reinen Punkrocks neu zu definieren. Vor allem das letzte Album Long Way Home, zeigte das die Donots endlich angekommen sind und sich in der Mixtur aus Punkrock, Folkrock und melodischen Hymnen einfach wohlfühlen. Für das neuste Werk mit dem klangvollen Titel Wake the Dogs wurde wieder die Nähe zu den Majors gesucht und in Form von Universal Music auch gefunden.

Die Erwartungshaltung war groß, stellte Long Way Home doch das bisherige Meisterstück der Donots dar. Auch die erste Auskopplung, der Opener Wake the Dogs, zeigte deutlich, dass man den vor Jahren eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgen wollte. Die darauf folgenden Titel wie Into the Grey und Come Away With Me schlagen in dieselbe Kerbe und wissen sofort zu begeistern. Wer allerdings davon ausgeht, dass es so über das gesamte Album weiter geht wird wohl enttäuscht werden. Denn ganz im Sinne der Donot`schen Philosophie bedeutet Stillstand gleich Tod und ist nur durch permanente Weiterentwicklung zu verhindern. So wird ab dem Song You`re so Yesterday weiter fröhlich herum geschraubt und mit verschiedenen Stilen, mal mehr, mal weniger gelungen experimentiert und auf vergangene Helden, wie The Clash, Iggy Pop oder den Punkrappern vonTransplants, verwiesen. Gerade die Songs Born a Wolf und Don´t ever look down sind hierfür sehr passende Beispiele. Ob Electro-Anleihen oder Synthie-Einsatz, wie bei Control, die Donots machen auf Wake the Dogs nur das, worauf sie gerade Bock haben, um mit dem Schlusstrack So long, eine wunderschöne Schlusshymne – eingespielt mit Frank Turner, den Kreis zum Anfang des Albums zu schließen.

Was bleibt ist ein buntes Potourri aus Poppunk, Rock, Folkattitüde und melancholischen Hymnen die durchaus Spass machen, oft aber zu glatt,  zu sauber und beliebig klingen. Das Album wirkt nicht wie aus einem Guss, lässt einen gewissen roten Faden vermissen und klingt dadurch eher wie eine Compilation. Trotz allem Mut zur Veränderung hätte man sich hier und da kleine Abstriche zu Gunsten des Gesamtwerkes gewünscht. Ob man das jetzt gut oder schlecht findet, sei dahin gestellt. Nichtdestotrotz ist Wake the Dogs ein gelungenes Album, der große Wurf ist es allerdings, bis auf einige Songs, nicht geworden.

(Dominik Iwan)

Admiral Fallow – Tree Bursts In Snow

Das letzte bisschen Folk

Immer wieder die selbe Platte auflegen ist ziemlich langweilig. Nicht nur, weil sich jede Platte irgendwann zwangsläufig abnutzt, im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch, weil es für alle Beteiligten enorm ermüdend ist, immer wieder die Story vom gleichen Pferd zu hören. Dieses mal soll es also keine galligen Bemerkungen geben, gegen den guten, alten Folk und alles was mehr oder minder fahrlässig in dessen Dunstkreis verortet wird. Dieses mal wird nicht lamentiert, dass Mumford&Sons nicht nur in den so genannten alternativen Kreisen (zurecht, wohlgemerkt) rauf und runter gespielt wurden, dass Of Monsters And Men (und das haben die Armen nun wirklich nicht verdient) sogar BILD-LeserInnen ans Herz gelegt werden. Das Ende der Beschwerde quasi. So mit PeterLicht gesprochen. Na gut, jetzt steht es ja doch wieder in den Eröffnungszeilen, in diesem Falle allerdings als Absage. An sich selbst. Also: Gemeckert wird nicht. Warum auch? Schließlich geht es hier nicht darum, die Befindlichkeit eines ganzen Genres aus der aufgesetzten Perspektive des Kulturpessimisten zu skizzieren, sondern um die fünf SchottInnen von Admiral Fallow. Genauer gesagt, um deren neue Platte.

Diese tritt nämlich jetzt, nach weniger als zwei Jahren, die Nachfolge ihres hochgelobten Vorgängers Boots Met My Face an. Ein schweres Erbe, könnte man nun bedeutungsschwanger anheben, aber sparen wir uns das. Tree Bursts In Snow – so heißt die Platte nämlich – will von Schwere nichts, aber auch gar nichts wissen. Dieses neue Machwerk spielt viel lieber, ganz unbeschwert, mit Akustikgitarren, mit luftigen Klaviermelodien, mit Streichern und Flöten. Und nicht zuletzt mit mehrstimmigen Gesangsharmonien. Soweit so gut, haben andere ja auch gemacht, und doch wurde sich  beschwert, möchte man einwenden. Allerdings gehen Admiral Fallow die Sache ein wenig differenzierter, ein wenig unaufgeregter, ja schlichtweg ein ganze Ecke unaufdringlicher an. Natürlich geistern hier die oben genannten Referenzen durch die Songs, nur halten sich die Stücke auf diesem Album viel lieber zurück und geben ihren Charme nur ungern preis. Neben der schieren Freude an der Melodieseligkeit findet sich hier auch die Opulenz von Dry The River und die Tiefgründigkeit von Frightened Rabbit. Dann passiert es eben glücklicherweise, dass man sich, nachdem man zum ersten mal ans Ende der Platte und damit zum herrlich windschiefen Schunkler Oh, Oscar gelangt ist, beim Suchen der Repeat-Taste erwischt. Diese Band fährt das letzte bisschen Folk auf, und das ist als Kompliment gemeint. Eine so lebensfroh die ausgeklügelten Arrangementtreppen rauf und runter hüpfende Gesanglinie, wie sie das eröffnende Tree Bursts auf seiner Habenseite verbuchen kann, hat man sich schon lange mal wieder gewünscht. Vor allem, wenn sie sich im Refrain mit leichten Uh-uhs die Hand gibt, als ob es nichts logischeres gäbe. Beetle In The Box vergisst dann sogar für einen Moment alle Zurückhaltung und wagt sich ganz ungeniert in den Engtanz mit dem Pop – und es funktioniert ganz prima. Old Fools hat dann eine verschleppte Klaviermelodie dabei, die allerdings von spinnerten Flöten abgefangen wird, ehe man ihrer überdrüssig und Isn’t This World Enough darf sich samt Orgel als feine Pub-Nummer präsentieren. Der eigentlich Höhepunkt, auf den sich dieses Sammelsurium allerhand listiger Einfälle zubewegt, ist aber trotz alledem The Way You Were Raised. Das flötet beschwingt nach vorne, mit anfänglicher Vorsicht raus aus dem Pub, rein in den Sonnenaufgang. Das mit der Vorsicht hat sich dann allerdings schnell erledigt, spätestens wenn sich der Song mit einem beherzten Schrei, dessen alleinige Existenz das Album über so einige andere hievt, losreißt und die großen Chöre im sich aufschaukelnden Finale in Empfang nimmt. Das Oh, Oscar herrlich ist, wurde schon erwähnt? Ja? Gut.

Kurz gesagt, ist diese Platte jetzt aber wirklich das Ende der Beschwerde: 8/10.

(Martin Smeets)

signalsundertests – Nascent

Ja was ham’mer denn da?

Es ist ja immer so ziemlich der spannendste Moment, wenn wir in neue Musik, die uns so erreicht, zum ersten mal reinhören. Was mag da wohl kommen? Werden die Erwartungen, die durch Artwork und Songtitel zunächst vorsichtig geweckt werden, erfüllt? Oder haut man – wie so oft – völlig daneben? Jetzt also signalsundertests unter Federführung eines gewissen Richard Graham, ursprünglich aus Nordirland, jetzt aber in den USA lebend. Der Waschzettel erzählt von einer Spannweite zwischen Ambient und Progressive, die Songs heißen unter anderem selah i bis selah vi und kapelle. Songskulpturen sollen das sein, die dann zu ihren HörerInnen sprechen.

Was erwartet man da also? Hartes Brot eigentlich, mindestens aber einen ziemlich verschwurbelten Brocken Musik. Und das stimmt dann auch. Nascent gibt sich zunächst ungefähr so zugänglich, wie es ein Igel gegenüber einem vorbeifahrenden(!) Reisebus täte: Es gibt im ersten Anlauf überhaupt nichts von sich Preis. Da wabern die Electronicateppiche im Hintergrund, da grollt ein fast schon technoid wirkender Bass. Immer wieder täuschen wahlweise Steel- oder E-Gitarren eine Melodie, eine Songstruktur an, nur um das Ganze doch wieder um gediegenen Sande verlaufen zu lassen. Die drängende Frage dabei lautet: Meine Güte, wer soll das denn jetzt verstehen? Ambient galore ist das, den Kopf voller Flausen. Und doch kommt man irgendwann in diesem Album an, bekommt eine Ahnung davon, was das alles soll, findet sich wieder und doch nicht zurecht. Das über acht Minuten lange axon zum Beispiel ist so eine erwähnte Songskulptur in die man sich gerne hineinlegt. Ob man sich dabei irgendwo in einem federleichten, abgehobenen Trip durch die Wolken, oder in einer tiefschwarzen, heruntergekommen Großstadtviertel wähnt, wird nicht abschließend klar. Die unterschwelligen Hintergrundgeräusche mitsamt Sirenen sagen Großstadt, die fluffigen Gitarrenparts sagen Wolkenland und Glücksbärchis. Den Kopf voller Flausen eben. Wie gut, das nicht alle Songs so undurchschaubar daherkommen. Da wäre noch selah ii, das in seinen zwei Minuten voll bedrohlicher Soundscapes keinen Zweifel lässt: Mit diesem Song möchte man sich lieber nicht anlegen. Noch eindeutiger geriert sich dann keep me (143). Das hat nämlich so etwas wie einen Beat. Und vor allem  Gesang. Wer hätte das noch auf dem Schirm gehabt? Richtig, niemand.

So, und wie klingt das ganze nun? Nun in Teilen, wie dem wahrhaft grandiosen quiet arcs kann man den Ambient der frühen Sigur Rós – also zu Von-Zeiten – erkennen. Nicht allzu viel Struktur, ein unterkühlter Charakter, aber dafür aber eine unheimliche atmosphärische Dichte. Eine Beschreibung, die sich ohne größere Probleme auf Nascent münzen lässt, wobei sich zwischen Wabern, Pluckern und Dröhnen doch immer wieder ein paar Längen finden. So ist dieses Album nun wirklich nicht einfach. Man muss es ja nicht ein mal gut finden. Wer sich allerdings auf die Stunde voller Musiklandschaften einlässt, findet das alles mindestens interessant. Das meint: 6/10.

(Martin Smeets)

News 22/05/12

+++ Verdächtig lange war es still um The xx, die Sensationsband aus dem Jahre 2009, die es wie keine zweite verstanden hat, über minimalistische Instrumentierung Indie und Electronica zusammenzuführen, als ob es nichts einfacheres gäbe. Jetzt kommt die Band wieder ins Rollen, ein neues Album wird es geben, Titel und Veröffentlichungsdatum bleiben aber bislang nebulös. Dafür gab es bei den kürzlich erfolgten Auftritten bereits zwei neue Songs zu hören. Ob diese das Niveau des Debuts halten können, ist hier zu infolge der nicht eben grandiosen Soundqualität leider nur zu erahnen. Aber immerhin:

+++ Ins Rollen kommen auch Defeater. Die gehen nämlich gemeinsam mit den Former Thieves auf Tour. Wer sich das ansehen möchte, sollte bei einem der folgenden Termine vorbeikommen:

30.06. Münster – Skaters Palace
08.07. Alphen – Het Kasteel
09.07. Hamburg – Logo
10.07. Schweinfurt – Alter Stattbahnhof
11.07. Salzburg – Rockhouse
12.07. München – Feierwerk
13.07. Köln – Essigfabrik
15.07. Gießen – MUK
16.07. Zürich – Dynamo
19.07. Wien – Aera
21.07. As – Vlamrock

+++ Und wo wir gerade beim Hardcore sind: Verse sind zurück. Nun gut, diese Meldung ist inzwischen schon an einigen Stellen erwähnt worden. Neu ist allerdings, dass eine neue Platte vor der Tür steht, die da Bitter Clarity, Uncommon Grace heißen wird und am 17. Juli auf die Welt losgelassen wird. Bevor dies geschieht, gibt es allerdings zunächst mit The Selfless Of The Earth einen anständigen Einheizer:

+++ Wieder da sind auch: Sparta! Die Band, die man gedanklich immer mit Ausrufezeichen brüllen will schickt mit Chemical Feel einen ersten neuen Song ins Rennen:

+++ Nicht wieder da im eigentlichen Sinne, aber dennoch mit einem neuen Album vertreten sind auch die altgedienten Pop-Punker von The Offspring. Nachdem da seitens der Band bereits Days Go By präsentiert wird, gibt es jetzt auch einen zweiten Song zu hören. Und zwar Cruising California (Bumpin‘ in my Trunk). Und ja, es ist genau so, wie es der Titel nicht eben subtil andeutet: Der Song stellt sich in eine Reihe mit Pretty Fly (For A White Guy) und Original Prankster, treibt das Winken mit ganzen Gartenzäunen aber wirklich auf die Spitze. Ob das nun lustig ist oder nicht und ob es das wirklich braucht, können nun alle für sich selber entscheiden:

The Postal Service – Give Up

Raus!

Es ist wohl einer der kürzesten Gedanken und eines der simpelsten, aber gleichzeitig eindringlichsten Verlangen: Raus. Ob bei strahlender Sonne in muffigen Klassenzimmern oder in Autos ohne Klimaanlage, ob nach der x-ten Woche voller Überstunden, ob während eines fürchterlich langweiligen Films. Irgendwann will man einfach raus, weg, am besten so weit wie irgend möglich. Und wenn schon nicht physisch, dann wenigstens im Kopf. So oder so ähnlich muss auch Ben Gibbard gedacht haben, als er sich kurz nach der überlebensgroßen Death Cab For Cutie-Platte Transatlanticism mit Jimmy Tamborello von Dntel zusammengetan hatte, um unter dem Banner von The Postal Service entspannt eine etwas andere Platte aufnehmen zu können. Raus aus den Erwartungshalten, rein ins Experiment. Weg von den Saiten, hin zu den Reglern. Oder so.

Give Up ist also das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Tamborello (das übrigens seit nunmehr neun Jahren auf einen Nachfolger wartet) und es übertrifft etwaige Erwartungen, die man an ihre Protagonisten stellen hätte können. Und zwar um ein Vielfaches. Was Gibbard und Tamborello in diesen knapp 45 Minuten vollführen, ja zelebrieren, spottet jeglicher Beschreibung. Die Gitarren wurden im großen und ganzen zur Seite gelegt, um Platz zu machen für ausufernde Sythies und nicht enden wollende Klangteppiche. Und natürlich für den jederzeit wie die Faust aufs Auge passenden Vortrag von Ben Gibbard. Wer sich ob der musikalischen Neuorientierung ernstlich Sorgen macht, aus Angst vor fiesen Keyboards und 80er-Jahre Büchsenbeats, dem sei Erleichterung versprochen. Wie sich allein The District Sleeps Alone Tonight zunächst verschlafen mit seinen Streichern aufrappelt, wie Streicher und Chöre die Projektionsfläche nach ganz weit draußen bilden, verdient schon das Wort bezaubernd. Wie Sleeping In stellvertretend für das gesamte Album jederzeit tief in seiner Mitte ruht, einlullt und die HörerInnen mit sich nimmt, wie Nothing Better sogar unfallfrei ein bisschen Tetris-Feeling in den Sound mit einbaut – man kann nur staunen. Da passt es dann auch nur ins Bild, dass die subtile und unvermittelte Härte von This Place Is A Prison nach dem doch eher gut gelaunten We Will Become Silhouettes völlig logisch und nahezu nötig wirkt – hier greift alles ineinander. Und wenn sich Brand New Colony auf den Weg macht und in seinem Verlauf immer größer und schöner wird, dann ist es ohnehin längst geschehen. Selbst wenn zum Abschluss nichts anderes als das Sample eine Kreissäge anstatt des treibenden Natural Anthem zu hören wäre, man würde es durchwinken. Und womöglich sogar noch gut finden. „I want to take you far from the cynics in this town.“ Man wäre sofort dafür zu haben.

