Es geht ja doch

Wir haben ihn ja hier schon selber mehr oder weniger für tot erklärt, den deutschsprachigen Punk, aber dann doch etwas übersehen: 206, ein kleines, aber sehr ordentliches Trio das endlich mal wieder auch glaubwürdig für abgrundtief angepisste Musik steht. Ok, Deutschpunk im engeren Sinne ist das nicht, aber das macht auch nichts weiter. 206 sind zu clever, um irgendwelche Parolen zu dreschen. Sie schieben stattdessen den Bass ganz nach vorne, reduzieren ihre Songs aufs nötigste und kommen damit auch noch ganz vorzüglich durch.

Auf dem Schirm vol.I

Unter dem leidlich kreativen Titel „Auf dem Schirm“ wollen wir an dieser Stelle Bands vorstellen, von denen bestimmt einige schon gehört haben, die aber eigentlich noch viel, viel mehr Beachtung auf sich ziehen müssten und vielleicht mal mit einem richtig grandiosen Werk vorstellig werden.

Den Anfang dürfen dabei Incommunicado machen, die mit ihrem Album „Losing Daylight“ auf den Spuren der späten At the Drive-In und Fugazi wandeln, ohne dabei jedoch den Punk aus den Augen zu verlieren. Da die Band bei Anti-Flag’s Hauslabel A-F-Records gesignt ist, dürfte letzteres nicht allzu sehr verwundern.
Und jetzt, „Ratings“:

Stilistisch ähnlich geht es weiter mit Kenzari’s Middle Kata. In München längst Lokalhelden, sind die vier gerade dabei, ihre HörerInnenschaft mit der letzten Platte „Body vs. Function“ auszuweiten. Mit ein klein wenig Erfolg. Live ist die Band übrigens eine Wucht.
Hier allerdings erstmal „No Room“ vom Vorgängeralbum „Black Box Consciousness“:

Weniger kraftvoll, dafür umso bezaubernder kommen Electric President daher. Nach mittlerweile drei Alben und trotz der Verwendung in O.C. California, sind ihre Songs nicht totzukriegen, wie „Insomnia“ hier mal beweisen darf. Wer mit dieser Band warm wird, wird dies übrigens mit hundertprozentiger Sicherheit auch mit Radical Face werden.

Lali Puna gestalten ihre Songs noch ein wenig minimalistischer. In bester The Notwist-Tradition pluckert und fiept es hier wohltuend vor sich hin. Die entsprechenden Melodien gibts gratis dazu:

Frank Turner – Immer unterwegs

Wir geben zu: Wir feiern Frank Turner. Jederzeit. Und zwar nicht umsonst, war doch sein letztes Album „England Keep My Bones“ sein bisher stärkstes. Jetzt hat der ehemalige Fronter der Hardcoreband Million Dead ein neues Video zusammengekaspert. Und das wollen wir euch natürlich auf keinen Fall vorenthalten.
Außerdem gab Turner kürzlich bekannt, wieder in einer Hardcoreband spielen zu wollen und dementsprechend eine solche gründen zu wollen. Wir sind gespannt, was da kommen mag.
Aber jetzt erstmal das neue Video zum Song „Wessex Boy“:

Ach, auf Tour ist Frank Turner übrigens auch- wie immer eigentlich.

16.11. Hannover – Faust
17.11. Münster – Sputnikhalle
29.11. Köln – Live Music Hall
30.11. Stuttgart – Wagenhallen
01.12. München – Backstage Halle
02.12. Berlin – Postbahnhof
04.12. Hamburg – Fabrik
05.12. Rostock – Mau Club
07.12. Bielefeld – Ringlokschuppen
10.12. Trier – Messepark
17.12. Zürich – Abart
18.12. Wien – Wuk
19.12. Graz – PPC
20.12. Heidelberg – Karlstorbahnhof

The Ting Tings – Kunst?

