White! Wives!

Wer keinen Bock mehr auf Anti-Flag und Konsorten hat, dabei aber dennoch dem guten alten Punkrock nicht abgeneigt ist, sollte dringend, nein, unbedingt, die White Wives hören. Nachdem The Gaslight Anthem und Against Me! Punkrock ja zuletzt etwas Bruce-iger interpretiert haben, fügen die White Wives dem Ganzen wieder eine neue Nuance hinzu.
So, und jetzt hier die Band, die sich selbst der Punkrock merken sollte:

Berge versetzen

Jaja, über die Band Moving Mountains eine solche Überschrift zu setzen ist großer Mist, aber manchmal kann eben einfach gar nicht anders. Vor allem dann nicht, wenn ihr neues Album Waves so dermaßen gut ist, dass man merkt, dass Musik eben doch irgendwie Berge versetzen kann. Die Platte gibt es übrigens bereits im Handel. Und hier im Stream:

Der Uhlmann nun wieder

Zum Einstieg gibt es heute den wichtigsten Satz, um in Hipsterkreisen bestehen zu können: Thees Uhlmann nervt. Komisches Bühnengehopse, pathostriefende Songs, übergroßes Sendungsbewusstsein und überhaupt machen Tomte eh inzwischen Schlager und waren – vorsicht Standardfloskel – früher sowieso viel, viel, ganz viel besser.
Da das hier allerdings keine Hipsterseite ist, lassen wir den ganzen Kram da oben mal Kram sein, und beschäftigen uns mit wichtigeren Dingen. Zum Beispiel mit der neuen Platte, die Thees nun bald unter die Leute bringen wird. Die erscheint nämlich am 26. August, ist selbstbetitelt und trägt einen Lederjackenthees auf dem Cover. Und auf dieser Platte wird der Uhlmann aller Wahrscheinlichkeit nach wieder das tun, was er am besten kann: verdammt dick auftragen und mit großen Gesten um sich werfen. Und einen Song mit dem sperrigen Titel „Zum laichen und sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ darbieten.
Manche werden das als nervig bezeichnen. Oder vielleicht auch als Schlager. Nach einem Blick ins zugehörige Video, in dem Thees Uhlmann alles, was ihm nachgesagt wird nicht nur bestätigt, sondern auch auf die Spitze treibt, kann man allerdings nur sagen: Es berührt.
Ja. Thees Uhlmann nervt. Im besten Sinne.
Und jetzt reicht es auch mit den Gesabbel. Hier das Video:

Hot Water Music: EP! Platte! Tour! Song!

Seit 7 Jahren hat man so gut wie nichts gehört von Gainesvilles finest – Hot Water Music. Nun erscheint am 02. August nicht nur mit The Fire, The Steel, The Tread/Adds Up To Nothing eine EP, sondern Ende des Jahres geht es für die Herrschaften auch ins Studio, um – richtig geraten – ein neues Album aufzunehmen.
Außerdem schaut die Band auf ein paar Konzerte vorbei:

05.08. Hannover – Bei Chez Heinz
06.08. Horb am Neckar – Mini-Rock-Festival
07.08. Frankfurt – Batschkapp
08.08. Tilburg – 013
09.08. Saarbrücken – Garage
10.08. Lindau – Club Vaudeville
11.08. München – Theaterfabrik
17.08. Steyr – Röda
20.08. Schweinfurt – Alter Stattbahnhof
24.08. Aarschot – JC De Klinker

Und als ob das der freudigen Nachrichten nicht genug wäre, steht seit jetzt auch „Up to nothing“ zum anhören bereit.

Um dem ganzen etwas die Sachlichkeit zu nehmen: Das Hot Water Music noch mal derart aktiv werden, ist wunderschön. Und vor allem einfach saucool.

Neue Alben von La Dispute und Circle Takes The Square

Nein, das da oben sind nicht die legitimen Nachfolger von solchen Granatenbands wie Itchy Poopzkid oder den Killerpilzen, das sind La Dispute und die sind auch nicht für irgendwelche Poppunk-Verbrechen zuständig. Und vor allen sind sie nach ihrem Debut Somewhere At the Bottom of the River Between Vega and Altair gerade damit beschäftigt, ein neues Album zusammenzuzimmern, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.
Ob die Band sich dabei am melodramatisch-furiosen Geholze des Debuts orientiert, oder sich zu weiteren Experimenten wie auf Hear Hear I-III hinreissen lässt, bleibt abzuwarten. Gespannt kann man allerdings allemal sein, beherrscht die Band doch sowohl den intensiven Hardcore, als auch Spoken-Word-Zeugs ganz vorzüglich.
Für Neugierige gibts hier noch 12 überragende Minuten La Dispute:

Was aus der Ecke von Bands, deren Stil ein „Post“ im Namen tragen darf noch zu erwähnen ist:

Neben La Dispute haben es auch Circle Takes The Square, die erstens die Lieblingsband dieses Blogs und zweitens nicht ganz unschuldig am Sound von z.B. La Dispute sind, endlich auf die Reihe bekommen, eine neue Platte aufzunehmen.
Rites of Initiation wird das Teil dann heißen und – nach einer gewühlten Ewigkeit der Warterei – ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen. Und als ob das nicht schön genug wäre, spendiet uns die Band auf Youtube noch ein kleines Teaservideo.
Für SchubladenliebhaberInnen wäre das dann wohl übrigens Post-Alles. Oder so ähnlich.