Diese Platte ist mehr als nur 45 Minuten Musik. Give Up ist so organisch in seiner Zusammenstellung, das man meinen möchte, die Platte führe ein Eigenleben. Es quietscht, es knarzt, es fiept und kracht, dass es nur so eine Freude ist. Immer wieder kommt überraschend ein fein ziselierter Beat vorbei, grüßt recht freundlich und zieht wieder von dannen um Platz zu machen für die nächste große Melodie, den nächsten grandiosen Einfall. Mit Aufgeben hat dieses Album auf jeden Fall so gut wie nichts am Hut. Vielmehr zelebrieren Gibbard und Tamborello hier die Liebe zur Musik, und zwar ohne jede Spur von Pathos. Und sie widerlegen nebenher so ziemlich alles, was man elektronischer Musik landläufig (und oftmals nicht ohne Grund) so vorwirft. Gefühllos, kalt, distanziert oder monoton ist dieses Album keine Sekunde, im Gegenteil, man wurde wohl selten herzlicher von einem Synthie in den Arm genommen und hinfort getragen als hier.

Um es kurz zu machen: Diese Platte ist zauberhaft. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Und weil wir seit zwei Minuten wieder mit einer Bewertungsskala operieren: 9/10.

(Martin Smeets)

Global Valtari Listening Party

Ein Begriff, der vor einigen Jahren noch gänzlich unbekannt war, ist mittlerweile aus der Musikbranche nicht mehr wegzudenken: der Stream. Dieser bezeichnet einen Vorgang, bei dem ein Musikalbum in der Regel im Vorfeld der offiziellen Veröffentlichung im Internet kostenfrei zum Anhören dargeboten wird. Dabei haben sich verschiedene Varianten etabliert: mal stellt die Plattenfirma ein Album online, mal übernimmt dies ein Online-Magazin, mal stellt irgendwer das Album bei Facebook, Bandcamp, Soundcloud, Youtube oder wo auch immer rein. So weit, so gut.
Will man aus dem Streamvorgang etwas besonderes machen, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Denn einfach irgendwo reinstellen – damit kann man niemanden mehr jagen oder vom Hocker reißen.

Was tut man also, wenn man eine Band ist, die auf fast jedem Gebiet alle Konventionen und Maßstäbe bricht? Was tut man, wenn man Sigur Rós ist?
Tja, man setzt natürlich auch beim Stream neue Maßstäbe: am Donnerstag den 17.05.2012 wird in jeder Zeitzone dieser Welt um Punkt 19.00 Uhr für genau eine Stunde das Ende Mai erscheinende Album der Band namens Valtari gestreamt. Das Ganze nennt sich dann Global Valtari Listening Party und findet genau hier statt.
Falls die Server nicht zusammenbrechen, dürfte dies eine ziemlich fulminante Party werden. Viel Spaß beim Feiern!

Hello, my name is Evan and this is Into It. Over It.

Into It. Over It.
Heimat, Regensburg
13.05.2012 

Evan Weiss lümmelt auf dem Fensterbrett, um ihn und die Theke herum eine Handvoll Leute. Wann fängt das Konzert an? Eigentlich hätte es schon anfangen müssen, aber vielleicht kommen ja noch ein paar. Der Konzertbeginn wird noch ein bisschen nach hinten geschoben. Und in der Tat versammeln sich bis 22 Uhr gut zwanzig gespannte ZuhörerInnen in der Regensburger Heimat um dem kleinen bärtigen Mann alias Into It. Over It. zu lauschen.