The Ting Tings haben vor ein paar Jahren mit ihrem Debut We Started Nothing irgendwo zwischen Formatradio und Indiepostille für Aufsehen gesorgt. Durchaus im positiven Sinne übrigens. Nachdem die letzte Platte nun auch schon ein Weilchen her ist, ist es nur logisch, dass die Band langsam wieder was von sich hören lässt. So wird die neue Platte den im ersten Moment hochtrabend anmutenden Titel Kunst tragen. Aber mit Albumtiteln spielen die Beiden ja ganz gerne. Hören kann man auch bereits etwas, und zwar „Two Hands“ und „Hang It Up.“
Ob das nun Kunst ist oder nicht, sei dahingestellt, ob das nun gut ist übrigens auch. Fest steht: Beide Stücke nehmen sich nicht wirklich ernst und wirken auf ihre eigene Art fast sympathisch aus der Zeit gefallen. Und: Wenigstens „Two Hands“ wird bestimmt in der durchschnittlichen Indie-Disse eures Vertrauens laufen. Ob man sich da nun wirklich drüber freuen soll, kann man jetzt selbst entscheiden:

Und hier gehts zu Hang It Up.

Nada Surf – Das Ende der Warterei

Vier lange Jahre war es nun still um Nada Surf. Jetzt endlich verkündet die Band, neues Material fertig zu haben. Album Nummer 3 in der Post-Meisterwerk-Phase wird nun auf den Titel The Stars Are Indifferent To Astronomy hören und am 27. Januar im Plattenladen eures Vertrauens zu haben sein. Für ungeduldige gibt es bereits jetzt „When I Was Young“ zum kostenlosen Download auf der Bandhomepage.
Auf Tour kommt die Band übrigens auch:

11.11. Weissenhäuser Strand – Rolling Stone Weekender
10.02. Amsterdam – Melkweg
12.02. Brüssel – Ab
24.02. Zürich – Komplex 457
25.02. München – Backstage
26.02. Berlin – Huxley´s Neue Welt
27.02. Hamburg – Markthalle

Und so sieht die neue Platte aus:

Ein bisschen Aktuelles

Wir fangen an mit niemand geringerem als Nagel, seineszeichens ehemaliger Sänger und Gitarrist bei den furiosen Muff Potter, Autor zweier Bücher und seit neuestem auch Künstler. Also Künstler im Sinne von Kunstschaffender im eigentlichen Sinne, neben Literatur und Musik. So hat Nagel eine Handvoll Linolschnitte zu einer Galerie zusammengestellt, die man an folgenden Orten und Zeiten bewundern darf:

11.11. Stuttgart – Kellerklub
24.11. Weissenhäuser Strand – Rolling Stone Weekender
21.12. Berlin – Zur Wilden Renate
25.12. Berlin – Kaffee Burger

Wir wünschen Nagel an dieser Stelle mal ganz salopp, dass er beim Künstlern alle Finger behalten durfte. So ein Linolschnitt kann ja zur blutigen Angelegenheit werden.

Weiter gehts in ähnlichen, wenn auch noch etwas härteren Gefilden mit den Gallows. Da wir gerade beim Blut waren: Dieses fließt auf ihren Konzerten bestimmt auch ab und an. Außerdem ist die Band ja bekannterweise mit einem neuen Sänger ausgestattet und fleißig dabei, an neuen Songs zu werkeln. Wer nun neugierig ist, kann sich hier von den Livequalitäten, dem neuen Sänger und einem neuen Song namens „Mondo Chaos“ überzeugen. Da:

Außerdem: Rise Against kommen mal wieder für ein paar Tage ins Land. Bei ständig größer werdenden Hallen und einer eher zwiespältig aufgenommenen letzten Platte muss man das nicht als Grund zum Jubeln nehmen, wir geben allerdings zwei Namen zu bedenken. Touché Amoré und die Architects. Ja genau, die beiden haben Rise Against als Vorbands dabei. Na wenn das mal kein grandioses Line-up ist, wissen wir auch nicht mehr weiter. Ach ja, aufs Konzert gehen könnt ihr hier:

01.03. Dortmund – Westfalenhallen
02.03. Stuttgart – Schleyerhalle
03.03. Berlin – Arena Treptow
18.03. Leipzig – Arena

Das Ende der Beschwerde

Die Silben erzittern, das Feuilleton hyperventiliert und wir freuen uns diebisch: PeterLicht ist wieder da. Nach den Liedern vom Ende des Kapitalismus und Melancholie und Gesellschaft ruft Licht jetzt also Das Ende der Beschwerde aus. Dieses Ende klingt, soweit man es nach den ersten Höreindrücken beurteilen kann, im Vergleich zum klavierdominierten letzten Album kraftvoller und Gitarrenlastiger als zuletzt. Texte zum immer wieder hinhören selbstverständlich inklusive.
Aber bevor wir selber weiter versuchen, Lichts Songs zu umschreiben, lassen wir den Künstler selber sprechen. Und zwar hier.

Oder hier:

Wer lieber lesen will, kann das auch tun, z.B. bei der ZEIT. Dort gibt es einen Verhör, pardon, ein Interview zu lesen, wie es nur DIE ZEIT führen konnte. Wer es etwas weniger offensiv mag, sollte es übrigens hier versuchen.
Das Ende der Beschwerde erscheint im Übrigen am 28. Oktober. Ein Artwork hat es sogar auch:

Und ein Tracklist:

01. Sag mir wie ich beginnen soll
02. Wir sollten uns halten
03. Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses
04. Steigen/Fallen
05. Neue Idee
06. Meine alten Schuhe (Große Sonne verbrennt ganzes Geld)
07. Das Ende der Beschwerde
08. Fluchtstück
09. Schüttel den Barmann
10. Wir/Was/Wir/Wolln
11. Wort von den Worten an den Wänden
12. Der neue Mensch

Und eine Single:

The Twilight Sad – Neues Album

Zugegeben, das Bild ist nun nicht eben appetitanregend. Allerdings steht es da oben völlig zurecht, denn: The Twilight Sad melden sich zurück. Mit einer neuen Platte, die auf den Namen No one can ever know hören wird und im Februar 2012 erscheinen wird.
Reinhören kann man auch bereits, zum Beispiel in „Kill it in the Morning“, ein tiefschwarzes Brett von einem Song.

Die Single „Sick“, zu der die sympathische Gestalt dort oben gehört, erscheint übrigens am 14. November.

Blink 182 – Neighborhoods

Eine neue Platte von Blink 182? Hier? Und das, nachdem die Soloprojekte – allen voran Angels and Airwaves und +44 – wahlweise überambitionierten Stadionrock oder müden Poppunk hervorgebracht haben? Ganz genau. Denn:
Die Erwartungen, die man an diese Platte stellen kann, wenn man nur ein zweites mal hinsieht, sind überraschend hoch. Da wäre zum einen die Erkenntnis, dass die drei am besten waren und sind, wenn sie als Blink 182 im Studio stehen und vor allem das selbstbetitelte Vorgängeralbum. Letzteres hat die Band aus dem Poppunksumpf herausgezogen, eine völlig neue Hörerschaft generiert und eben auch die Erwartungen völlig verändert. Da kamen die vormaligen Clowns plötzlich mit einer atmosphärischen, ausgefeilten Platte daher und hatten zu allem Überfluss auch noch Robert Smith im Schlepptau. Und nu? Was machen die drei nun nach Pause, Comeback, abgesagten Konzerten und verschobenem Albumrelease?
Nun, streng genommen nichts gescheites. Neighborhoods ist, daran ist nicht zu rütteln, in erster Linie ein überproduziertes Konglomerat an Versatzstücken und losen Enden. Dass sich die Band für die Platte nicht einmal gemeinsam ins Studio gestellt hat, hört man ihr deutlich an. Man nehme nur das einigermaßen gruselige Synthiegestümper von „Up All Night“, dass mit den „harten“ Parts so gar nicht zusammenpassen will, oder das deplazierte Gegniedel in „Natives“. Dass Tom Delonge seine zwar gewöhnungsbedürftige, aber doch charakteristische Stimme unbedingt in tiefere Tonlagen zwingen muss und so nur noch ein gleichförmiges Nölen von sich gibt, verbessert die Sachlage nicht wirklich.
Da hilft es auch recht wenig, dass Neighborhoods ohne einen wirklich schlechten Song auskommt. Oder dass „After Midnight“ und vor allem „Heart’s all gone“ die besseren Songs der früheren Schaffensphasen grüßen. Hier sägt sich eine Band sehenden Auges selber ab.
Neighborhoods ist kein gutes Album, es ist nicht mal ein Schlechtes. Dieses Album ist, und das ist viel schlimmer, einfach nur vollkommen egal.