Nada Surf – Neue Single

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Wie hier bereits berichtet wurde, bringen Nada Surf zu Jahresbeginn eine neue Platte unter die Menschen. Jetzt gibt es auch eine Single dazu, die „Waiting For Something“ heißen wird. Da Nada Surf nun aber mal nicht so sind und Soundcloud eine ziemlich gute Sache ist, kann man das gute Stück bereits jetzt hören.
Was die Single selber betrifft, kann man wohl durchaus behaupten, dass die Vorfreude nach dem ohnehin schon recht guten „When I Was Young“ noch einmal gesteigert wird.

https://player.soundcloud.com/player.swf?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F28579715 Nada Surf – Waiting for Something by www.ohfancy.de/blog

  1. Bild: http://www.kulturteil.ch/

Was sonst noch geschah

I. Boysetsfire lösen sich wieder auf! Ok, kleiner Scherz, die letzte Welle von Auflösungen hat eine gewisse Paranoia hinterlassen. Also nun: Boysetsfire sagen zwar „servus“, allerdings nicht als Band, sondern zu ihrem bisherigen Bassisten Robert Ehrenbrand. Dieser hatte den Posten am Bass vor der Veröffentlichung von „The Misery Index“ übernommen und verlässt die Band nun. Nicht im Streit, wie von Seiten der Band zu hören ist. Und allen, die jetzt nervös auf ihrem Stuhl herumwetzen sei ein Satz der Band ans Herz gelegt: „Wir machen so lange weiter, wie ihr uns lasst.“
Na bitte.

II. Placebo verkünden auf Facebook, dass es morgen ganz doll aufregende Neuigkeiten geben soll. Wie diese Neuigkeiten nun aussehen sollen, wissen wir nicht. Wir wissen allerdings, dass die Band vorhat, 2012 den Weg ins Studio anzutreten, um einen Nachfolger zur einigermaßen mediokren „Battle For The Sun“ einzuspielen. Näheres: Wahrscheinlich morgen.

III. Frank Turner konzertiert heute Abend in Köln. Das Konzert wurde allerdings verlegt, und zwar ins E-Werk. Einlass ist somit jetzt um 20 Uhr und an die 500 Tickets gibt es auch wieder. Wer in der Kölner Ecke also heute Abend noch nichts vorhat: Nichts wie hin da.

IV. Keine News im eigentlichen Sinne, aber eine nachdrückliche(!) Empfehlung: Morr Music. Keine Band im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein kleines, aber ganz vorzügliches Plattenlabel. Alle, die mit so Zeugs wie Lali Puna, Múm, Electric President oder FM Belfast was anfangen können, sollten da mal den Backkatalog durchforsten. Oder einfach mal ein bisschen hineinhören. Zum Beispiel hier.

V. Kristopher Roe (wir müssen wohl nicht mehr erklären, dass es sich um den Frontmann von The Ataris handelt) hat eine Soloplatte angekündigt, zwei mal verschoben und inzwischen tatsächlich veröffentlicht. Wer das Teil haben möchte kann das auf der bandcamp-page tun. Und zwar zu einem selbst gewählten Preis, wie es sich für gute Menschen wie Roe nun mal gehört. Im Übrigen: „Hang Your Head In Hope“ heißt die Platte. Wer zuerst reinhören will, bitteschön:

Hang Your Head in Hope by Kristopher Roe

VI. Anti-Flag beehren uns 2012 mit einer neuen Platte. Das weiß zumindest das geschätzte OX-Fanzine zu berichten. Wir finden: Geil!

VII. Justin Greaves, seinerseits Mitglied bei Crippled Black Phoenix zieht in den Krieg. Und zwar gegen niemand geringeren als Gerard Way, seinerseits wiederum Frontkajalträger bei My Chemical Romance. Okay, das war jetzt tendenziös, aber da Ways Band seit zwei Alben konsequent auf dem Weg in die tiefsten Abgründe der Lächerlichkeit ist (das war schon deutlicher), erlauben wir uns das einfach mal.
Die Kriegerklärung gibts übrigens hier:

Justin Greaves – Declaring war on Gerard Way.

„May i draw your attention to something….I am personally offering Gerard Way (My Chemical Romance) a chance to explain his apparent lack of responsibility towards his young fans. Not for the first time i have been confronted with a downright idiotic statement from him which anyone with half a brain can realise is damaging to a young impressionable mind. Gerard Way, you are a fucking disgrace… Give me 5 minutes with the guy and i’ll show him just how fucked up his life can be. CRETIN.

OK, so you understand, i’m not following this fool as i’m sure you can tell i’m not a fan… nor do i care about him… that is untill i kep seeing his statements, and having a 14yr old daughter who does follow him, i see his latest post…… something like „no one dies a virgin, life fucks us all..“.. Young kids do not need this immature and idiotic rhetoric giving them seeds of self-doubt, or worse, self-hate. This of course comes after i saw Mr Way state, and i quote „It’s ok to die“ in a well known magazine. I am 100% against cencorship, but i am 100% in favour of responsibility towards an impressionable fanbase. .. I hope i can my one-man tirade against shitbags like this published somewhere, it’s for a good cause!

Thank you for reading.

Justin Greaves.“

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Update: Wir haben uns die Freiheit erlaubt, einen kurzen Blick auf Ways Facebookaccount zu werfen und stellen uns allein schon wegen der penetranten Verwendung von Herzchen mit allem, was wir haben, auf die Seite von Justin Greaves

Jim Ward – Quiet In The Valley, On The Shores The End Begins

So eine gestandene Karriere als Musiker kann Jim Ward ja nun eigentlich locker vorweisen. Mitglied bei den längst verflossenen At The Drive-In, Frontsau bei Sparta, die sich spätestens mit ihrer letzten Platte „Threes“ aus dem Schatten von The Mars Volta gespielt haben und übrigens an einer neuen Platte werkeln, dazu noch nach eigenem Gutdünken Pausieren und Wiederkehren können, das volle Programm. Nur die Soloplatte fehlte bisher noch. Auf diesem Gebiet hatte Ward bisher nur ein paar EPs aufgenommen und eher heimlich unter die Leute gebracht.
Jetzt also ein ganzes Album nur von und mit Jim Ward. Nun gut, nicht ganz. Eigentlich, und das erklärt den fürchterlich sperrigen Titel, haben wir es hier mit einer Zusammenstellung der bisherigen EPs „Quiet In The Valley“, „On The Shores“, „The End Begins“ und „The Electric Six“ zu tun. Und eigentlich singt auch Tegan Quinn ein bisschen mit. Könnte gut werden. Ist es auch.
Wer sich vom wohl hässlichsten Cover aller Zeiten nicht abschrecken lässt, bekommt durchaus etwas geboten. Ward stellt sich mit seiner Stimme vor die Tür, meistens lediglich von der Akustischen begleitet und zeigt, dass er mehr kann, als sich über bratzenden Gitarren auszutoben. Dass seine Stimme giftige Post-Hardcore-Brocken zusammenhalten kann, wussten wir bereits. Dass Ward auch den Zurückgelehnten kann und ihm die ruhigen Tonlagen ausgezeichnet stehen, hingegen noch nicht.
„Mystery Talks“ könnte auch Dylan versehentlich irgendwo liegen gelassen haben, „Broken Songs“ und „Take It Back“ funktionieren – und das verdient Bewunderung – sowohl im akustischen, als auch im elektrischen Gewand ausgezeichnet. Überhaupt ist es sehr wohltuend, dass nach 14 Songs plötzlich ein zweites „Take It Back“ mit seinem Polterschlagzeug durch die Tür fällt und die folgenden Songs das nötige Wasser in den Wein des Schönklangs schütten. Da scheint sich der gute Jim bei der Zusammenstellung wohl doch etwas gedacht zu haben. Dass das akustische „Decades“ dann noch zu den besten Songs gehört, die Ward jemals auf Band gebracht hat, rundet die Geschichte zusätzlich ab.
Jetzt hat er es also, sein Soloalbum. Zwar ein bisschen zusammengetrickst, aber trotzdem sehr gut. Und doch:
Jetzt wollen wir mal wieder was von Sparta hören.

Die Trostrunde vol.1: Thrice

Thrice sind nicht mehr. Also nicht mehr so wirklich. Zurückgedreht zur Feierabendband könnte man wohl sagen. Wir nehmen diese traurige Nachricht zum Anlass, ein paar musikalische Stationen vorzustellen. Schließlich ist Thrice nicht irgendeine Band, sondern eine von den – aus heutiger Sicht – schuldigen.
Als Wegbereiter dessen, was heute unsere Ohren unter dem Banner „Metalcore“ martert, sind die frühen Thrice schuldig im Sinne der Anklage. Der feine Unterschied: Thrice konnten das, was ihnen viele nachgemacht haben, von Anfang an besser.
Give it up for: „Deadbolt“

Nur: Wo andere auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, haben Thrice ihre Weichen schon umgestellt, die Doublebass zu den Akten gelegt. Sie trauten sich gewissermaßen vor die Tür. Dieses mal: „The Artist In The Ambulance“

Das ebenso betitelte Album sollte sich allerdings nur als kleine Fingerübung herausstellen. Den wirklichen Befreiungsschlag aus der immer enger werdenden Schublade spart sich die Band für ihre nächste Platte „Vheissu“ auf. Selbiges bleibt bis heute für fast alle ihre beste Platte. Kein Wunder, betrachtet man den unglaublichen Riffsport, den zum Beispiel „Of Dust And Nations“ anbietet:

Erst einmal freigeschwommen, war dann Platz für die ganz großen Ambitionen. „The Alchemy Index“ erstreckt sich über zwei Alben und beinhaltet ein Soundkonzept, das sich, oh Wunder, anhand der „Elemente“ Feuer, Wasser, Erde und Luft, orientiert.
Man höre: „Come All You Weary“. Und Staune.

Neues Album, neue Richtungsänderung: „Beggars“ vollzieht den Schwenk zum organischen Rocksound. Dynamik statt Opulenz bietet nun der Titeltrack:

Zum letzten Album gab es dann überraschenderweise mal keinen Stilwechseln, sondern schlicht und ergreifend eine ausgefeiltere Version des Sounds, an dem die Band offenbar schlussendlich gefallen gefunden hat. Bewundern wir also zum Ende: „Call It In The Air“

Thursday machen Schluss. Vorerst.


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Es macht langsam keinen Spass mehr. Da können noch so viele gute Post-Hardcore Bands aus dem Boden schießen, die letzten zwei Tage waren des Guten zu viel. Erst verkünden die immerguten Thrice, dass es in nächster Zeit sehr ruhig um sie werden wird, dann geben Escapado auf. Nun gut, letzteres ist eher verschmerzbar (um ehrlich zu sein: es ist uns wumpe).
Jetzt aber das: Thursday hören auf! Und mit ihnen geht die vielleicht wandelbarste und relevanteste Post-Hardcore Band. Das sie zwar noch verkünden, es handle sich zunächst nur um eine Pause: kein Trost.
Bei so fiesen Tagen bleibt nur noch eins: „Full Collapse“ rauskramen. Oder „A City By The Light Divided.“ Oder „Vheissu.“ Oder „Beggars.“ Oder „The Alchemy Index.“ Oder von uns aus auch „War All The Time.“
Die Liste an furiosen Alben, die Thursday und Thrice auf ihrem Weg hinterlassen haben ist lang.
Wir sagen: Danke. Und zwar mit Pathos.
Viel Pathos.

  1. Bild: http://maryborsellino.com/

Wieder einer von den Guten

Standard. Ein Wort, für das man zumeist lediglich Verachtung über hat, obschon ziemlich Gewöhnliches durchaus seine Vorzüge haben kann. Rhett Miller ist nun so ein Kerl, der eigentlich so ziemlich den aktuellen Standard zwischen Okkervil River, den Fleet Foxes und Mumford&Sons bedient. Die Akustische um die Schulter und mit warmen Melodien drauf los. Der Vorteil: Der Standard, in dem Rhett Miller sich bewegt ist schon verdammt hoch. Und er schafft es, dann und wann eigene Akzente einzubringen.
Wir finden: stark.
Wer neugierig geworden ist, höre bitte hier weiter.

Kettcar – Sylt

Über Kettcar braucht man ja und für sich nicht viel zu schreiben, es ist ohnehin fast alles hinlänglich bekannt. Erst wollte keiner ihre Platte machen, dann der Erfolg und die Klasse von „Du und wieviel von deinen Freunden“, dann der Nachfolger, Tagesschaubeitrag, Chartsplatzierung und das ganze Trara. Die viel bemühte Credibility war dahin, Fans der ersten Stunde wandten sich mit einem routinierten „da hör ich lieber wieder …But Alive“ ab, allerorts wurde der Band der Weg in die Belanglosigkeit vorhergesagt.
Und dann kam „Sylt.“
Ein – ich bitte um Verzeihung – Mistviech von einer Platte. So wohl von niemandem erwartet. Der Rückzug des Marcus Wiebusch vom Politischen ins Persönliche zurück zum Politischen, oder irgendwas in der Art. Befindlichkeitsfixiert geht anders, die EskapistInnen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen ob der neuen – oder, wenn man so will, altbekannten – Töne aus dem Hause Kettcar.
Die Kumpelhaftigkeit und der teils dröge Deutschrockeinschlag, der auf „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ etwas arg Einzug gehalten hat, sind auf „Sylt“ verschwunden. Stattdessen gibt es textliche Präzision, die durchaus auch mal den Weg Richtung Magengegend sucht. „Am Tisch“ und „Verraten“ machen es sich genau dort bequem, liegen schwer, verbreiten dunkle Stimmung. „Geringfügig, befristet, raus“ kulminiert in der finalen Punchline, die das Lebensgefühl einer Generation schmerzhaft auf den Punkt bringt: „Uns ist heute egal, wo gestern noch Hass war.“
„Fake For Real“ macht das Licht gar nicht erst an, „Kein Aussen mehr“ bekommt statt eines Refrains ein alles zerschredderndes Gitarrenfeedback spendiert und die abschließende Trostrunde „Wir werden nie enttäuscht werden“ hätte in dieser Form locker unter dem Etikett „…But Alive“ laufen können.
Die Musik zu der ganzen Kiste darf auch wieder etwas mehr Kante zeigen. Zwar vom Attribut ‚Punk‘ ganz weit weg, hätte man nach der letzten Platte trotzdem wohl kaum Feedbackfiepen, windschiefe Gitarrensoli, ein paar Bratgitarren und ein Baustellensoundsample erwartet. Auch schön: Kettcar wagen sich an Dinge, die man so nicht von der Band kennt. Und scheitern. Die call-and-response-Spielerei in „Wir müssen das nicht tun“ ist schon ziemlich langweilig. „Agnostik für Anfänger“ soll laut Band nach Trail of Dead klingen. Nun, tut es nicht. Nicht im geringsten.
Das macht: nicht die beste, aber die spannendste Platte der Band. „Sylt“ probiert sich aus, lehnt sich aus dem Fenster, wobei es dabei mal glänzt und mal ordentlich daneben langt. Und das ist allemal besser, als sich auf musikalisches Schulterklopfen der Marke Pur zu beschränken.
Ach dazu noch: Kettcar bezeichneten sich einst ja selbst als ‚Pur für Alkoholiker.‘ Hört man „Sylt“, ist da irgendwie ein Fünkchen Wahrheit dran.
So als Kompliment gemeint.

Thrice – nur noch halbe Band

Thrice wird in Zukunft ein paar Gänge zurückschalten und nur noch sporadisch gemeinsam musizieren und auftreten. Dies geht aus einer Ankündigung ihres Sängers und Gitarristen Dustin Kensrue hervor, die am 21.11.11. veröffentlicht wurde. Nach 13 Jahren Bandgeschichte entscheide man sich insbesondere zugunsten von Privat- und Familienleben für diesen Schritt. Kensrue zum Beispiel ist Vater dreier Töchter und seines Zeichens „Worship Director at Mars Hill Church in Orange County“. Es verwundert daher nicht, dass seine Ankündigung mit allerlei Dankbarkeits- und Geschenktralala angefüllt ist.
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Ganz im Sinne von Kensrue meinen wir: Oh Herr, wir bitten Dich, beschenke uns auch in Zukunft reichlich mit Thrice-Musik!

Hier die Ankündigung im englischen Wortlaut.

  1. Foto: hmmagazine.com

Fundstück

Wie sicher nicht allzu schwer zu erkennen ist, ist zumindest einer der Schreiberlinge hier ganz vernarrt in The Ataris, weshalb jede noch so kleine News um diese Band seinen Weg hier her findet. Nun, dieses mal liegt der Fall ein klein wenig anders, sind doch da oben nicht Kris Roe und Konsorten zu sehen.
Das da oben sind Buddies von The Ataris, auf die die Band auch in schöner Regelmäßigkeit hinweist. Gasoline Heart also. In Zeiten von The Gaslight Anthem und dergleichen, in denen allem ein Hauch von „retro“ anhaftet, sind Gasoline Heart nun mit ihrer hemdsärmeligen Musik ganz gut aufgehoben. Innovativ geht also anders, aber wen stört das schon, wenn das Ergebnis so gut klingt, wie bei dieser Band. Zumal hier vermutlich kein Kreationist am Mikrophon steht.
Aber hört selbst:

What Now by Gasoline Heart

206 – Republik der Heiserkeit

„Was bleibt mir anderes übrig, als mit meiner Armut anzugeben?“
Huch, Punk auf Deutsch?! Mitnichten, zum Glück. Das hundert mal gehörte Gedöns aus Gröhlen, Parolen und immer auf die zwölf haben 206 schon hinter sich gelassen, bzw. gar nicht erst nötig. „Republik der Heiserkeit“ also. Eine neue Losung, nicht mehr und nicht weniger soll präsentiert werden. Nun, es gelingt. Also musikalisch auf jeden Fall und das ist an dieser Stelle erstmal ausschlaggebend.
206 rühren Beton an, wollen nicht trösten oder sich kumpelhaft an deine Seite stellen, sie sparen sich ihr Dauerfeuer an schlauen Pointen und Slogans lieber auf, um sie zwischen den Polen Wut, Verachtung und Resignation unterzubringen. Und die Musik dazu? Punk mit einer bluesigen New-Wave-Schlagseite. Oder so. Als ob es nicht völlig egal wäre, wo wir 206 jetzt genau zu verorten haben.
Der Bass knarzt vorneweg und gibt, zusammen mit einem furztrocken abgenommenen Schlagzeug, die Grundrichtung vor, die stets aufs nötigste runtergebrochen ist. Es ist ein großer Verdienst dieser Truppe, dass dieser offensichtliche Hang zum instrumentalen Stoizismus nicht in gnadenloser Monotonie endet. Die Songs, so scheint es, brauchen schlicht und ergreifend nicht mehr, über die volle Länge lebt das Album von der Kälte, die es durchweht. Und natürlich von den wohldosierten Ausbrüchen aus dem wavigen Frösteln. Und überhaupt, Kälte: „Keine Sonne, keine Cola“, „Blutig im Schnee“, „Kältester Tag der Welt“? Es gibt schon im Blick auf die Titel keinen Zweifel: für wohligen Schönklang ist hier kein Platz. Das besagte „Blutig im Schnee“, das sich plötzlich von der Leine losreisst, ist da so ein Beispiel. Das folgende „Baader“ versucht erst gar nicht, sich zurückzuhalten und tritt mit seinem astreinen Punk Türen ein. Und dass „Kratzer to the top“, „Goldjunge“ und „Dauerwerbesendung“ starke Songs sind, steht außer Frage.
Um es kurz zu machen. „Republik der Heiserkeit“ ist ein hintersinnges und gutes Album. Und 206 ein willkommener Neuzugang in der hiesigen Bandlandschaft.