Casper – XOXO

Casper - XOXO

„Das no-future das Rückseiten unserer Jacken prophezeiten“

Benjamin Griffey alias Casper hat viel zu tun in letzter Zeit. Der 28-jährige hetzt von Interview zum Konzert zum nächsten Interview, haut zwischendurch ein paar abgehackte Botschaften in Facebook raus und hat – fast hätte man es vergessen – eine neue Platte dabei. Dabei ist XOXO nicht irgendeine Platte, sondern DIE Platte, die Casper zu DEM Künstler der Stunde macht. Spiegel, Visions, SZ, Zeit, Spex, [hier bitte beliebiges Magazin einfügen], alle lieben Casper, schließlich ist der doch der Retter des deutschsprachigen Hip Hop. Mindestens. Wenn nicht der der nächste Messias. Oder Gott höchstpersönlich. Das XOXO kommerziell dementsprechend durch die Decke ging: klar.
Nur, was ist nun dran, an all der Lobhudelei? Und vor allem: kann man ein Album, das so penetrant gehyped wird, überhaupt mögen?
Nun, man kann.
XOXO, soviel steht fest, ist nun nicht die Rettung eines ganzen Genres, es ist auch nicht – obwohl auf sattem Bandsound gebaut – die Erfindung des Post-Hop, Indierap, oder was auch immer. In erster Linie ist es ein Album, das bis zum gerade noch Möglichen mit Ideen, Ambitionen und Pathos vollgestopft ist. Ein Grenzgang, der gerade so funktioniert. So ist es „Blut sehen“, das mit seinem staubtrockenen Beat unvermittelt den Opener abwürgt und diesen dadurch davor bewahrt, in Linkin Parksche Gesten abzustürzen. So sind es überhaupt die simpleren Momente, die die bedeutungsschwangere Stimmung von XOXO nicht unangenehm, sondern – vorsicht Worthülse – authentisch klingen lassen: Das erwähnte „Blut sehen“, mit seinem ständigen Wolfsgeknurre im Hintergrund, Thees Uhlmanns naiv-hoffnungsvolle Zeilen im Titeltrack und das viel zu wenig erwähnte „Lilablau“, das noch am meisten das Zeug dazu hat, Genregrenzen niederzureissen. Casper gelingt außerdem das Kunststück, auf einen Song wie „Michael X“, der mit voller Wucht auf den Magen und die Tränendrüsen drückt, ein fluffig-egales „So Perfekt“ folgen zu lassen. Und letzteres dadurch zu einem wichtigen Bestandteil des Albums zu machen. Und wenn Casper uns dann noch „Zu viele Scheißbands! Zu viel Hype!“ entgegenbrüllt und zum Ende der Platte die Zweifel mit „Kontrolle/Schlaf“ doch wieder die Oberhand gewinnen, ist sowieso alles gut. Erwähnung verdient hat im Übrigen auch der wahrhaft exzellente Sound, dem man anmerkt, dass hier die pure Freude an der Detailverliebtheit am Werk war und der mit jedem Durchlauf ein paar mehr dieser Details an die Oberfläche lässt.
Das Ganze wird dann noch abgerundet von Texten, so deutlich wie möglich und tiefsinnig wie nötig. Und das soll jetzt bitte positiv verstanden werden. Casper meistert die Aufgabe, beim Versuch, Zeitgeist zu vertonen nicht in peinliche Pseudo-Bedeutsamkeit zu verfallen und schafft es so, ein Album rauszuhauen, auf das sich sowohl Rap- als auch Indienerds einigen könn(t)en. Und obwohl es schade ist, dass Caspers im Hardcore geschulte Stimmgewalt eines Whiskeyfasses in der Studioaufnahme etwas monoton geraten ist, bleibt nur eines zu sagen:
Chapeau!

8/10

Anhören: Blut sehen, XOXO, Michael X, Lilablau, Kontrolle/Schlaf

k-k-k-KAMPtalbaaahn!

Wie, das ist ein komischer Titel?
Von wegen! Der Buchstabensalat stammt auch nicht von heartcooksbrain, sondern von Rika, also von einer der ganz wenigen Bands, die unter dem inzwischen mächtig gruselig gewordenen Etikett „Emo“ (und was so alles drumherum passiert) noch richtig gute Musik versteht. Ach, und nebenbei auch richtig gute Musik macht. Und das – wir erlauben uns an dieser Stelle man den leidlich witzigen Spruch – obwohl sie aus Österreich kommen.
Und warum wird das alles erzählt? Ganz genau, die Band ist gerade dabei, eine neue Platte aufzunehmen. Und darüber hinaus sind Rika auch noch furchtlos und geduldig genug, per WordPress über die Aufnahmen zu berichten. Das ist nicht nur beachtlich (WordPress ist nicht immer nett zu seinen BenutzerInnen), sondern auch ziemlich amüsant und interessant.
Wer mitlesen will, klicke also bitte hier.
Und wer jetzt noch etwas von Rika hören will, und zwar sofort, auf der Stelle und überhaupt gleich, muss zwar mit nicht eben grandioser Soundqualität klarkommen, darf sich aber dennoch am grandiosen „Cardboard City“ erfreuen. Ab dafür:

Und noch was: So hat ein Studio gefälligst auszusehen: