The Twilight Sad – EP zu verschenken

The Twilight Sad befinden sich gerade mitten im Aufnahmeprozess für ein neues Album. Name und Erscheinungstermin sind natürlich noch unbekannt.
So weit, so unspektakulär.
Dass die Band, die unter anderem ein nicht ganz unwichtiger Einfluss für We Were Promised Jetpacks und Frightened Rabbit – beide grandios – dabei allerdings eine Acoustic-EP aufgenommen hat, ist schon eher spektakulär.
Und dass diese jetzt verschenkt wird – bei Angabe der Mailadresse – er recht.

Hier gehts zur Gratis-EP

Mal was anderes: Indierap

Vor Jahren beim frühmorgendlichen, ausschweifenden schwadronieren über Musik, Genres und Bands fiel mal der Name Casper. Grandios sei der, noch viel grandioser würde er werden. Nun, gehört, gemocht und im Auge behalten.
Jetzt scheint sich die These des noch besser werdenden Caspers zu bestätigen. Die Kombination aus Rap und Indierock mit einer Stimme, die an Intensität schwerlich zu überbieten ist, lässt für das kommende Album nur Großes erwarten.
Und für alle, die jetzt neugierig geworden sind, gibt es „Alaska.“ Und zwar live.

Punkrock. Virtuos. Umsonst

Nicht unbedingt neu, aber sehr zu empfehlen sind die Alben, die im Folgenden kurz vorgestellt werden. Unter dem Link gibt es diese auch umsonst zum Download.
Mit dabei sind Wilson Jr., Patenblau 5 und Clockwise From Top.

Den Anfang machen Patentblau 5. Inzwischen längst wieder aufgelöst, zelebrieren sie auf schwarzweiss in farbe virtuosen, emotionalen Punkrock zwischen Wut und Melancholie und bringen dabei durchaus beachtliche Songs hervor. „Auf hoher See“ ist in Melodie und stimmlicher Umsetzung vertonte Sehnsucht, ein Lied zum immer wieder hören, das sich kein Stück abnutzt. „Oben ohne“ und „Du und deine Armee“ ziehen Tempo und Aggression hin zum waschechten Punk an, „’17“ vereint spoken-word mit großgestigem Krachfinale und „Video“ lungert als gelungene Halbballade herum. Dass „Morgen wird es gehen“ und „Leihbücherei“ schlichtweg gut sind und „Track 12“ kaum Melodie verliebter sein könnte, macht den Spass an dieser Platte perfekt.

Mit Winter liebt dich gibt es dann das fast gleiche Album von der gleichen Band. Die Entwicklung von den verhallt produzierten älteren Versionen der Stücke hin zu den finalen Interpretation auf „schwarzweiss in farbe“ ist allerdings durchaus interessant zu beobachten. Zumal das oben erwähnte „Auf hoher See“ in der alten Version vor allem aufgrund des Gesang fast noch besser ist.

Zum Schluss gibt es dann noch das 1998er Album Life’s That Easy!? von Clockwise From Top. Wer an englischsprachigem Punk mit Tendenz zum melodischen Hardcore seine Freude hat, dürfte mit diesem Album glücklich werden. Dass der Akzent teilweise Fussnägel rollen lässt, mindert den Hörgenuss zwar, aber Songs wie „Loosing More“ kriegt man auch damit nicht kaputt.
Und für alle, die jetzt zu faul zum hochscrollen sind, gibts jetzt nochmal den Link:
Punkrock. Virtuos. Umsonst.

Krawallbrüder

Okkervil River sind so eine Band, die prinzipiell nicht enttäuschen kann. Jetzt gibt es mit I Am Very Far eine neue Platte, die selbiges ein mal öfter beweist.
Bei einem derart leidenschaftlichen Bandkopf wie Will Sheff, der „seinen Verstand an Ort bringen wollte, an die er nicht gehen wollte“ und im Studio ein Equipmentgemetzel veranstalten muss, um Schmerz in die Musik zu übertragen, ist dies auch nicht weiter verwunderlich.
Alle, die nun denken, der Typ sei ein ausgemachter Spinner und die Band nichts Besonderes können sich jetzt auch im Albumstream wahlweise vom Gegenteil überzeugen lassen, oder – was eher unwahrscheinlich erscheint – sich in dieser Meinung bestätigt fühlen.
Das Album in voller Länge gibt es dann hier:
NPR

Senore Matze Rossi – Vier Geschichten von Maschinen, Veränderung, einer Liebe und warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann

Wenn ein Lied mit einem Zitat beginnt, folgt meist etwas vermeintlich Großes oder zumindest sehr Ambitioniertes. Matze Nürnberger macht hier keine Ausnahme und läutet den zweiten Teil seiner EP-Trilogie mit einem solchen ein. „Was haben wir dazu gelernt?“ lautet die Frage am Anfang von Vier Geschichten von Maschinen, Veränderung, einer Liebe und warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann. Nun, dass man einer Songsammlung – und sei es nur eine EP – vielleicht etwas griffigere Titel verpassen könnte, hat Herr Rossi offensichtlich noch nicht gelernt. Aber bis zum kompletten Album kann das ja noch werden. Wie ein guter Song geschrieben wird, muss Nürnberger zum Glück ohnehin nicht mehr lernen. Und so gerät „Was haben wir dazu gelernt“ zum bis dato besten Stück des noch unbetitelten neuen Albums. Da schleppt sich ein staubiges Riff durch die Strophe, in der Nürnbergers Stimme Assoziationen zu einem Whiskyfass weckt, schiebt eine Bridge den Song in die Stille, um schließlich einen Refrain auf die Welt loszulassen, der eben diese mit allem was er hat umspannt. Gen Firmament gereckte Fäuste garantiert. So gehen Emotionen. Zeilen und Bilder wie ‚manchmal komme ich mir vor, wie eine hilflose Schachfigur eines riesengroßen Vollidioten‘ sichern das Stück dabei vor jeglichem Kitsch und bilden die Krönung dieses grandiosen Einstiegs.
Umso größer ist dann die Enttäuschung, die „Du bist nur eine Maschine“ mit sich bringt. Das ist eben ’nur‘ ein gewöhnlicher und passabler Rocksong, nicht mehr, nicht weniger. Auch mit „Als hätten sie mich nie besiegt“ verhält es sich ähnlich. Beide Stücke sind gewiss nicht schlecht, nur eben auch nicht außergewöhnlich gut. Hier finden sich die bisher durchschnittlichsten Momente von Rossis neuen Songs.
Mit „Warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann“ macht Rossi dann aber wieder alles richtig, kreiert ein rip-off ohne rip-off. Die Uminterpretation von „Where’s my mind“ als tiefstmögliche Verneigung vor den Pixies ist bewundernswert clever und einfach nur enorm sympathisch. Ein Kommentar ob der Qualität des Songs erübrigt sich bei der Vorlage sowieso.
Nun wurde hier zur ersten EP die Behauptung aufgestellt, Nürnberger könne in die Fussstapfen von Muff Potter treten, so er denn das Niveau halten könne. Letzteres ist ihm nicht ganz gelungen. Dass Rossi trotzdem die Potters ersetzen kann, bleibt dennoch zu hoffen.
Bis dahin halten wir uns an die grandiosen Momente dieser EP.

6/10

Musik aus Leidenschaft?

So. Nach mittlerweile 68 Ausgaben, in denen man den Werdegang und das Treiben der VISIONS mehr oder minder genau verfolgt hat, wird das Ganze – nun ja – zunehmend ärgerlich.
Dass eine Redaktion ihre Lieblingsbands hat und sich diese Tatsache zwangsweise in der Berichterstattung niederschlägt – geschenkt. So penetrant und offensichtlich die VISIONS allerdings ihre Helden inzwischen anhimmelt ist nicht mehr tragbar. Die Beatsteaks? Cover und Album des Monats. Rise Against? Ebenso. Die Foo Fighters? Richtig, ebenso.
Dieses mal wären gemäß der VISIONS-Logik also Dredg an der Reihe gewesen. Blöd nur, dass Dredg diesen Plan – zweifelsohne nicht mutwillig – mit einem miserablen Album verhageln. Was tun also? Richtig, man beglückt die LeserInnenschaft mit einer fünfseitigen Coverstory und verwendet im Display nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein, sage und schreibe vier Reviews auf Chuckles And Mr.Squeezy, die neue Dredg-Platte, anstatt sich den Platz für Bands aufzusparen, die nicht jede alte Indie/Alternative-Sau kennt. Und kommt nicht mal auf die Idee, dass normal intelligenten LeserInnen ein Blick in den Soundcheck genügt, um herauszufinden, dass die neue Dredg wohl nicht so dolle ist. Bravo, Redaktion!
Ach überhaupt, der Soundcheck: Da durften auch mal mehr Menschen ihre Meinung loswerden und zu einer verlässlicheren Bewertung beitragen.
Dass man dann noch dem Monatsrückblick alle Übersichtlichkeit geraubt hat und es in manchen Heften die spannendste Aufgabe ist, im Layoutwahnsinn der Auftakt-Strecke die Artikel zu finden, erhöht das Lesevergnügen nun auch nicht wirklich. Und dass die VISIONS die Konzerte der Guano Apes empfiehlt auch nicht. Und doppelseitige Werbeanzeigen von H&M und Converse erst recht nicht. Und Berichte über die Hobbys diverser Bandmitglieder auch nicht zwingend. Und Poster auch nicht. Und semipeinliche Slogans wie „Lauter Lesen“ oder eben „Musik aus Leidenschaft“ auch nicht. Von den meist grauenhaften All Areas-CDs ganz zu schweigen.
Selbstverständlich ist es keine einfache Aufgabe, sich als Musikblatt gegen die „Konkurrenz“ aus dem Internet zu behaupten und selbstverständlich ist beispielsweise ein Oliver Uschmann kaum zu ersetzen. Eine Rechtfertigung für die aktuelle Entwicklung hin zum laut.de in gedruckter Form kann dies allerdings nicht sein.
Man könnte doch auch mehr Mut zur klaren Aussage beweisen wie in der aktuellen „Zukunftsmusik“, in welcher der Arctic Monkeys Song „Brick by Brick“ völlig zurecht als miserabel bezeichnet wird.
Man könnte auch endlich die CD – mit Liedern die man erstens im Internet an jeder Ecke trifft und zweitens meist auch noch kostenfrei downloaden kann – aus dem Heft werfen und die VISIONS entsprechend günstiger verkaufen. Oder grandiosen, aber unbekannten Bands in einer eigenen Kategorie eine Plattform bieten. Oder öfter das Themenspektrum erweitern. Und man könnte Dennis Plauk darauf hinweisen, dass der Vergleich von VISIONS Cover und Album des Montags mit Meisterschaft und Pokalsieg verdammt nochmal schlichtweg von Größenwahn zeugt. Und man könnte endlich damit aufhören, Freundschaften mit manchen Bands im Heft auszuleben.
Wenn die VISIONS mittelfristig nicht entweder zur Klatschzeitung oder zum Anachronismus verkommen will, darf sie keinesfalls in dieser Form weiterwursteln.
Und weil man ja nicht nur am kritteln sein will, hier der erste Vorschlag für eine große Verbesserung:

Britta Helm, übernehmen Sie!

(Anm.: Der Autor dieses Textes distanziert sich nachträglich vom verwendeten Tonfall.)