Von zuhause (Chicago) sei er weit weg, umso mehr freue er sich so freundlich empfangen zu werden. „It´s amazing, thanks guys!“ – das sollte er noch so einige Male wiederholen. Weil nach Evans Dafürhalten die Leute nach dem ersten Song in der ohnehin kleinen Heimat noch zu weit weg stehen, werden alle kurzerhand gebeten, sich ein Stück nach vorne zu bewegen… Kissen werden also gereicht und es wird sich zumeist sitzend am Boden bequem gemacht. Kuschelige Wohnzimmeratmosphäre also. Wunderbar. „Hello, my name is Evan and this is Into It. Over It.“ – und dann geht´s richtig los.

Vom ersten Ton an merkt man, dass auf dem Barhocker gegenüber ein absolutes Ausnahmetalent sitzt. Ein versierter Gitarrist, ein hervorragender Sänger und ein über alle Maße begabter Songwriter. Alles in einem. Ein fröhlicher Geschichtenerzähler ist er obendrein auch noch. Da geht es um das Tagebuch der Ex-Freundin mit Doppelleben, gruslige Nachbarschaftsgegenden, gestohlene Fahrräder, Städte, das Sich-Aussperren aus dem Geschäft, im Suff gestochene Tattoos und und und. Allerlei Alltags- und Herzensangelegenheiten weiß Evan Weiss anregend und amüsant zu schildern. Dabei spielt er Songs aus allen Schaffensphasen seiner ambitionierten Projekte 52 Weeks, 12 Towns, dem Split mit Koji IIOIKOJI, vor allem aber von seiner aktuellen Platte Proper. Was dort in Bandversion daherkommt, funktioniert auch mit Akustikklampfe hervorragend. Ohnehin werden Songs wie Embracing Facts, Write it Right oder Midnight: Carroll Street entscheidend von Evans Stimme und seinen ausgefeilten Gitarrenmelodien getragen. Und so fügt es sich ganz exzellent, wenn er seine Pop-Punk-Lieder singer/songwriterisch darbietet. Und die wundervolle Darbietung macht ihm sichtlich Freude. Zweimal lässt er sich zu Zugaben regelrecht auffordern, nicht weil er keine Lust mehr hätte, sondern weil er niemanden langweilen und traurig machen möchte. Und dann möchte er auch nicht, dass der Abend mit dem traurigen Connecticut Steps endet. Also legt er noch einen fröhlicheren Song drauf.

Die Anwesenden danken es ihm mit langanhaltendem Applaus, traurig oder gelangweilt ist niemand. Vielmehr blickt man in höchst erfreute und beeindruckte Gesichter. Schließlich wohnt man ja nicht alle Tage einer solch schönen Begegnung mit einem kleinen bärtigen Mann bei. Nun ja, „My name is Evan and this was Into It. Over It. – It was amazing, thanks guys!“. Recht hat er.

Im September und Oktober ist Into It. Over It. hierzulande erneut unterwegs – dann übrigens gemeinsam mit La Dispute, Title Fight und Make Do And Mend.

(Martin Oswald)

News 14/05/12

+++ Eigentlich ist es überflüssig zu erwähnen. Ihr wisst es, wir wissen es: Hot Water Music sind wieder da. Und zwar nicht mehr lediglich auf den Bühnen dieser Welt, sondern auch endlich wieder beim Plattenladen des Vertrauens. Exister heißt also das neue Album. Und hören kann man es inzwischen auch in voller Länge, und zwar bei Spin. Obendrauf gibt es übrigens noch Kommentare der Band zu jedem einzelnen Song. Und zur Erinnerung: Das Album erscheint am 18. Mai.

+++ In anderen Gefielden unterwegs: The Magnetic Fields. Die Pendeln mit ihrer Musik seit auch schon über zehn Jahren irgendwo zwischen Synthiepop und Noise umher und haben auch vor nicht allzu langer Zeit eine Platte – namentlich Love At The Bottom Of The Sea – veröffentlicht. Und weil zu jedem Album mindestens eine Single gehört, gibt es, ganz wie es sich gehört, ein neues Video zur zweiten Single Quick. In dem etwas spinnerten Stück gibt es dann Menschen in Mülltonnen, die – ganz dem Songtitel entsprechend – besser schnell handeln sollten. Für alle neugierig gewordenen empfiehlt sich ein Besuch bei Dailymotion.